Gib Gott eine Chance!

Pfingstfest der Loretto-Gemeinschaft: Ein Fest des Glaubens und Gebets mit über 7 000 Jugendlichen aus 25 Nationen. Von Mario Galgano

Weltkirche zu Pfingsten im Salzburger Dom verkörperte die Delegation aus der Ukraine. Foto: Galgano
Weltkirche zu Pfingsten im Salzburger Dom verkörperte die Delegation aus der Ukraine. Foto: Galgano

Salzburg (DT) Der Salzburger Dom hat in seiner Jahrhunderte langen Geschichte wohl einiges erlebt. Dass in der Mozart-Stadt auch christliche Pop-Musik erklingen kann oder der Dom zu einer großen Konferenzhalle umgewandelt wird, hätten die Dombauherren sich wohl nie erträumen lassen. Die Verantwortlichen der Loretto-Gemeinschaft – eine katholische Geistliche Gemeinschaft, die es seit 1987 gibt – hätten sich wohl auch kaum vor 16 Jahren vorstellen können, dass eines Tages über 7 000 Jugendliche aus ganz Österreich und sogar Gruppen aus 25 Nationen sich bei ihrem Pfingstfest in Salzburg treffen würden. 1999 waren wenige hundert Jugendliche dabei gewesen.

Die Loretto-Gemeinschaft stellte in diesem Jahr einen Teilnehmerrekord auf. Allein im Vergleich zum Vorjahr gab es über 30 Prozent mehr Anmeldungen. 300 Freiwillige arbeiten bei der Organisation und am Fest selbst mit, das nun bereits zum 16. Mal stattfand. Sprachbarrieren gab es so gut wie keine. Es wurde gelacht, gesungen und natürlich vor allem gebetet. Der Dom war bis zum letzten Platz besetzt, es musste sogar ein Zelt vor der großen Salzburger Kirche aufgestellt werden, da im Dom etwa 900 Sitzplätzen zur Verfügung stehen. Das ist auch erstaunlich, da am Wochenende das größte österreichische Event des Jahres stattfand: ein paar Millionen Österreicher und etliche Millionen Europäer schauten nämlich am Samstagabend den Eurovision Songcontest im Fernsehen. Nicht nur in Wien sondern bis nach Salzburg war das TV-Gesangsfest angekommen, doch im Salzburger Stadtkern war das Pfingstfest das prägende Ereignis.

Das Pfingstwochenende war ein „Fest der Jugend für die Jugend“, wie die Organisatoren selber immer wieder während der Gebetstage betonten. Zu Beginn der Feier am Freitagabend begrüßte der Gastgeber des Begegnungsortes, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, die jungen Gäste. „Euch hier zu sehen, beflügelt auch meinen Glauben an die Kirche. Ich wünsche uns ein offenes Herz für alles, was Gott durch euch der Kirche zu sagen hat“, sagte Lackner in seinen Grußworten an die Jugendlichen im bunt beleuchteten Dom. Der Glaube befreie und „es ist alles besser, wenn man mit Jesus durch das Leben geht“, so der Salzburger Erzbischof. „Gib Gott in deinem Leben eine Chance“, fügte der Hauptorganisator des Treffens, Georg Mayr-Melnhof in seiner Begrüßungsrede an. „Seid bereit, auf Gott zu hören. Seid bereit, mitzumachen“, bat der Mitbegründer der Loretto-Gemeinschaft die Teilnehmer. Bei der Eröffnungsfeier war auch eine große Gruppe Jugendlicher aus der Ukraine und Mitglieder anderer christlicher Konfessionen dabei. Erzbischof Lackner äußerte den Wunsch, dass der Salzburger Dom „eine Kathedrale für ganz Österreich und darüber hinaus“ werden möge. Das Motto des Jugendtreffens lautete: „Neues Feuer braucht das Land.“

