Glaubensfest mit Spiel und Musik: Nachgefragt: Gemeinschaft Emmanuel

Am Freitag beginnt das 18. Forum Altötting der Gemeinschaft Emmanuel unter dem Motto „Gott kommt in dein Heute“. Von Antonia von Alten

Kein Forum der Gemeinschaft Emmanuel in Altötting ohne Musik: Glanzlicht des diesjährigen Treffens ist das Augustinus-Musical. Foto: Forum Altötting
Kein Forum der Gemeinschaft Emmanuel in Altötting ohne Musik: Glanzlicht des diesjährigen Treffens ist das Augustinus-Mu... Foto: Forum Altötting

Altötting (DT) Seit November plant Otmar Spanner gemeinsam mit seinem fünfköpfigen Team das 18. Sommertreffen der Gemeinschaft Emmanuel in Altötting. Das Forum vorzubereiten ist alle Jahre wieder eine Mammutaufgabe: Etwa 1 400 bis 1 500 Teilnehmer werden erwartet. Genaue Zahlen kann man immer erst am Ende des Forums sagen, denn viele Gäste kommen spontan, melden sich erst vor Ort an. Für sie alle werden Sitzbänke auf dem Kapellplatz gebraucht, muss Mittagessen vorbereitet werden und Plätze für die Kinder im Kinderdienst eingeplant werden. Am wichtigsten sind bei der Planung aber die Inhalte. Das geistliche Programm soll ansprechend sein – nicht zu abgehoben theologisch und nicht zu weltlich.

Am Freitag um 17 Uhr ist es nun wieder soweit: Das Forum beginnt mit einer feierlichen heiligen Messe unter freiem Himmel auf dem Kapellplatz. Bis Mittwoch gibt es dann fünf Tage lang ein Programm, das unter dem Motto steht: „Gott kommt in Dein Heute“. Das Thema erinnert im „Jahr des Glaubens“ an das Anliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils: Glaube und Leben in der Welt miteinander zu verbinden. „Wie ist Gott im eigenen Alltag gegenwärtig?“ – dieser Frage gehen die Teilnehmer fünf Tage lang nach. Referenten aus Kirche und Gesellschaft geben dazu Impulse.

Seit dem Jahr 1996 kennt der heutige Leiter des Treffens Otmar Spanner das Forum Altötting. Damals hat die Gemeinschaft Emmanuel zum ersten Mal zu einem Treffen nach Altötting eingeladen, Otmar Spanner war 20 Jahre alt und ein neugieriger Gast. Mittlerweile ist er 36 Jahre alt und zum zweiten Mal verantwortlich für das Großtreffen der Gemeinschaft Emmanuel, das er, sein Team und viele Mitarbeiter ehrenamtlich in der Freizeit organisieren. Hauptamtlich ist Otmar Spanner als Diplom-Theologe für den Entwicklungsprozess APG 2.1 der Erzdiözese Wien tätig. In dieser Stabsstelle von Christoph Kardinal Schönborn wird am Zukunftsprogramm der Erzdiözese gearbeitet.

Ende der 90er Jahre war das Forum vor allem eine Veranstaltung für Jugendliche. Doch im Laufe der Zeit ist dieser katholische Sommerevent in alle Richtungen gewachsen. Mittlerweile sind etwa zwei Drittel der Teilnehmer Familien, ein Drittel sind Singles, geweihte Schwestern und Priester.

Ein eigenes Angebot für Priester wird es dieses Jahr wieder im Rahmen des Erwachsenenforums geben, ebenso eine Workshopreihe „Zwischen Windeln und Candlelight“ für jung Verheiratete und Paare, die sich auf die Hochzeit vorbereiten. Neben dem Hauptprogramm für die Erwachsenen sind die 3- bis 12-Jährigen zu einem Kinderforum eingeladen, bei dem sie mit Spiel, Spaß und kleinen geistlichen Impulsen Gemeinschaft mit vielen Gleichaltrigen erleben können.

Mehr als 150 Jugendliche zwischen 13 bis 16 Jahren haben sich zum Teenieforum angemeldet. Sie haben in diesen Tagen über weite Strecken ein eigenes Programm – abseits der Eltern und Erwachsenen.

Zu den Höhepunkten des Forums zählt ein Open-Air-Musical „Auf Leben und Tod – Bist Du bereit für die Wahrheit“ über den heiligen Augustinus, das die Studenten der „Emmanuel School of Mission“ (ESM) am Sonntag (4. August, 20 Uhr) auf dem Altöttinger Kapellplatz aufführen.

Prominenter Gast ist Paul Josef Kardinal Cordes, ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rats Cor Unum (zuständig für die humanitäre Hilfe durch die katholische Kirche). Er feiert mit den Gläubigen den Festgottesdienst am Sonntag um 17 Uhr in der St. Anna Basilika.

