Würzburg

Glaubenskurs Teil 12: Warum ist die Heilige Messe das zentrale Ereignis der Kirche?

Der multimediale Glaubenskurs von „Tagespost“, Youcat und Radio Horeb.

Altar mit Brot und Wein
Die Kirche entspringt aus der Eucharistie. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Wenn man auf der Straße jemand fragt, was typisch katholisch ist, bekommt man zu hören: „Die müssen jeden Sonntag in die Kirche gehen“. Nun ist das mit dem Müssen so eine Sache. Muss man seine Frau küssen? Man kann das auch lassen. Aber was ist eine Liebe wert, die sich nicht in Zärtlichkeit zeigt?

Wie häufig muss ein katholischer Christ an der Eucharistiefeier?
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Ähnlich schwer wiegt die Frage: Wo ist denn dein Christentum, wenn du dort nicht hingehst, wo Jesus sich mit dir treffen möchte? Mein Christentum ist dort – könnte eine moderne Antwort lauten – wo ich es will. Aber ist es wirklich so, dass wir die entscheidenden Dates im Leben selbst ausmachen? Wir entscheiden weder, ob es uns gibt, noch wann wir geboren werden, noch wer unsere Eltern sind. Gott folgt nicht unseren Kommandos. Er stellt sich auch nicht auf Befehl im Wald ein, wenn uns gerade nach ihm ist. Wer Jesus begegnen möchte, tut gut daran, sich auf Orte, Zeichen und Zeiten einzustellen, die uns von IHM her eröffnet werden.

Was heißt: „Die Kirche ist der Leib Christi“?
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Glaubenskurs
Der Glaubenkurs von Youcat, Tagespost und Radio Horeb

Was hat Jesus aber mit dieser unverständlichen Sonntagsveranstaltung in der kalten Kirche zu tun? Das muss man erklären. Und muss zugeben: Es könnte wirklich manchmal deutlicher werden, was da in Wahrheit geschieht. Wo fangen wir an? Vielleicht damit: Die Heilige Messe ist nicht eine Art von Gottesdienst neben anderen, nur eben ein bisschen feierlicher, so dass man aus einem Sortiment von Angeboten auswählen könnte.

Die Heilige Messe läuft außer Konkurrenz. Sie ist einzigartig und es ist keine Geschmacksfrage, ob ich jetzt lieber einen Heilige Messe oder eine Meditation in der Krypta vorziehe. Um ihren USP auf den Punkt zu bringen: In der Heiligen Messe bekommst Du den Leib Christi dargereicht und – indem du ihn konsumierst – wirst du selbst „Leib Christi“. „Leib Christi“ ist nur ein anderer Name für Kirche. Niemand kann also sagen: Ich will zur Kirche gehören, aber ich will mich nicht einverleiben lassen. Das wäre absurd.

Auf welche Weise ist Christus da, wenn Eucharistie gefeiert wird?
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Aber ist das nicht ein Schauspiel über etwas Vergangenes, wie bei den Passionsfestspielen in Oberammergau? Nein, in Oberammergau wird nicht gestorben, soviel Theaterblut dort auch vergossen wird. In der Heiligen Messe wird das Opfer Christi am Kreuz neu für uns wirklich. Der Priester führt nicht das erbauliche Lehrstück „Letztes Abendmahl“ auf. Es findet statt. Wir nehmen daran teil. Nicht irgendwie in Gedanken. Real.

Was geschah beim Letzten Abendmahl?
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Jetzt ist es Zeit gekommen, dass wir uns die erstaunlichsten Dinge einmal aus der Nähe anschauen. Kameraschwenk in den Abendmahlssaal: Es ist die Nacht, in der Jesus ausgeliefert werden soll – und es ist Vorabend von Pascha. Jesus tut, was jeder jüdische Hausvater an diesem Abend getan hätte. Er versammelt die Seinen um sich – in diesem Fall die „Zwölf“ – um eine Art Opferliturgie, die „Eucharistie“ (= Danksagung), zu feiern. Aber indem er es tut, wählt Jesus ein paar abgründige Worte, bei denen den Aposteln das Blut in den Adern gefrieren musste. Er betet und opfert, aber er spricht über das Brot die Worte: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ (Lk 22,19) Wie bitte? Er macht sich zum Opfer. Wenn das ein Hohepriester mitbekommen hätte!

Und es kommt noch schlimmer: Jesus nimmt den Kelch mit Wein und sagt: „Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ (Lk 22,20) Wenn man sich das vorstellt: Der Bund der zwölf Stämme mit Gott war für Israel das Heiligste. Und nun kommt Jesus und begründet wieder mit einer Zwölfzahl (!) von dahergelaufenen Fischern einen Neuen Bund – und gründet diesen Bund auf sein Blut. Und die Apostel sollten essen und trinken, um in diesen Bund genommen zu werden. Das ist ja Hochverrat! Was macht ihr Meister da? „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (1 Kor 11,24)? Was soll das? Und was bedeutet: „Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt.“ (Lk 22,18)? Ich könnte mir vorstellen, dass ein Judas für sich dachte: Der Mann ist ja vollkommen übergeschnappt.

Was ist die Heilige Eucharistie?
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Man muss sagen: Die Apostel konnten nicht verstehen, was Jesus damit sagen wollte. Erst nach dem Bluttag von Golgotha, nach dem Leeren Grab, nach den Begegnungen mit dem Auferstandenen, der das Brot mit ihnen brach, sollten sie wissen, was Jesus meinte mit der Hingabe seines Leibes, dem Vergießen seines Blutes für uns, dem Neuen Bund und damit dem Anfang einer von Jesus ausgehenden neuen Geschichte Gottes mit den Menschen. Es ist erschütternd zu sehen, wie schon die Frühen Christen am Sonntag zusammenkamen, um die Mahlliturgie zu halten und aus der Selbstverteilung Jesu zu leben. Noch immer entspringt die Kirche aus der Eucharistie.

Bitte hingehen.


Wer das Thema mit Freunden oder einer Gruppe tiefer erarbeiten möchte, kann sich unter  www.youcat.org  Studyguide No. 7 kostenlos herunterladen. Die nächste Folge bei Radio Horeb wird am 22. Juli um 19.45 Uhr ausgestrahlt.