„Gewalttätige Provokation“

Israel: Kirchenvertreter und Politiker kritisieren Bibelverunehrung in der Knesset. Von Oliver Maksan

Michael Ben-Ari erhitzt die Gemüter. Foto: IN
Michael Ben-Ari erhitzt die Gemüter. Foto: IN

Jerusalem (DT) Mit deutlichen Worten haben Vertreter des öffentlichen Lebens in Israel die Verunehrung eines Neuen Testaments durch den Knesset-Abgeordneten Michael Ben-Ari verurteilt. Der Politiker der radikal-nationalistischen Oppositions-Partei „National Union“ hatte am Dienstag das Neue Testament aus einer Bibel herausgerissen, die Seiten in den Papierkorb geworfen und sich dabei fotografieren lassen. Die Ausgabe war ihm sowie allen Abgeordneten des israelischen Parlamentes von der Bible Society in Israel unverlangt zugesandt worden. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung messianischer Juden. Diese betrachten Jesus Christus als den Messias, behalten aber das jüdische Ritualgesetz bei.

Die katholische Ordinarienkonferenz des Heiligen Landes teilte am Mittwoch mit, dass man die Tat als „gewalttätige Provokation“ betrachte und verurteile. Man sei schockiert und abgestoßen von dem ehrfurchtslosen Akt, der die Christen in ihrem Glauben verachte. Die Ordinarienkonferenz kritisierte gleichzeitig die Bible Society. „Man versendet das Neue Testament aus Respekt vor dem Wort Gottes und vor denen, die unseren Glauben nicht teilen, nicht auf diese Weise mit der Post“, so die Pressemitteilung. Der interreligiöse Dialog werde nicht Früchte tragen können, es sei denn durch Worte und Taten gegenseitigen Respektes. Der Direktor des American Jewish Committee, David Harris, zeigte sich ebenfalls empört über Ben-Ari und bezeichnete seine Tat als verabscheuungswürdigen Anschlag auf eine ganze Religion.

Regierungssprecher Mark Regev sagte am Mittwoch: „Wir bedauern dieses Verhalten zutiefst und verurteilen es ohne Einschränkungen. Diese Tat steht in völligem Gegensatz zu unseren Werten und Traditionen. Israel ist eine tolerante Gesellschaft, aber wir haben null Toleranz für diesen abscheulichen und hasserfüllten Akt.“

Auch der Sprecher der Knesset, Reuven Rivlin von der Kadima-Partei, sprach sich am Mittwoch in einer Sitzung des israelischen Parlaments gegen das Verhalten des Abgeordneten aus. „Ich verurteile jede Form der Respektlosigkeit gegenüber Heiligen Schriften gleich welcher Religion. Das schließt auch das Zerreißen eines Neuen Testaments durch einen Knesset-Abgeordneten gestern mit ein“, so der Sprecher im Plenum. Würde ein Parlamentarier eines anderen Landes die Tora verbrennen wollen und das eine Provokation nennen, würde die Welt ihn oder sie verurteilen. „Demokratie bedeute die Freiheit der Rede. Das ist aber keine Anarchie. Und die Freiheit des Glaubens und des Kultes sind einer der Grundwerte unseres Landes“, so Rivlin. Der Parlamentssprecher verweigerte dem gerügten Abgeordneten Ben-Ari außerdem die Gelegenheit zur Erwiderung. Er solle damit aufhören, den Ruf des Hauses zu beschädigen. Nach Reuvens Rede ergriffen Abgeordnete verschiedener Parteien das Wort für und gegen Ben-Ari. Nissim Ze'ev von der ultra-orthodoxen Schas-Partei nahm Ben-Ari in Schutz. Bei den Absendern der Bibeln handele es sich um „Häretiker“. Deshalb müssten ihre Schriften verbrannt werden. Der Abgeordnete Masud Gnaim von der Vereinigten Arabischen Liste sagte, dass auch er eine Ausgabe zugesandt bekommen habe. „Ich habe aber nie daran gedacht, sie zu zerreißen oder zu verbrennen. Als Moslem respektiere ich die heiligen Bücher aller Religionen.“

Zuvor hatte der einzige christliche Abgeordnete in der Knesset, Hanna Sweid von der sozialistischen Hadasah-Partei, den israelischen Generalstaatsanwalt aufgefordert, Anklage gegen Ben-Ari wegen Volksverhetzung zu erheben. Er legte außerdem Beschwerde beim Ethik-Komitee der Knesset ein.

Ben-Ari steht der Ideologie des verstorbenen rechtsextremen Rabbis Meir Kahane und der von ihm gegründeten Kach-Bewegung nahe. Er hat deswegen auch Einreiseverbot in die USA. Als Begründung für seine Tat führte er an, dass im Namen des Neuen Testaments Millionen Juden umgebracht worden seien.