Glaubenskurs Teil 1: Was wissen wir von Gott?

„Tagespost“, Youcat und Radio Horeb starten einen multimedialen Glaubenskurs. Von Bernhard Meuser

International migrants day concept: Silhouette of human standing to worship God in meadow autumn sunset background

Die Menschheit war immer schon „religiös“, wahrscheinlich gibt es kein einziges Volk und keine einzige Kultur, in der nicht etwas Göttliches, einer oder gleich mehrere Götter verehrt wurden. „Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr Nichts?” – lautet bis heute auch die erste Frage der Philosophie. Die Antworten, die darauf gegeben werden, ähneln sich; die meisten sagen: Man kann die Wirklichkeit nicht ohne Gott denken. Daran ändern auch die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft (etwa über Urknall, Zufall und Notwendigkeit, die Entstehung und Entwicklung menschlichen Lebens) nichts Grundsätzliches.

Macht die Naturwissenschaft den Schöpfer überflüssig?
Gibt es einen Widerspruch zwischen Glaube und Naturwissenschaft?

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Schon die frühen Zeugnisse der Religion sind Zeichen voll Ehrfurcht, Schönheit, Dankbarkeit; man streute dem Schöpfer und Erhalter der Welt Blumen, ließ edle Düfte zu ihm aufsteigen und errichtete dem geheimnisvollen Urheber von allem prachtvolle Tempel. Machtvoll und stark war das Göttliche auf jeden Fall. Aber war es auch gut? Das Leben brachte doch Glück und Unglück in bunter Mischung. So waren die Gottesvorstellungen der Alten oft auch durchwirkt mit Angst: Wenn das Göttliche es nun böse mit mir meint? Die Menschen spürten, dass sie ihr Leben nicht selbst hergestellt hatten und dass dieses Leben wie eine Kerze im Wind war. Jeden Moment konnte es erlöschen und es war vielfältig bedroht. Sie konnten das Wetter nicht beeinflussen und nicht die Fruchtbarkeit ihrer Böden. Und wo gingen die Toten hin? Die Menschen fühlten sich in der Hand höherer Mächte. Oft versuchten sie diese durch Opfer zu beeinflussen; sie sagten sich: Wenn wir Gott das Beste geben, was wir haben, dann wird er uns begünstigen. Und so opferten sie Gott (oder den Göttern) Früchte, Tiere, ja sogar Menschen – ein Geschäft, das auf Gegenseitigkeit angelegt war.

Was bedeutet „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben?“

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Das Volk Israel hatte offenkundig einen besonderen Instinkt für die göttlichen Dinge. Wenn wir das Alte Testament lesen, nehmen wir teil an einer musterhaften Lerngeschichte über Gott. Wir sehen, wie Israel Abschied nimmt von der Vielgötterei des alten Orients. Gott kann nur einer sein. Sonne, Mond und Sterne, die von den Nachbarvölkern noch als Götter verehrt werden, werden in der Bibel als Lampen am Himmel verspottet. Abraham lernt, dass dieser eine Gott ansprechbar ist. Und er lernt, dass dieser Gott keine Menschenopfer will. In den Psalmen heißt es: „Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, an Brandopfern hast du kein Gefallen.“ (Ps 51,18). Was Gott aber offenkundig gefällt ist ein „reines Herz“ (Ps 51,12). Gutes zu tun, gerecht zu sein, das hat scheinbar mit einem Gott zu tun, der in sich ganz gut und gerecht ist. Wie kommt dann aber das Böse in die Welt, woher kommen Hass und Gewalt, die Schuld und der Tod, die Tränen der Kinder und Leiden der unschuldigen Tiere?

Warum musste Gott sich zeigen, damit wir wissen, wie er ist?

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Heute unterscheidet man drei Formen der Beziehung zu Gott: den Atheismus, den Agnostizismus und Theismus. Der (menschheitsgeschichtlich spät entstandene) Atheismus besteht in der vermeintlich sicheren Gewissheit, dass es Gott nicht gibt. Der Agnostizismus geht von der Voraussetzung aus, dass der Mensch über Gott nichts Sicheres wissen könne; deshalb müsse man sich mit Religion gar nicht beschäftigen. Der Theismus geht von der Existenz Gottes aus, womit noch nicht gesagt ist, was das ist – „Gott“. Ein Prinzip, in Gefühl, eine universale Vernunft, ein Geist, eine Person, eine Art kosmischer Energie?

Warum glauben wir an nur einen Gott?

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Als C.S. Lewis, der Autor der „Chroni- ken von Narnia“, Christ wurde, war er bereits Theist. Durch Nachdenken war Lewis zur Erkenntnis gekommen, dass es Gott geben musste. Aber es berührte ihn nicht. Es war nur eine kalte folgenlose Annahme. Wie konnte man in Fühlung kommen mit dieser gewaltigen anderen Seite der Wirklichkeit? C.S. Lewis erschien es unmöglich. Er fühlte sich wie Hamlet, eine Figur im Stück von William Shakespeare – wie einer also, der eine Rolle in einem Stück spielt, das er nicht selbst geschrieben hat. Aber eines Tages kam ihm die entscheidende Einsicht: „Wenn Hamlet und Shakespeare sich jemals begegnen sollten, dann musste es auf Shakespeares Betreiben hin geschehen. Hamlet konnte nichts initiieren.“ Man könnte also sagen: Das Wesen des Christentums besteht darin, dass der Autor des Stückes unerwarteter Weise die Bühne betritt und sich seinen Figuren zeigt – dass also der unergründliche Gott aus seinem Geheimnis hervortritt und sich zeigt, wie er ist. Das nennen wir Offenbarung.

Wer das Thema mit Freunden oder in einer Gruppe tiefer erarbeiten möchte, kann sich unter www.youcat.org den Studyguide No.1 kostenlos herunterladen. Die nächste Folge bei Radio Horeb wird am 18. Februar um 19.45 Uhr ausgestrahlt.

Rückblick

  1. Glaubenskurs auf katholisch