Die Tage in Altötting erinnern an Weltjugendtage. Sie sind geprägt von Begegnung, Musik, Vorträgen und einem geistlichen Programm. Jeder Tag beginnt mit einem Morgenlob mit neuen geistlichen Liedern und Gebeten unter freiem Himmel auf dem Kapellplatz. Es folgt ein Vortrag zum Thema des Treffens „Gott kommt in Dein Heute“. Nachmittags können die Forumsteilnehmer aus einem breitgefächerten Workshop-Angebot wählen: Von einem Heilig-Geist-Seminar mit dem Titel „Wofür brennst Du?“ über eine abenteuerliche Expedition durch das Alte Testament mit dem Titel „Der ,liebe Gott‘ und die Gewalt?“ bis zu „Glauben und Helfen bis an die Grenzen der Welt“, einem Workshop über Fidesco, dem Entwicklungshilfeprojekt der Gemeinschaft Emmanuel – für jeden ist etwas dabei. Und wer nach den Vorträgen und Gebetszeiten nichts mehr hören will und einfach nur Bewegung braucht, findet auch dafür die passende Gruppe. Ein Schwerpunkt der Workshops liegt bei Ehe- und Familienthemen. Auch heiße Eisen werden angepackt: Zu einem Austausch im geschützten Rahmen wird beispielsweise zu dem Thema „Getrennt – Geschieden – und dann? Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ eingeladen. Darüber hinaus gibt es auch Gelegenheit zu Stille und Gebet. Während des gesamten Forums besteht die Möglichkeit zu eucharistischer Anbetung – auf der Anbetungswiese hinter dem Kapellplatz täglich von 12 bis 20 Uhr – außer während der Messen – und rund um die Uhr in der Anbetungskapelle.

Aus frühester Kindheit kennt der Forums-Verantwortliche Otmar Spanner den Wallfahrtsort Altötting. Der gebürtige Niederbayer ist aufgewachsen zwischen Dingolfing und Straubing. Mit seinen Eltern und Großeltern pilgerte er ein bis zweimal pro Jahr nach Altötting. „Ich lebe heute in Wien, aber Altötting ist meine Heimat“, gesteht Spanner. Mit „Forum Altötting“ assoziiert er „die Begegnung mit vielen Menschen, mit Freunden und mit Gott“. Von der Stadt Altötting fühle sich die Gemeinschaft Emmanuel immer sehr willkommen geheißen. „Wir verändern für eine Woche das Gesicht der Stadt.“ Der Marienwallfahrtsort ist für Otmar Spanner ein ganz persönlicher „Gnadenort“. „Hier habe ich immer wieder die Erfahrung der Weite, der Tiefe und der Freiheit unseres Glaubens gemacht“, berichtet er. „Ich gehe immer beschenkt vom Forum nach Hause.“ Und deshalb hat er auch wieder eingewilligt, dem Leitungsteam vorzustehen. „Von einem Gott, der es so gut mit mir meint, lasse ich mich gerne in den Dienst nehmen.“

Die Gemeinschaft Emmanuel, die weltweit mehr als 9 000 Mitglieder zählt, ist eine internationale Vereinigung von Gläubigen päpstlichen Rechts. Am 8. Dezember 1998 wurde die junge Gemeinschaft für die Gesamtkirche vom Heiligen Stuhl anerkannt. Vom Landwirt bis zur Studentin, vom Juristen bis zur Verkäuferin – Ehepaare, junge Leute und Singles gehören genauso zur Gemeinschaft wie Priester und zölibatär lebende Schwestern und Brüder. Jeder lebt in seinem familiären und beruflichen Umfeld. Dort – mitten in der Welt – wollen die Mitglieder der Gemeinschaft Wege zu Gott aufzeigen und eine neue Auseinandersetzung mit dem Glauben und der Kirche eröffnen. Seit Beginn der Gemeinschaft entstehen daher immer wieder neue Missionsprojekte. Mehr als 200 000 Menschen nehmen jedes Jahr an den verschiedenen pastoralen Angeboten der Gemeinschaft auf der ganzen Welt teil. Durch viele sogenannte Pfarrmissionen ist Emmanuel im deutschsprachigen Raum bekannt geworden. Dabei versucht die Gemeinschaft – gemeinsam mit den Gemeindeverantwortlichen – mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Ziel ist es, für sie da zu sein und von der Freude des Glaubens zu erzählen. Paris ist die Geburtsstätte der Gemeinschaft Emmanuel. Hier gründete der Filmkritiker Pierre Goursat 1972 einen Gebetskreis, zu dem innerhalb kürzester Zeit immer mehr Menschen kamen. Heute ist Emmanuel in mehr als 60 Ländern der Welt aktiv. Weltweit gibt es 200 Diözesanpriester, 120 Seminaristen, 160 geweihte Schwestern und 20 geweihte Brüder. In Deutschland gehören etwa 350, in Österreich etwa 100 Frauen, Männer und Jugendliche zur Gemeinschaft Emmanuel. AvA