Gratwanderungen im Namen des Herrn

Norbert Finks unkonventionelle Sicht auf seinen Dienst in der katholischen Kirche. Von Rudolf Gehrig

Norbert Fink (42) ist Priester der Erzdiözese Köln. Zehn Jahre lang arbeitete er als Kreisjugendseelsorger und BDKJ-Präses im Oberbergischen Kreis. Seit dem 1. September 2017 amtiert er als Stadt- und Kreisjugendseelsorger in Düsseldorf. In diesem Jahr ist ein Buch von ihm erschienen, es trägt den Titel: „Hallo Welt, hier Kirche! Von einem, der auszog, den Glauben zu rocken“.

Norbert Fink schreibt hauptsächlich über Norbert Fink. Was sicher als Versuch gedacht war, so der Welt die jugendlich-frische Seite der katholischen Kirche zu zeigen, klappt auf den ersten Seiten zunächst ganz gut, wenn Fink ganz persönlich von seinem Weg zu und mit Gott spricht. Die Jahre des Zweifels, des Fragens, die Entdeckung, dass Gott ein persönlicher Gott ist. Man erhält authentische Einblicke in die Gefühlswelt eines Menschen, der schon früh einen Ruf hörte und damit rang, ihm zu folgen. Dann wird das Buch leider mehr und mehr zu einer Rechtfertigung nach dem Motto: „Warum ich trotz vieler guter Ratschläge Daniela Katzenberger live auf RTL2 getraut habe“.

Bereits in der Autorenbeschreibung ist neben der Info über seine Aufgabe beim BDKJ und seine Mitarbeit am YOUCAT-Taschenkalender über ihn zu lesen: „Fink ist Elvis-Imitator und Rap-Texter aus Leidenschaft, und einem Millionenpublikum bekannt, seitdem er bei RTL II den Traugottesdienst mit und für Daniela Katzenberger gehalten hat.“ Im Mitarbeiterkreis des Erzbistums Köln ist man geteilter Meinung über seine Entscheidung, das Promi-Paar live bei einer Fernsehübertragung auf einem eher kirchenfernen Medium zu trauen. Während die einen sich freuen, dass die Kirche es geschafft hat, zur besten Sendezeit auch in der von Papst Franziskus immer wieder angesprochenen Peripherie präsent zu sein, fürchten andere in diesem Fall eine Verzweckung der Kirche und ihrer Sakramente.

Eine umstrittene Trauung und viel Kritik

Fakt ist, dass Pfarrer Fink für seine Entscheidung auch Kritik einstecken musste. Er selbst geht damit gelassen um: „Ich mag Kritik, wenn sie konstruktiv ist, denn dann wachse ich an ihr. Gegen destruktive Kritik hab ich schon vor langer Zeit mir ein dickes Fell zugelegt. So sehr wie Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis habe ich noch nie ein Brautpaar verteidigen müssen.“ Und: „Dieses Paar lebt sein Leben sehr öffentlich und möchte durch eine Fernsehübertragung auch möglichst viele Menschen an seiner Hochzeit teilhaben lassen. Ist das ein Grund für mich, sie nicht zu trauen? Darf ich sie überhaupt anders behandeln als andere katholische Brautpaare, die kirchlich heiraten wollen und alle Anforderungen erfüllen? Meine Antwort haben am 4. Juni 2016 gut 2,6 Millionen Menschen gesehen. Es hat sich gelohnt und ich würde es wieder machen!“

Freilich beschäftigt sich der Priester in seinem Buch auch mit anderen Themen. Das weit verbreitete Desinteresse der Jugend am Glaubensleben der Kirche macht ihm Sorgen. Fink spricht davon, dass die Kirche „appetitanregende Maßnahmen“ brauche, um gerade die Jugend wieder für den Glauben zu begeistern. Dafür geht er auch unkonventionelle Wege. Mit Kinogottesdiensten oder selbstproduzierten Rap-Videos auf der Internetplattform Youtube versucht er neue Ansätze für die Pastoral zu entdecken. Notfalls wirft sich der Jugendseelsorger sogar in Elvis-Klamotten und imitiert, wie Internetvideos belegen, bei Hochzeitsfeiern den „King of Rock“. Glaubt man seinem Buch, ist das Echo auf seine Methoden sehr positiv.

Im letzten Teil seines Buches schreibt Pfarrer Fink schließlich über den Tod seiner Mutter. Es sind berührende Zeilen, in denen er von der Trauer und dem Schmerz erzählt, den dieser Verlust bei ihm verursacht. Aber auch von der Hoffnung, die ihm der christliche Glaube gibt. Hier wirkt Norbert Fink am authentischsten. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt er: „Durch den Tod meiner Mutter ist mein Glaube an die Auferstehung gestärkt worden. Man sollte dabei nicht die Frage nach dem ,Warum‘ stellen. Darauf bekommt man keine Antwort. Die Frage muss stattdessen heißen: ,Wozu‘. Alles hat seinen Sinn.“

Diese Überzeugung ist letztlich das, was die Motivation des Seelsorgers ausmacht. Fink, der den Heiligen Franz von Assisi und Elvis Presley als seine Vorbilder angibt, bewegt sich mit seinen Methoden oft auf einem schmalen Grat zwischen Genialität und Peinlichkeit. Dennoch geht er seinen Weg unbeirrt weiter, denn, wie er selbst sagt: „Aus allem Schlimmen kann etwas Schönes erwachsen, aus Krisen kann etwas Neues hervorgehen. Mein Rezept lautet also: Wenn etwas passiert, das man nicht verstehen kann, muss man auf Gott vertrauen. Wenn es Gott nicht gibt, macht das die Sache noch viel schlimmer. Es gibt keine Alternative zu Gott, wenn man glücklich sein will.“

Norbert Fink: Hallo Welt, hier Kirche. Von einem der auszog, den Glauben zu rocken. Gütersloher Verlagshaus, 2017,

ISBN: 978-3-579-08665-1, EUR 17, 99