Im Blickpunkt: Das Weltfamilientreffen in Dublin

Der Missbrauchsskandal überschattete das Weltfamilientreffen bis ins kleinste Detail. Von Josef Bordat

Bereits zuvor hatten die Absagen der US-Kardinäle O‘Malley und Wuerl für Aufsehen gesorgt. Explizit angesprochen vom Panel „Safeguarding Children and Vulnerable Adults“, wurde es in fast allen Reden thematisiert. Wie fest der Missbrauch das Treffen im Griff hatte, zeigte sich noch einmal besonders deutlich angesichts der bewegenden Worte von Papst Franziskus vor Vertretern der Regierung, des Diplomatischen Korps und des öffentlichen Lebens im „Dublin Castle“: Er fühle „Leid und Scham“, so der Heilige Vater. Was seine Worte wert sind, wird man sehen.

Papst Franziskus wurde in Irland höflich, aber distanziert empfangen. Die irische Gesellschaft habe sich gewandelt, seitdem im Jahre 1979 Papst Johannes Paul II. das Land besucht hat, bemerkte Premierminister Leo Varadkar. Irland stehe heute für Diversität, im Hinblick auf Fragen der Kultur und Religion, aber auch der Familie. Wenn ein homosexueller Regierungschef so etwas sagt, ist das eine überdeutliche Botschaft an die Katholische Kirche, zu der sich immerhin noch vier von fünf Iren zugehörig fühlen.

Diese nahm den Ball auf und thematisierte Lesben-, Schwulen- und Transgenderthemen, was zunächst einmal eines ist: mutig. James Martin SJ warb für Respekt gegenüber LGBT-Menschen und tat dies auf dem festen Grund des Katechismus. Allerdings wären Martins Thesen noch überzeugender, differenzierte er zwischen der von ihm benannten verabscheuungswürdigen Abneigung gegen Homo-, Bi- und Transsexuelle, die sogar vor Gewalt nicht zurückschreckt, und der berechtigten Sorge um die richtige theologische – also: dogmatische und pastorale – Einordnung. Hier gibt es einen Raum der Unsicherheit, einer Unsicherheit, die als solche nicht pathologisiert werden darf, sondern ebenfalls geachtet werden muss.

Die drei Tageslosungen des Kongresses orientierten sich an den christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe, das Programm reflektierte explizit verschiedene Kapitel von „Amoris laetitia“. Diese Struktur ist keine rein formale, sie präjudizierte die inhaltliche Ausrichtung. Das Weltfamilientreffen war mithin ein Forum, endlich mit der Umsetzung von „Amoris laetitia“ ernst zu machen. Motto: „Die Botschaft der Familie – Freude für die Welt“. Die Freude der Liebe.

Diese Freude war auch zu spüren. Die Beteiligung an einzelnen Veranstaltungen des Weltfamilientreffens gab unterdessen wenig Anlass zur Freude. Dass Kardinäle in fast leeren Hallen sprechen mussten und zu den drei hochinteressanten Keynote-Reden nur jeweils einige Hundert der über 30 000 Teilnehmer den Weg in die insoweit völlig überdimensionierte „Family-Arena“ fanden, trübte die Freude dann doch ganz erheblich. Eine solch schwache Resonanz ist sehr enttäuschend, daran konnte auch die schwungvolle irische Volksmusik nur wenig ändern, die in den Pausen auf dem Messegelände erklang.

Eine „Quelle der Stärkung für Familien auf der ganzen Welt“ sollte das Weltfamilientreffen in Dublin sein. Die Familien mögen gestärkt aus Dublin abreisen, der Familienbegriff wurde, wie nicht anders zu erwarten, gehörig aufgeweicht und das traditionelle katholische Konzept der Familie weiter geschwächt.