Würzburg

Glaubenskurs Teil 9: Warum lassen sich Christen taufen?

Der multimediale Glaubenskurs von "Tagespost", Youcat und Radio Horeb.

Die Taufe ist ein kleines Sterben
"Die Taufe ist ein kleines Sterben, das Auftauchen ein Neubeginn." Foto: Adobe Stock

Goethes Gedicht „Erlkönig“ war zu seiner Zeit ein Gruselschocker. Ein Vater reitet mit seinem kranken Kind im Arm durch „Nacht und Wind“. Das Kind wird unruhig, fühlt sich bedroht durch einen todbringenden Dämon, den Erlkönig. Der Vater versucht das verzweifelt schreiende Kind zu beruhigen, drückt es fester in seine Arme und treibt sein Pferd zu höchster Eile an. Die Ballade endet mit den Worten „(Er) ... erreicht den Hof mit Müh’ und Not. In seinen Armen das Kind war tot.“

Warum hält die Kirche an der Praxis der Kindertaufe?
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Was bewegt junge Eltern, wenn sie ihr Baby in den Arm nehmen, um es zur Taufe zu bringen? Es ist eine existenzielle Ahnung, die viel mit dem „Erlkönig“ zu tun hat. Ihnen wurde ein unschuldiges Wesen anvertraut. Es ist die tiefste Sehnsucht ihrer Liebe, dieses Kindchen vor allem zu bewahren, was ihm schaden könnte. So wenden sie sich an Gott, den Herrn des Lebens, und bitten um seinen Segen. Das ist für viele die Taufe.

Wer kann die Taufe?
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Glaubenskurs
Der Glaubenkurs von Youcat, Tagespost und Radio Horeb

Ist das nicht bloß frommes Wunschdenken? Was ist mit all den Müttern, deren Kinder in den Krieg geschickt wurden, um von dort nicht mehr zurückzukehren. Gehen wir nicht alle dem Tod entgegen? „In den Armen das Kind war tot“ – müssen wir das nicht oft genug erleben? Das Leben hat wunderschöne Seiten, aber wir können nichts wirklich festhalten; alles ist bedroht. Und weil es die Sünde gibt, richten wir uns auch noch gegenseitig zugrunde. Ist da nicht alle Liebe, alles Behütenwollen (mit und ohne göttliche Hilfe) letztlich für die Katz?

Die „Taufe“ muss mehr sein als ein frommer Wunsch. Sie muss mehr sein als eine rituell aufgeladene Sentimentalität eines Onkel- und Tantenfestes rund um ein süß herausgeputztes Baby, das nicht weiß wie ihm geschieht. Sonst könnte man sie sich sparen. Schauen wir einmal nach Mali. Vor noch nicht allzu langer Zeit bereitete dort ein Priester 40 Erwachsene auf die Taufe vor. In den letzten Wochen der dreijährigen Vorbereitung lebten sie in der Nähe der Kirche. Das blieb nicht verborgen. In einer Nacht bekam der Seelsorger heftige Drohanrufe von militanten Islamisten: Wenn diese Leute getauft würden, könne man für nichts garantieren. Der Priester stellte den Leuten frei zu gehen. Sie berieten unter sich. Keiner ging. Einer sprach für alle: „Wir möchten getauft werden – mit Wasser oder mit Blut!“ Sie wurden getauft – mit Wasser. 40 erwachsene Menschen riskierten buchstäblich Kopf und Kragen, um getauft zu werden. Und wenn ein Kommando mit Maschinengewehren, Benzinkanistern und Brandsätzen in die Kirche einfallen würde? Dann würden sie die „Bluttaufe“ empfangen und wären auf diese Weise mit Christus verbunden worden.

Wie wird die Taufe?
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Für die Christen in Mali war die Taufe etwas, das jeden Preis rechtfertigt, sogar das eigene irdische Leben. Und sie hatten Recht. Die Taufe schenkt Leben für immer. Das ist christliche Lehre. Dafür verbürgt sich die Kirche. Und sie folgt darin Jesus, der in Mt 28,19 die Taufe fordert und sie in Mk 16,16 („Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet...“) zum Eingangstor in das wahre Leben gemacht hat. Seither macht es die Kirche wie einst Petrus in der Apostelgeschichte; sie fordert die Menschen zum Glauben auf und ruft ihnen unaufhörlich zu: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apg 2,38).

Was geschieht in der Taufe?
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Es mag Leute geben, denen das bizarr erscheint: Warum sollte ich um alles in der Welt mit diesem Jesus verbunden sein, ihn sogar in der Taufe wie eine Art Kleid anziehen (Gal 3,27)? Die Antwort ist einfach: Weil Jesus die einzige Brücke zwischen Tod und Leben ist. Um einen drastischen Vergleich zu bringen: Die Taufe ist so etwas wie das letzte Flugzeug aus dem Kessel von Stalingrad. Wir Menschen befinden uns all im Kessel des Todes. Wir werden dem Verhängnis, das wir uns durch Sünde und Bosheit zu einem guten Teil selbst zugezogen haben, nicht entrinnen. Aber es kommt jemand freiwillig in den Kessel. In Jesus Christus stieg Gott in die Todeszone, um das volle Maß der Leiden mit uns Menschen zu teilen, um unsere Sünden auf sich zu nehmen und uns einen Ausweg aus dem Land des Todes zu eröffnen. Dieser Ausweg heißt Auferstehung.

Ist die Taufe tatsächlich der einzige Weg zum Heil?
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Jesus ist der Erste, der gestorben ist – und dennoch lebt. Das Seitenstück zur Auferstehung Jesu ist die Taufe. Darin werden wir mitgenommen aus dem Land des Todes in das Leben ohne Ende. Und so kann man den kühnen Vergleich wagen: Die Taufe ist wie das letzte und einzige Flugzeug aus dem Kessel von Stalingrad. Wer sagt das? Der Römerbrief: „Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind... Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein.“ (Röm 6,3–5)


 

Wer das Thema mit Freunden oder einer Gruppe tiefer erarbeiten möchte, kann sich unter www.youcat.org Studyguide No.9 kostenlos herunterladen. Die nächste Folge bei Radio Horeb wird am 10. Juni um 19.45 Uhr ausgestrahlt.