Gender oder Strafe

Katholischen Privatschulen in Ostspanien drohen empfindliche Konsequenzen, wenn sie sich dem Diktat der Politik nicht beugen. Von Regina Einig

Würzburg (DT) Die katholische Kirche in Spanien gerät durch die vom Gesetzgeber geplante Einführung der Gender-Ideologie an den Schulen unter Druck. Im Frühjahr will das Parlament der Valencianischen Gemeinschaft, einer autonomen Region in Ostspanien, ein Gesetz billigen, das Minderjährigen das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung zubilligt und die Transsexualität an Schulen und Bildungseinrichtungen etabliert. Katholischen Privatschulen, die sich weigern, ihre Lehrpläne gemäß den Vorgaben des sogenannten Gesetzes zur Anerkennung des Rechts auf geschlechtliche Identität und auf geschlechtlichen Ausdruck anzupassen, drohen Sanktionen: Geldstrafen zwischen 200 und 45 000 Euro sowie der Entzug öffentlicher Fördermittel, aber auch die Schließung der Einrichtung sind denkbar.

Kardinal Antonio Canizares, Erzbischof von Valencia, hat Anfang Januar öffentlich gegen das neue Gesetz protestiert. Er befürchtet, dass Erziehung aus der Genderperspektive das einzige gesellschaftlich akzeptierte Modell werden soll. Die Valencianische Gemeinschaft versuche, so der Oberhirte, eine Kolonialherrschaft über die Gewissen zu errichten und die Genderideologie durch die Gesetzgebung anderen aufzuzwingen. Mit Nachdruck prangert der Kardinal, der bereits mehrfach vor den Gefahren der Genderideologie gewarnt hat, das Projekt als ungerecht an. Es widerspreche dem Gleichheitsprinzip und gehe gegen den Menschen und die Familie vor. Ausdrücklich bittet Erzbischof Canizares den Gesetzgeber darum, die Dinge zu überdenken und appelliert an das demokratische Bewusstsein der Politiker. „Ich möchte nicht, dass sie sich in Diktatoren oder Tyrannen verwandeln.“ Canizares wendet sich mit seinem Appell auch an Eltern, Medien und Verbände. Angesichts der drohenden Zerstörung der Familie ermutigte der Kardinal die Gläubigen zum Handeln. Der Familie nicht beizustehen käme einer „verantwortungslosen und selbstzerstörerischen Haltung“ gleich. Für Kardinal Canizares hängt die Ablehnung der Genderideologie nicht allein mit Glaubensfragen zusammen. Katholiken verteiden aus seiner Sicht die Vernunft sowie die Gewissens- und Meinungsfreiheit, indem sie sich dem Gesetz zur obligatorischen Einführung von Gender widersetzen.

Ende Januar beginnen in der Polytechnischen Universität Valencia für Lehrer Schulungen zu den Genderinhalten der künftige Lehrpläne. Minderjährigen sollen ihr Geschlecht nach dem Willen des Gesetzgebers ohne Erlaubnis der Eltern selbst bestimmen und sich die Wahl ihres Vornamens und ihrer geschlechtsspezifischen Kleidung vorbehalten dürfen. Das schließt die Wahl geschlechtsspezifischer Kleidung, Räumlichkeiten und Angebote, etwa im Sport oder auf Klassenfahrten ein. Zudem sieht das Gesetz die Kontrolle der Eltern vor: Schulen werden dazu aufgefordert, nachzuforschen, wenn sie meinen, Hinweise darauf zu haben, dass in der Familie eines Schülers eine „transsexualitätsfeindliche Haltung“ herrscht. Falls Eltern den Geschlechtswechsel des Nachwuchses nicht anerkennen, sollen Lehrer das Jugendamt verständigen, um bei den Eltern einen Sinneswandel zu bewirken.

Auch in Zentralspanien hatte es mit Blick auf die Einführung der Genderideologie an Schulen bereits Proteste in den Diözesen Getafe und Alcalá gegeben. Die Kirche befürchtet, dass das Recht auf Religions- und Gewissensfreiheit sowie das Erziehungsrecht der Eltern unter dem Vorwand des Diskriminierungsverbotes und der Gleichstellung von Mann und Frau faktisch ausgehebelt werden.