„Gott über alles lieben“

Maria Katharina Kasper, die Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, wird heiliggesprochen. Von Josef Bordat

Wandgemälde Maria Katharina Kasper
Offene Hände und Augen für andere: Das Bild im Kloster Maria Hilf der Dernbacher Schwestern zeigt, wie Mutter Katharina Kasper Christus nachfolgte. Foto: KNA
Wandgemälde Maria Katharina Kasper
Offene Hände und Augen für andere: Das Bild im Kloster Maria Hilf der Dernbacher Schwestern zeigt, wie Mutter Katharina ... Foto: KNA

Eine einfache Frau kann große Wirkung entfalten: Eintausendfünfhundert Pilger haben sich in diesen Tagen aus dem Bistum Limburg und anderen Diözesen auf den Weg nach Rom gemacht, um an der Heiligsprechung der Ordensgründerin Maria Katharina Kasper teilzunehmen. Als im Frühjahr die Nachricht publik wurde, der Papst werde die Westerwälder Bauerntochter heiligsprechen, brach im Mutterhaus in Dernbach Begeisterung aus: „Das ist ein Tag der Freude und Dankbarkeit für uns. Wir haben hier in Dernbach ,Großer Gott wir loben dich‘ gesungen“, hieß es bei den Dernbacher Schwestern.

Papst Franziskus hatte am 6. März ein Wunder anerkannt und damit den Weg zur Heiligsprechung ihrer Gründerin geebnet hat.

Wer ist die neue Heilige? Maria Katharina Kasper wird am 26. Mai 1820 als achtes Kind eines Kleinbauern in Dernbach im Westerwald geboren. Die häuslichen Verhältnisse, in denen sie selbst aufwuchs, ließen sie schon früh die Not der armen Landbevölkerung erleben. Durch diese Erfahrungen fühlte sie sich von Gott angeregt, diesen Menschen zu helfen. Dies weckte in ihr den Entschluss, sich ganz dem Dienst der Menschen in ihrer Umgebung zu widmen.

Im Jahr 1845 gründet sie mit vier weiteren Frauen den „frommen Verein“, der sich der häuslichen Pflege von Kranken und Alten sowie der Kinderbetreuung widmet und sich auch regelmäßig zum Gebet trifft. Der Wunsch, auch als Gemeinschaft zusammenzuleben, wird mit dem Bau eines ersten kleinen Hauses realisiert.

Der damalige Bischof Peter Josef Blum begleitet die junge Gemeinschaft. Am 15. August 1851 erhalten Katharina und ihre vier Gefährtinnen in der Pfarrkirche von Wirges das Ordenskleid und legen ihre ersten Gelübde ab – die Geburtsstunde der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ (ADJC). Katharina Kasper nimmt den Ordensnamen Maria an und wird erste Leiterin der neuen Gemeinschaft.

1870 erhält die Kongregation der ADJC, die nach ihrem Gründungsort rasch als „Dernbacher Schwestern“ bekannt wurde, vom Vatikan die Anerkennung, im Jahr 1890 die endgültige Genehmigung ihrer Ordensregel durch Papst Leo XIII. Maria Katharina Kasper starb am 2. Februar 1898. 1978 wurde sie von Papst Paul VI. seliggesprochen. Ihr liturgischer Gedenktag ist der 1. Februar.

Mutter Maria Katharina, wie die Dernbacher Schwestern die Selige nennen, erkannte die spirituellen und die sozialen Bedürfnisse der Menschen ihrer Zeit und versuchte, auf diese zu antworten. Katharina Kaspers Anliegen war es, den Menschen ganzheitlich zu helfen. Nicht theologische Erwägungen standen also am Anfang, sondern ein Mensch, der sich von den Nöten seiner Umgebung ansprechen ließ und tatkräftig zugriff, um diese zu beheben.

Wie wichtig Katharina diese Aufgaben waren, zeigt sich in den immer wiederholten Weisungen an die Schwestern, sich den Geist anzueignen, den Gott den Armen Dienstmägden Jesu Christi gegeben hat, nämlich „Gott über alles durch Erfüllung seines göttlichen Willens zu lieben“. Dazu gehört es, die Liebe Gottes weiterzugeben, an alle Menschen, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Alter oder Religionszugehörigkeit. Sie wurde nicht müde, den Schwestern diese wichtigen Leitgedanken der ADJC immer wieder ans Herz zu legen.

Als die Gründerin stirbt, gehören 1 725 Schwestern zur Kongregation. Sie wirkten in Deutschland, den Niederlanden, den USA, England und Böhmen. Ungefähr 400 Schwestern waren ihr im Tod schon vorausgegangen. Im Zuge des II. Vatikanischen Konzils machte sich die Kongregation zu neuen Ufern auf. 1963 schlossen sich die ersten indischen Frauen der Kongregation an. 1970 übernahmen die ADJC die erste Missionsstation in Indien. Seit 1988 ist die Gemeinschaft in Mexiko tätig, seit 1993 in Brasilien, seit 2000 in Kenia und seit 2006 in Nigeria. Etwa 550 Profess-Schwestern der Gemeinschaft sind derzeit in den Niederlanden, den USA, Großbritannien, Indien, Mexiko, Brasilien, Kenia und Nigeria tätig.

Auch wenn die Zahl der Schwestern – vor allem in den europäischen „Stammländern“ – in den letzten Jahrzehnten kleiner geworden ist, der Geist, der Mutter Maria Katharina begeistert hat, beseelt und leitet die ADJC weiter. Die Schwestern wollen den Spuren Katharinas in der Sorge für die Kranken, Notleidenden und Kinder als echte arme Dienstmägde Jesu Christi folgen. Das Charisma der ADJC ist nicht auf bestimmte Lebensbereiche begrenzt, sondern kommt überall dort zum Einsatz, wo Menschen Hilfe brauchen: in der Seelsorge, in Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, in der Behindertenarbeit, in Pflegeeinrichtungen. Das Ziel ist und bleibt dabei stets die Ausbreitung des christlichen Lebens durch Beispiel, Belehrung und Gebet.