Im Blickpunkt: Bekehrung per Dekret?

Die von Papst Franziskus gewollte Kurienreform geht nach fünf Jahren in die Zielgerade. Es wird auch allmählich Zeit. Die Kurie hat ein Recht darauf zu erfahren, was sie denn nun eigentlich ist. Von Guido Horst

Die von Papst Franziskus gewollte Kurienreform geht nach fünf Jahren in die Zielgerade – aber die kann sich noch etwas hinziehen. Das vorläufige Dokument, aus dem die Konstitution entstehen soll, die die Kurienordnung „Pastor Bonus“ von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1988 ablösen soll, trägt den Arbeitstitel „Praedicate Evangelium“: „Predigt das Evangelium“. Eine etwas ungewöhnliche Überschrift, die man sich eher für ein Apostolisches Schreiben zur Mission oder Evangelisierung erwarten würde, nicht aber für eine Konstitution, die die Arbeitsabläufe im Vatikan regelt. Aber so war es gewollt: Von Anfang an hat Franziskus hervorgehoben, dass die Reform die „Selbstbezogenheit“ der Kurie abstellen und ihr einen schärferen Zuschnitt auf die Dienstfunktion an der Weltkirche verordnen soll. Mit anderen Worten: Der Vatikan soll subsidiärer und solidarischer mit den Sorgen und Nöten in den Ortskirchen werden. Das ist mehr als – wie bisher bereits geschehen – die Zusammenlegung von einigen Päpstlichen Räten zu zwei neuen Dikasterien und die Begleitung einer durch die Vereinigung der verschiedenen Vatikanmedien entstandenen Superbehörde. Es geht um eine neue Mentalität in den Büros des Vatikans. Aber wie soll das eine neue Konstitution leisten? Der Passauer Bischof Stefan Oster sagte einmal zu Beginn der jüngsten Jugendsynode, Bekehrung könne man nicht verordnen. Aber hat nicht genau das die Kurienreform vor: Konversion per Dekret? Weg von Klerikalismus und Selbstbezogenheit, hin zu mehr Synodalität und Dienstcharakter? Es wäre schön, wenn das einleitende Kapitel der neuen Konstitution diese Schlagwörter in einer Art Präambel konkreter ausleuchten würde.

Als der Rat der neun Kardinäle Anfang dieser Woche zu seiner 27. Sitzung mit Franziskus zusammentrat, fehlten drei Mitglieder. Der 85 Jahre alte Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa aus Chile hatte sich vorher schon selbst aus dem erlesenen Kreis verabschiedet. Und der Stuhl des emeritierten Erzbischofs von Kinshasa im Kongo, des 78 Jahre alten Kardinals Laurent Monsengwo Pasinya, blieb ebenfalls leer – wie auch der von Kardinal George Pell, der in seiner australischen Heimat seit anderthalb Jahren Gerichtsverfahren über sich ergehen lassen muss. Es hatte Stimmen gegeben, die seine Rückkehr noch für dieses Jahr in Aussicht stellten. Aber das scheint nicht so zu sein. Insgesamt erwartet man also nun, dass Franziskus drei neue Mitglieder in den Rat berufen wird.

Am Samstag wird der italienische Kirchenjurist Marco Mellino zum Bischof geweiht. Ihn hat der Papst im Oktober als beigeordneten Sekretär in den Rat geholt, in dem dieser – neben dem anderen Sekretär, Bischof Marcello Semeraro von Albano – wohl zusammen mit Kardinal Oswald Gracias für den kirchenrechtlichen Feinschliff der neuen Konstitution sorgen soll. Und dann wären da noch die Kardinäle Rodríguez Maradiaga (Honduras) als Koordinator, Marx (Deutschland), O?Malley (USA) sowie Staatssekretär Parolin und der Präsident der Verwaltung des Vatikanstaats, Bertello, die nun die zukünftige Kurienordnung endgültig aus der Taufe heben sollen. Es wird auch allmählich Zeit. Die Kurie hat ein Recht darauf zu erfahren, was sie denn nun eigentlich ist.