„Ideologischer Druck“

Polen: Erzbischof Gadecki wendet sich mit Blick auf Familiensynode gegen falsches Kommunionverständnis

Warschau (DT/mee) Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Stanislaw Gadecki, sieht zwei Ursachen dafür, dass sich die Familiensynode im vergangenen Herbst in Rom stärker mit nichtsakramentalen Ehefragen auseinandergesetzt habe.

In einem Interview mit der polnischen Zeitung „Nasz Dziennik“ nannte der 65-Jährige als ersten, „innerkirchlichen“ Grund, die Situation in Südamerika und Deutschland. In Südamerika, so Gadecki, würden Geschiedene, die nicht zur Kommunion gehen dürften, zu den Sekten abwandern, weshalb die Kirche ihnen Erleichterungen bieten wolle. Anders sei es in Deutschland „wo in der Praxis die verheirateten Geschiedenen, die immer noch in der katholischen Kirche sind, ohne jemand zu fragen zur Kommunion gehen“. Diese Gläubigen berücksichtigten aus seiner Sicht nicht „das rechte Gewissen“ und beachteten nicht die „kirchlichen und göttlichen Gebote“.

Es gäbe, wie Erzbischof Gadecki hervorhob, aber auch einen außerkirchlichen Grund für die Themensetzung der Synode, nämlich einen „großen ideologischen Druck“. „Libertäre Bewegungen“ würden versuchen, die Familie zu zerstören. Dies, so Gadecki, „führt zu einem solchen Zustand, dass jedes Kind lieber in einem Waisenheim erzogen werden will als in der Familie, die als Quelle der Gewalt behandelt wird“.

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz äußerte sich auch zum Empfang der sogenannten „geistlichen Kommunion“, die im Umfeld der Synode immer wieder als reguläres Alternativangebot für wiederverheiratete Geschiedene ins Spiel gebracht worden war. In diesem Bereich, so Gadecki, existiere ein „großes Missverständnis“.

Man würde die geistliche Kommunion fälschlicherweise „als Ersatz für die sakramentale Kommunion“ ansehen, welche den Wiederverheirateten nicht zustehe. „Die geistliche Kommunion ist jedoch nur für Menschen vorgesehen, die sich im Zustand der Gnade befinden, jedoch aufgrund von Priestermangel oder Verfolgung nicht in der Lage sind, auf materielle Weise die Kommunion zu erhalten.“

Deshalb, so Gadecki, wäre es gut, das Wort „Kommunion“ überhaupt nicht im Zusammenhang mit zivilen Ehen zu gebrauchen.