Es folgte ein Musical, in der es um das Pfingstfest ging. Auch da lautete die Botschaft: Gib Gott eine Chance in deinem Leben. Die Vorbereitungen zum Musical dauerten neun Monaten. 20 Jugendlichen nahmen daran teil. Die 16-jährige Marie aus Kärnten sagte „Die Geschichte des Musicals hat mir gut gefallen, vor allem die Neonfarben auf der Bühne waren cool.“ Auch der 15-jährige Daniel aus Baden-Württemberg pflichtete ihr bei: „Schon vergangenes Jahr war ich von der Gemeinschaft überwältigt. Es gefällt mir immer wieder hier zu sein.“ In der Tat sind die meisten Teilnehmer trotz ihres jungen Alters „alte Gäste“ des „kleinen Weltjugendtages der Alpenrepublik“. Die friedliche Stimmung übertrug sich auch auf die anwesenden Touristen, die eigentlich für die Pfingstfestspiele oder aus anderen Gründen nach Salzburg gereist waren. Sie staunten, welches Aufgebot an Menschen im und vor dem Dom herrschte. „Der Heilige Geist wirkt aber nicht nur von außen. Er treibt uns alle an“, so der Pfarrer des Geistlichen Zentrums St. Blasius, Pfarrer Gerhard Viehhauser. Der Heilige Geist wolle in jedem Gläubigen wirken und alle zum Himmel hin bewegen, fügte er an. Die Kirche St. Blasius in Salzburg ist das Geistliche Zentrum der Loretto-Gemeinschaft und nicht weit vom Salzburger Dom entfernt, wo die meisten Treffen zum Jugendfest stattgefunden haben.

Am Samstag und am Pfingstsonntag fanden mehrere Katechesen unter anderem vom Prior der Johannesgemeinschaft von Marchegg, Pater Luc Emmerich, statt. Auch konnten die Teilnehmer aus 68 Workshops auswählen, die sich mit „Glauben, Lebens- und Sinnfragen“ befassten. Der Gründer des Augsburger Gebetshauses, Johannes Hartl, sprach über die Hinführung zur Lebensübergabe an Gott. Eine Art „Urbi et Orbi“-Gebet gab es im Übrigen auch noch: auf der Festung Hohensalzburg wurde nämlich für Stadt und Land gebetet. Am Samstagabend fand dann noch ein „Abend der Barmherzigkeit“ statt, bei dem hundert Priester stundenlang Beichten hörten.

Am Pfingstsonntag feierten alle das Hochamt mit Erzbischof Lackner. In seiner Predigt ging er auf das Pfingstfest ein, dem Geburtstag der Kirche. Damit sei Gott in die Alltäglichkeit der Menschen eingetaucht. Pfingsten sei deshalb das „Fest der Nähe Gottes“, erläuterte Lackner. Doch viele täten sich heute schwer mit der Nähe Gottes, aber auch andere Arten von Nähe sei für viele Menschen ein Problem. Das führe dazu, dass man dann mit Gott und dem Wirken des Heiligen Geistes nicht auf Neues eingehen wolle und stattdessen am Gewohnten festhalte. Lackner ermutigte dazu, das eigene Leben der Führung Gottes und dem Heiligen Geist anzuvertrauen. Dies heiße aber nicht, „die Hände in den Schoß zu legen“, stellte er klar. „Wir sollen uns anstrengen, und uns mit Kopf und Herzen bestmöglich in die Welt einbringen und Taten entfalten - das aber eingebettet wissen in ein größeres Ganzes, in den Plan Gottes, das Wirken seines Geistes. Das braucht die Welt von heute.“ Die Gesellschaft braucht Menschen, „die sich überraschen lassen von Gott, die ihr Herz weit öffne und sich führen lassen“, sagte der Salzburger Erzbischof. Das heißt jedoch nicht, dass Gläubige „wie Marionetten“ fremdbestimmt lebten, unterstrich Lackner. Vielmehr erfülle der Heilige Geist das Leben der Christen. „Wenn ihr jungen Menschen euch Christus hingebt und dem Heiligen Geist öffnen, werdet ihr nicht zu kurz kommen“, ermutigte der Erzbischof die zum „Fest der Jugend“ versammelten jungen Leute: „Bei Gott kommt der Mensch nie zu kurz.“

Danach folgte ein Gebet zum Heiligen Geist mit Tauferneuerung. Am Pfingstmontag spendete der Salzburger Erzbischof einigen Jugendlichen im Dom das Sakrament der Firmung . Zuvor hielt „Fest der Jugend“-Veranstalter Georg Mayr-Melnhof eine Katechese über den nachhaltigen Nutzen, den Großevents wie das Pfingsttreffen für den Glauben haben. Im kommenden Jahr werden wohl die meisten Jugendlichen wieder nach Salzburg anreisen und es werden wohl auch etliche neue Gäste erwartet. Die Vorbereitungen starten bereits in Kürze.