Hintergrund

Die katholische Kirche hat am Donnerstag beim Runden Tisch der Bundesregierung in Berlin ein Konzept zur Entschädigung der Opfer von sexuellem Missbrauch die katholische Kirche vorgelegt. Der Entwurf sieht vier Elemente möglicher Leistungen vor: Dazu gehört die Zahlung eines Geldbetrags als „finanzielle Anerkennung“ des zugefügten Leids. Darüber hinaus soll es Opfern ermöglicht werden, therapeutische Hilfe oder Paarberatung in Anspruch zu nehmen. Zum dritten gibt es Regelungen für individuelle Härtefälle. Schließlich wollen die Bischöfe sich für einen „Präventionsfonds“ stark machen, mit dem beispielhafte Projekte zur Vorbeugung von sexuellem Missbrauch gefördert werden. Konkrete Summen für Entschädigungen nennt der Entwurf nicht. Es sei Sache des Runden Tisches, eine Regelung für alle betroffenen Gruppen zu finden, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Es dürfe nicht dazu kommen, dass durch unterschiedliche Entschädigungssummen Opfergruppen herausgehoben oder benachteiligt würden. Ackermann betonte, die katholische Kirche lege damit als erste der am Runden Tisch beteiligten Gruppen einen Vorschlag zur Entschädigung vor. Ziel der Kirche sei es, das Leid und Unrecht, das den Opfern angetan wurde, anzuerkennen und zur Bewältigung belastender Lebensumstände beizutragen. Der Entwurf betont, dass die Hilfe schnell und unbürokratisch erfolgen soll. Priorität muss laut Entwurf eine Entschädigung durch die Täter haben. In zweiter Linie seien dann der jeweilige Orden, das Kloster oder das Bistum gefragt. Ackermann betonte, die Bischöfe seien sich einig, dass Zahlungen nicht aus allgemeinen Kirchensteuermitteln erfolgen sollten. Das Konzept stieß auf nachdrückliche Zustimmung der Bundesregierung. Die Ministerinnen Annette Schavan, Kristina Schröder (beide CDU) sowie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) begrüßten das kirchliche Vorgehen. Leutheusser-Schnarrenberger sprach von „ersten Überlegungen, die uns wirklich in diesen ganzen schwierigen Beratungen sehr weiterbringen werden“. Schavan sagte, das kirchliche Vorgehen könne ein sehr gutes Muster auch für andere Institutionen werden. Schröder nannte das Konzept einen wirklich wichtigen ersten Schritt. Es sei „durchdacht, auch praktikabel“ und könne beispielhaft für andere Institutionen sein.