Heilige Simeon - Meister der Askese

Der heilige Simeon, der Stylit, der Jüngere – Tagesheiliger vom 24. Mai. Von Katrin Krips-Schmidt

Wenn es so etwas wie den Meistertitel der Askese zu verleihen gäbe, dann dürften diesen wohl die sogenannten Säulenheiligen oder Styliten für sich in Anspruch nehmen. Man stelle sich vor, nicht nur tage- und wochenlang ohne oder jedenfalls nur mit sehr wenig Nahrung auszukommen und dazu auch noch auf dem Kapitell einer Säule stehend auszuharren. Simeon der Ältere, der Säulensteher oder Stylet (von Griechisch: stylos, die Säule), war so ein Asket. Er steht am Anfang einer neuen Bewegung, die sich vom 5. Jahrhundert an ausbreitete. Um das Jahr 390 als Sohn christlicher Eltern in Kilikien geboren, einer Landschaft in der heutigen Türkei an der Grenze zu Syrien, trat er 403 in ein Kloster ein. Schon in dieser Zeit fiel er durch strenge Bußübungen auf, sodass er schließlich das Kloster verlassen musste und als Einsiedler weiterlebte. Die letzte von ihm bewohnte Säule maß 22 Meter in der Höhe. Nur stehen konnte man, sich allenfalls am Geländer anlehnen. Einmal in der Woche brachte ihm ein Schüler eine Portion Linsen, die er an einem Seil hinaufzog. Zweimal täglich predigte er seinen Zuhörern. Er starb 459.

Der heutige Tagesheilige, Simeon der Jüngere, hat sich seinen älteren Namensvetter zum Vorbild genommen. Sechzig Jahre nach dessen Tod wurde der „junge“ Simenon 521 geboren – in Antiochia, dem heutigen türkischen Antakya. Er fühlte sich schon sehr früh zu einem Leben der Entsagung hingezogen, sodass er sich mit acht Jahren einer Gemeinschaft von Styliten anschloss, die sich um den Säulenheiligen Johannes scharten. Simeon lebte viele Jahrzehnte nacheinander auf verschiedenen Säulen und wurde sogar zum Diakon und zum Priester geweiht. Er feierte die heilige Messe und seine zahlreichen Anhänger bestiegen seine Säule, um die Kommunion aus seiner Hand zu empfangen. Nach seinem Tod am 24. Mai 592 wurde der hoch verehrte Säulensteher neben seiner Mutter Martha in einem zu Lebzeiten des Heiligen errichteten Kloster an seinem letzten Aufenthaltsort in der Nähe von Antiochia beigesetzt. Deren Ruinen sind noch heute zu besichtigen. Diese Stätte trägt den Namen „Mons admirabilis“ (Hügel der Wunder), da Simeon viele Wunder zugeschrieben werden.