Glaubenskurs Teil 2: Wie zeigt sich Gott dem Menschen?

„Tagespost“, Youcat und Radio Horeb geben einen multimedialen Glaubenskurs. Von Bernhard Meuser

Wie zeigt sich Gott dem Menschen?

Wer in seinem Leben schon einmal eine Liebesgeschichte erlebt hat, der kennt diesen spannenden Moment. Jemand, mit dem du es sehr gern zu tun hast, druckst herum, er ringt mit sich, wird rot: „Du, ... ich muss dir etwas sagen!“ Dir klopft das Herz bis zum Hals. Du ahnst, was jetzt kommt: Der Mensch, der dich liebt, riskiert Kopf und Kragen, denn du könntest lachen und ihn verachten. Aber er wagt es; er offenbart sich dir und lässt dich in die tiefst verschlossene Kammer seines Herzens blicken. Würde der andere Mensch dieses Risiko nicht eingehen, du würdest im Leben nicht erfahren, was er für dich empfindet.

Kann man Gott überhaupt in Begriffe fassen?

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Wie es keine Liebesgeschichte ohne Offenbarung gibt, so gibt es auch keine Erkenntnis Gottes, ohne dass Gott aus der Tiefe seiner Verborgenheit hervortritt und sich offenbart, das heißt: sich verstehbar macht, wie er ist und wie er es mit uns meint. Gott ist viel zu groß, als dass man ihn definieren und in Begriffe fassen könnte. Wie lächerlich sind alle Versuche, Gott auf eine Formel zu bringen! Schon der große Philosoph Augustinus sagte: „Si comprehendis, non est Deus” - frei übersetzt: Wenn du (ihn) verstanden hast, dann ist das, was du zu verstehen glaubst, ganz gewiss nicht Gott. Eigentlich müsste man wie Karl Barth sagen: „Gott wird nur durch Gott erkannt.“ Ein Maikäfer ist ja auch mit der Infinitesimalrechnung überfordert.

Können wir die Existenz Gottes mit unserer Vernunft erkennen? Stammen die Naturgesetze und natürlichen Ordnungen auch von Gott?

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Wie könnte sich Gott uns zeigen, damit wir verstehen? Mit einer Neon-Leuchtschrift am Horizont? Oder würde es den SciFi-Freaks besser gefallen, wenn er vor laufenden Kameras wie ein außerterrestrisches Monstrum aus den Tiefen des Ozeans aufstiege? Das ist lächerlich. Wären wir nicht total geblendet, wenn sich Gott uns direkt zeigen würde? So lässt sich Gott aber in vielen Spuren finden, die seine Macht und Größe anzeigen, zum Beispiel in der Natur, im Gewissen. In der Natur: Die Sonne geht auf und die Schöpfung zeigt sich in einer Fülle und Schönheit, dass man spürt: das ist die DNA Gottes. Von den kleinsten Zellen bis hinauf in den Makrokosmos ist alles aufs Feinste miteinander abgestimmt. Das Gewissen, sagt uns normalerweise, es ist absolut nicht gut, ein Kind zu schlagen, jemanden zu berauben oder zu betrügen. Es ist, als wäre es die Stimme Gottes, die das unbedingt von uns will. Wenn wir dagegen verstoßen, haben wir das Gefühl, als könnten wir uns nie wieder blicken lassen von dieser Instanz, die da so geheimnisvoll in uns da ist.

Was ist das Gewissen?

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Gott ist noch viel intensiver da als in vagen Natur- erfahrungen. Er ist der Clou, der Witz, die Pointe in deinem Leben. Viele Menschen ahnen das nicht; sie glauben, dass man die Frage nach dem Sinn im Leben auch ohne Gott beantworten kann. Sie bleiben unterhalb ihrer Möglichkeiten, wenn sie meinen, ein sinnvolles Leben bestünde darin, dass man das Maximale an Spaß aus dem Leben herausholt, bevor man auf dem Nordfriedhof verscharrt wird.

Welche Rolle spielt der Mensch in der Vorsehung Gottes?

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Es ist mit dem Glauben wie fünf Minuten vor dem Beginn deiner großen Liebesgeschichte, die alles auf den Kopf stellt. Noch ist alles grau. Er/Sie kommt um die Ecke und die Welt beginnt für dich noch einmal von vorne. So ist es mit dem Glauben: Dein Schöpfer, dein Herr und Erlöser kommt um die Ecke, und von da an habt ihr eine gemeinsame Geschichte. Das Abenteuer beginnt. Später wirst du sagen: Ich habe ja gar nicht gewusst, was Leben ist!

 Ist die Welt ein Produkt des Zufalls?

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„Erst wo Gott gesehen wird“, sagte Papst Benedikt XVI. in der ersten Predigt nach seiner Wahl, „beginnt das Leben richtig. Erst wo wir dem lebendigen Gott in Christus begegnen, lernen wir, was Leben ist. Wir sind nicht das zufällige und sinnlose Produkt der Evolution. Jeder von uns ist Frucht eines Gedankens Gottes. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht.“

Hat der Mensch eine Sonderstellung in der Schöpfung?

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Was ist der Mensch? Jemand raunt mir zu: Sie hat Albert Einstein BILD 7 gekannt, er war mit Michael Jackson auf der Bühne, die Kanzlerin liebt es, mit ihr Essen zu gehen. Und was ist mit einem Wesen, das nie im Rampenlicht stand? Das Kind am Rand der Sahelzone? Der demente alte Mann, dem der Speichel herunter läuft? Sind die beiden weniger wert? Widmen wir uns ihnen bloß aus einer gewissen Sentimentalität heraus? Nirgendwo im Reich des Geistes, in keiner Religion, hat der Mensch eine größere Bedeutung als im Judentum und Christentum. Hier ist der Mensch – und zwar jeder Mensch – „Krone der Schöpfung“ (Psalm 8,6), „Abbild Gottes“ (Genesis 1,27) das Wesen, das von Gott mit ewiger Liebe angeschaut ist, der Kommunikationspartner Gottes auf Augenhöhe. „Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen.“ (Psalm 139,6). Mit der Offenbarung Gottes beginnt eine neue Qualität des Humanen.

Wer das Thema mit Freunden oder einer Gruppe tiefer erarbeiten möchte, kann sich unter www.youcat.org Studyguide No.7 kostenlos herunterladen

Rückblick

  1. Glaubenskurs auf katholisch