Vatikanstadt

Im Blickpunkt: Die Sorge der Päpste um die Priester

Das Wohl ihrer Priester lag den Päpsten stets am Herzen. Schon Johannes Paul II. wandte sich regelmäßig schriftlich an sie. Franziskus hat es ihm gleichgetan.

Priester stehen um den Altar im Petersdom
Das Wohl ihrer Priester lag den Päpsten stets am Herzen. Foto: dpa

Der Petersplatz war zur Hälfte mit konzelebrierenden Priestern gefüllt, als Benedikt XVI. am Herz-Jesu-Fest 2010 seine Predigt zum Abschluss des Priesterjahrs hielt. Der Augenblick barg in sich eine gewisse Dramatik. „Es war zu erwarten“, sagte damals der Papst, „dass dem bösen Feind dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird.“ 2010, das „annus horribilis“ der Kirche und auch des deutschen Pontifikats.

„So ist es geschehen“, fuhr Benedikt fort, „dass gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt wurden – vor allem der Missbrauch der Kleinen, in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt wird.“ Es war eine sehr ausgearbeitete Predigt, und sie begann sehr theologisch: „Der Priester ist nicht einfach ein Amtsträger wie ihn jede Gesellschaft braucht, damit gewisse Funktionen in ihr erfüllt werden können. Er tut vielmehr etwas, das kein Mensch aus sich heraus kann: Er spricht in Christi Namen das Wort der Vergebung für unsere Sünden und ändert so von Gott her den Zustand unseres Lebens.“

Und in der Eucharistie lasse der Priester den Auferstandenen gegenwärtig werden. „So ist Priestertum nicht einfach ,Amt‘, sondern Sakrament: Gott bedient sich eines armseligen Menschen, um durch ihn für die Menschen da zu sein.“

Neun Jahre sind seither vergangen. Auch weiterhin hat das Bekanntwerden von Missbrauchsverbrechen die Kirche erschüttert, auch wenn die Zahl der konkreten Fälle in den allerletzten Jahren im Schnitt zurückgegangen ist. Aber ein anderer Papst, Franziskus, sah jetzt den Moment gekommen, sich nochmals an alle Priester der Welt zu wenden, um sie mit seinem Schreiben vom vergangenen Sonntag, dem Gedenktag des Pfarrers von Ars, etwas aufzurichten, nachdem der Klerikerstasnd in der Kirche jahrelang durch den Fleischwolf der öffentlichen Meinung gedreht worden ist.

Ratschläge für das innere Leben

Die Theologie lässt Franziskus beiseite, es ist ein pastorales Schreiben, darum zitiert er in dem Brief weitgehend nur sich selbst. Er gibt den Priestern Ratschläge für ihr inneres Leben, er ermutigt sie, im Gebetsleben nie die Dankbarkeit und den Lobpreis Gottes fehlen zu lassen.

Jahrelang, von 1979 bis zu seinem Todesjahr 2005, hatte Johannes Paul II. zu jedem Gründonnerstag den Priestern der Welt einen Brief geschrieben. Er hatte eine hohe Meinung, ja eine mystische Schau des priesterlichen Amtes. Manche Klerikerverbrechen, wie sie später bekannt wurden, wären für Johannes Paul II. unvorstellbar gewesen, wenn er auch – wie bereits Paul VI. – erschüttert feststellen musste, wieviele Priester um die Entlassung aus dem Klerikerstand baten.

Mit den drei Höhepunkten der Missbrauchskrise, zunächst Anfang des Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten, dann 2010 und schließlich im vergangenen Jahr, ist der Blick der Päpste auf den Klerus realistischer geworden. Aber das Priestertum ist auch gefährdeter, wie die anhaltende innerkirchliche Debatte um den Zölibat zeigt. Denn wer, wie Benedikt XVI. sagte, Gott aus der Welt herausdrängen möchte, der will das Priestertum aussterben lassen.