Glückwünsche und Tadel

Gespaltene Reaktionen auf konservative Anglikaner

London (DT/KNA) Glückwunsch von unerwarteter Seite: Die englische Königin Elizabeth II. hat der neu gegründeten konservativen „Gemeinschaft Bekennender Anglikaner“ brieflich alles Gute gewünscht. Der anglikanische Ehrenprimas, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, erklärte, er werde für die Mitglieder der Bewegung beten. Trotz seiner Unterstützung für die Ordination von Frauen wünschte auch Williams' Vorgänger als Erzbischof von Canterbury, Lord George Carey, der Gruppe Glück. Ihr Mut und Einsatz für die Heilige Schrift gebe „Grund zur Hoffnung“.

An der Gründungsveranstaltung der konservativen Vereinigung in der Westminster Central Hall nahmen Presseberichten vom Dienstag zufolge mehr als 1 600 Gläubige aus 300 britischen und irischen Gemeinden teil. Die Auseinandersetzung über den künftigen Kurs der anglikanischen Kirche hat bereits verschiedentlich zu Abspaltungen geführt, zuletzt Ende Juni in den Vereinigten Staaten. Die dort gegründete konservative „Anglican Church in North America“ zählt nach eigenen Angaben gut 100 000 Mitglieder in 700 Gemeinden und 28 Bistümern in den Vereinigten Staaten und Kanada. Sie strebt eine Anerkennung durch die anglikanische Weltgemeinschaft an. In der jetzigen Neugründung sieht der anglikanische Erzbischof von Sydney, Peter Jensen, keinen Versuch einer Kirchenspaltung. Vielmehr gehe es darum, die anglikanische Weltgemeinschaft zusammenzuhalten, sagte Jensen laut der Tageszeitung „The Times“ als Redner bei der Gründungsversammlung. Die neue Gemeinschaft in England und Irland gebe Evangelikalen und Anglo-Katholiken die Möglichkeit, Anglikaner zu bleiben, „ohne die Lehren der Bibel zu kompromittieren“. Ihre Gründung sei nötig, weil die westliche Kultur „antichristliche Glaubensrichtungen und Praktiken“ angenommen habe.

Der Australier Jensen zählt zu den einflussreichsten Männern hinter der evangelikalen Erneuerungsbewegung. Der konservative Flügel der mehr als siebzig Millionen Mitglieder zählenden anglikanischen Weltgemeinschaft wendet sich unter anderem gegen die Weihe von Homosexuellen und Frauen zu Priestern und Bischöfen sowie gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Der Schwulenrechtler Peter Tatchell warf unterdessen der Königin vor, die Lage falsch zu beurteilen. Es sei „zutiefst beunruhigend“, dass die Monarchin eine „homophobe Gruppe“ innerhalb der Kirche von England unterstütze. Am Sonntag hatte der prominente Bischof von Rochester, Michael Nazir-Ali, im „Sunday Telegraph“ homosexuelle Anglikaner zu „Umkehr und Buße“ aufgerufen. Homosexuelle seien zwar in der Kirche willkommen, sie müssten jedoch ihre Neigungen ändern.