Würzburg

Glaubenskurs Teil 10: Warum lassen sich Christen firmen?

Der multimediale Glaubenskurs von Tagespost, Youcat und Radio Horeb

Weihbischof Schwaderlapp beim Spenden der Firmung.
Mit den Sakramenten wird ein Same gelegt, der oft nicht gleich aufgeht: Weihbischof Schwaderlapp beim Spenden der Firmung. Foto: KNA

Über das Sakrament der Firmung gibt es einen bösen Kalauer. Zwei Pfarrer unterhalten sich über die Fledermausplage in ihren Kirchen: „Ich hab wirklich schon alles ausprobiert“, sagt der eine Pfarrer, „ich krieg sie einfach nicht weg!“ Der andere Pfarrer winkt ab: „Nichts einfacher als das. Ich habe sie gefirmt. Am Tag darauf war keiner mehr von ihnen da!“

Was ist die Firmung? YOUCAT 203

In diesem Witz steckt mehr als ein Körnchen Wahrheit. Die Firmung ist mit der Taufe und der Eucharistie (Erstkommunion) eines von drei „Initiationssakramenten* der Kirche; manche sprechen auch vom „Sakrament der Eingliederung in die katholische Gemeinschaft“ oder vom „Sakrament der Mündigkeit“. Da wirkt es dann wie ein Hohn, wenn man Jugendliche mit sanftem Nachdruck zu einem Sakrament hinschiebt, das sie offenkundig nicht wollen oder mit dem sie scheinbar nichts anfangen können. Sonst wären sie am nächsten Tag nicht weg. Die einen reden von einer institutionalisierten „Lüge“ und verlangen, dass man diese „Farce“ sofort abstellt; andere sind vorsichtiger und geben zu bedenken, man könne nie wissen, was bei den Jugendlichen „hängenbleibt“ vom Heiligen Geist.

Was sagt die Heilige Schrift über das Sakrament der Firmung? Was geschah an Pfingsten?
YOUCAT 204 und 118

Glaubenskurs
Der Glaubenkurs von Youcat, Tagespost und Radio Horeb

Offenkundig sind wir Lichtjahre von Sinn und Ursprung der Firmung entfernt, wenn wir den Mechanismen eines leeren Rituals nicht glauben entrinnen zu können. Schauen wir einfach auf das Neue Testament und die Praxis der Alten Kirche! In Samarien, im heutigen Westjordanland, hatten Menschen zu Christus gefunden. „Als die Apostel in Jerusalem (das) hörten, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft. Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.“ (Apostelgeschichte 8, 14–17)

Wer darf firmen?
YOUCAT 207

Auch Paulus „firmt“, und zwar in der luxuriösen Handelsmetropole Ephesus: „Er traf einige Jünger und fragte sie: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt. Da fragte er: Mit welcher Taufe seid ihr denn getauft worden? Sie antworteten: Mit der Taufe des Johannes. Paulus sagte: Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus. Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen. Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten.“ (Apostelgeschichte 19,2–7).

Wozu hat Gott den Menschen geschaffen?
YOUCAT 59

Was ist Sache? Ein Firmspender hat es einmal auf die etwas populistische Formel gebracht. Mit der Taufe steht das Auto da – mit der Firmung kommt der Sprit. Sprit kommt übrigens von spiritus = Geist. Wir erfahren schon im Neuen Testament von zwei geistlichen Wirklichkeiten, die innerlich zusammenhängen, die zusammen eine runde Sache sind, die aber doch getrennt vermittelt werden. Vielleicht kann man es so sagen: Die Taufe ist mehr ein Jesus-Sakrament; sie schweißt uns Menschen mit dem Auferstandenen Herrn so tief zusammen, dass wir mit ihm und den anderen Christen „ein Leib“ sind (was wir in der Eucharistie feiern). Die Firmung ist mehr ein Geist-Sakrament. In der Firmung werden wir mit dem Heiligen Geist – der auch der Geist Jesu ist – begabt.

Was ist Freiheit, und wozu ist sie da? und 340: Wie verhält sich die Gnade Gottes zu unserer Freiheit?
YOUCAT 286

In der Firmung werden wir zu geistlichen Menschen. Gott selbst nimmt Wohnung in den Schluchten unserer Seele. Von nun an leben wir aus einer Quelle, die tiefer ist als unsere tiefsten Gedanken. Wir erfahren einen Antrieb in uns, der jede Willenskraft toppt. In uns lebt Gott, liebt Gott, atmet Gott. Und so gehören wir nicht mehr äußerlich zu Jesus – etwa, weil wir ihn gut finden, weil wir seine Fans sind, weil wir seinen Lehren zustimmen. Nein, als geistliche Menschen – als Menschen, die aus dem Geist leben – sind wir in einer echten „Beziehung“ mit ihm. Wir gehören ihm.

Bischof Stefan Oster sagte einmal in einer Firmpredigt: „IHM gehören, heißt nicht einfach: Wir hängen an seinem Hundehalsband und er zieht uns hinter sich her. Ihm gehören heißt: Wir sind Freunde von ihm. Wir sind Kinder Gottes. Wir gehören zu ihm, weil wir uns auch in Freiheit zu ihm entschieden haben.“ Und weiter sagt er den Firmlingen: „Werdet Beziehungsspezialisten für die Beziehung mit Gott und helft anderen, in diese Beziehung zu finden. Wir sollen Beziehungsspezialisten sein für die Beziehung mit Gott, weil wir immer besser lernen, wie man mit Gott in Beziehung lebt, wie diese Beziehung wächst, wie wir selber darin wachsen, wie wir selber davon getragen sind. Und wir sollen helfen, andere Menschen mit in diese Beziehung hineinzunehmen.“

Initiation (lat.) = Einführung


 

Wer das Thema mit Freunden oder einer Gruppe tiefer erarbeiten möchte, kann sich unter www.youcat.org Studyguide No.10 kostenlos herunterladen.  Die nächste Folge bei Radio Horeb wird am 24. Juni um 19.45 Uhr ausgestrahlt.