Geschätzt, gebildet, kultiviert

Zum Tod des französischen Kurienkardinals Jean-Louis Tauran. Von Guido Horst

Kardinal Jean-Louis Tauran
Er verkündete die Wahl Bergoglios zum Papst: Kardinal Jean-Louis Tauran. Foto: KNA

Ein gehörter und geschätzter Ratgeber“ – so hat Papst Franziskus im Beileidstelegramm an dessen Schwester Genevieve Dubert den vor einer Woche verstorbenen französischen Kurienkardinal Jean-Louis Tauran gewürdigt. Kein Ruhestand war dem hoch verdienten Kirchenmann vergönnt. Er starb mit 75 Jahren. An den Folgen der Parkinson-Erkrankung, an der er seit vielen Jahren litt und zu deren Behandlung er sich nach Connecticut in den Vereinigten Staaten begeben hatte. Er befand sich in einem Haus von Franziskanerinnen in der Erzdiözese Hartford, starb aber dann in einem Krankenhaus. Mit seinem Tod verliert die Kurie einen gebildeten und kultivierten Vatikandiplomaten, der im Staatssekretariat lange für die auswärtigen Beziehungen des Heiligen Stuhls zuständig war, aber einem Weltpublikum wohl erst 2013 bekannt wurde, als er als Kardinalprotodiakon am 13. März auf der Loggia des Petersdoms die Wahl von Franziskus mit dem traditionellen „Habemus papam“ bekannt gab.

Für Aufsehen sollte zuletzt sein Besuch in Saudi-Arabien im April dieses Jahres sorgen. Tauran zeigte sich in dem Kernland des Wahhabismus selbstverständlich mit Brustkreuz, traf sich mit König Salman und dem Generalsekretär der Muslimischen Weltliga, Scheich Muhammad Abdul Karim Al-Issa, und erreichte dank des vorsichtigen Liberalisierungskurses des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, mit der katholischen Gemeinde in Riad eine Messe feiern zu können, was in Saudi-Arabien bisher verboten war. Eine Spätfolge seines Besuchs dürfte es auch sein, dass jetzt in Saudi-Arabien auch Kirchen gebaut werden dürfen. Noch in dem Land hatte der Kardinal daran erinnert, dass „nicht das Zusammentreffen der Kulturen, sondern Ignoranz und Radikalismen“ die Zeitgenossen bedrohen würden. Die Zukunft liege in der Bildung, „sich zu kennen bedeutet sich anzuerkennen“. Gleichwohl bestand Tauran darauf, dass die Christen in der arabischen Welt nicht Bürger zweiter Klasse sein dürften.

Tauran hat an der Kurie eine doppelte Laufbahn absolviert. Nachdem er im diplomatischen Dienst den Vatikan bereits bei vielen internationalen Konferenzen und Missionen vertreten hatte und er 1990 von Johannes Paul II. zum Leiter der für die Außenpolitik zuständigen Sektion des Staatssekretariats ernannt worden war, zwang ihn seine Krankheit 2003 dazu, von diesem aufreibenden Posten zurückzutreten und das – damals allerdings noch mit der Kardinalswürde verbundene – Amt des Archivars und Bibliothekars der Heiligen Römischen Kirche zu übernehmen. Doch er erholte sich – und Benedikt XVI. konnte ihn im September 2007 zum Präsidenten des Rats für den Interreligiösen Dialog und Leiter der Kommission für religiöse Beziehungen zu den Muslimen ernennen. Es war die Zeit, als in Folge der Irritationen nach der Regensburger Vorlesung des deutschen Papstes auf höchster Ebene ein Dialog zwischen der katholischen Kirche und dem Islam und zahlreiche Dialog-Konferenzen mit muslimischen Vertretern begonnen hatten. Franziskus machte Tauran noch im Dezember 2014 zum Camerlengo der Heiligen Römischen Kurie, womit der Kardinal bei der nächsten Sedisvakanz bis zur Wahl des neuen Papstes ein wichtiges Amt innegehabt hätte. Doch das wird Tauran nun nicht mehr erleben.