Geistliches Fest

Glaubensbegeisterung am Palmsonntag im Würzburger Kilianeum. Von Reinhard Nixdorf

Würzburg (DT) „You are the salt of the earth – you are the light of the world“ – Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ prangt auf einem Plakat in der Kapelle des Würzburger Kilianeums, dem Haus der Jugend und Jugendpastoral im Bistum Würzburg. Davor hat eine Band Platz genommen und bringt mit wummernden Bässen und groovendem Sound viele Jugendliche in Stimmung, die am Palmsonntag aus der Würzburger Diözese hier zusammengekommen sind. Dieser „kleine Weltjugendtag“ entstand, weil die Teilnehmer der großen Weltjugendtage den Geist der Begegnung dieser Treffen wachhalten wollten. „2002 sagten Teilnehmer des Treffens in Toronto: Wir wollen in den Diözesen zwischen den großen Weltjugendtagen am Palmsonntag zusammenkommen“, berichtet Thomas Eschenbacher, der Jugendpfarrer der Diözese.

Kein Wunder, dass einem im Kilianeum der letzte große Weltjugendtag in Madrid auf Schritt und Tritt wieder begegnet: Beim Vorprogramm zeigt ein Diaprojektor Bilder von der Fahrt der Würzburger an den Ebro: Fröhliche Begegnungen im Zeichen der Frankenfahne, Abendandachten unter Sternen, gemeinsames Singen, gemeinsames Gebet. So mancher hat sein T-Shirt und den Hut vom Weltjugendtag in Madrid mitgebracht und schwelgt in Erinnerungen. Aber Hochgefühle weichen oft dem rauen Alltag und davon handelt die Katechese in der Kapelle: Einsamkeit, Frust, Versagen, Trauer – in Pantomimen werden solche Erfahrungen vorgespielt. Wie lassen sich solche Hindernisse der Freude überwinden?

Dass auch ein Bischof sein Päckchen Leid zu tragen hat, gibt der Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, offen zu: „Man sieht das oft nur von außen“, sagt er und berichtet von Post, die ihm nahegeht, weil sich Menschen dort über schlimme Dinge beschweren, für die er haftbar gemacht werde. „Dann kann man schon frustriert sein“. Aber, sagt der Bischof: „Auch wenn es knüppeldick über mich hereinbricht, bin ich jemand, der von Christus mitgetragen wird.“ Gott erspare den Menschen nicht das Leid, aber das Leid habe nicht das letzte Wort.

„Ich muss mich selbst annehmen können. Ich darf mir etwas gönnen“, macht der Bischof den jungen Leuten Mut. „Die schönen Dinge dieser Welt sind doch nicht bloß für die Ungläubigen gemacht!“ Und er berichtet von einer Aufschrift, die er einmal in einer anglikanischen Kirche gelesen hat: „If you can't sleep, don't count sheep. Talk to the Shepherd.“ – Wenn du nicht schlafen kannst, zähl keine Schafe. Sprich mit dem Hirten!

Das Bewusstsein, in allem Leid von Gott getragen zu sein, befähige, auch schlimmste Situationen zu meistern, sagt der Bischof und berichtet von einem Christen, der in Nordkorea jahrzehntelang eingekerkert war und seine Haft mit solcher Gelassenheit trug, dass Mithäftlinge und Bewacher dadurch zum Glauben kamen. Die Folge: Um zu verhindern, dass das ganze Gefängnis gläubig wurde, ließen ihn die kommunistischen Gewalthaber notgedrungen frei. Denn, sagt der Bischof: Gott hat mit jedem Menschen eine Geschichte. „Gott ist so gewaltig, dass er sich um den Einzelnen kümmert. Er kennt uns durch und durch.“

Aber diese Begegnung lässt sich erst in der Stille erfahren. Und so wird den Jugendlichen nach der Katechese das Angebot eines meditativen Rundgangs durch das Kilianeums gemacht. An verschiedenen Stationen können sie ihre Erfahrungen zu Einsamkeit, Frust, Versagen, Trauer ausdrücken – in Zetteln und Bildern. Aber ebenso gibt es Stationen, die Freude und geglücktes Leben markieren. Wer beten will, kann vor einer Ikone niederknien. Wer sich aussprechen und beichten will, für den stehen Gesprächspartner und Priester bereit. Das Angebot wird rege wahrgenommen.

Und so wird dieser kleine Weltjugendtag, je länger er dauert, immer mehr zu einem geistlichen Fest. Zum Abendgottesdienst nehmen die meisten Jugendlichen auf Decken Platz, die über den Boden der Kapelle des Kilianeums gebreitet sind – ein Stück Palmsonntags-Atmosphäre, wie damals, als Christus in Jerusalem einzog.

In seiner Predigt lässt Bischof Hofmann die Woche vom Einzug Christi über sein Sterben und seine Auferstehung bis zur Begegnung mit den Jüngern in Emmaus Revue passieren. Blicke man durch die ganze Geschichte, gebe es kein revolutionäreres, kein vergleichbares Ereignis, als dass Gott in Christi Auferstehung den Kreis zwischen Geburt und Sterben durchbrochen habe. „Wir können nur sagen, er ist auferstanden oder nicht. Ist er es nicht, wären wir gut beraten, die Kirchen zu schließen.“ Aber das Zeugnis der Auferstehung habe einen realen Hintergrund. Menschen ganz unterschiedlichen Temperaments, unterschiedlicher Herkunft hätten an verschiedenen Plätzen zu verschiedener Zeit den Auferstandenen erlebt. Und genauso wie damals sei Christus nun gegenwärtig, sagt der Bischof: in der Eucharistie, in seinem Wort und im Mitmenschen. „Ich bin fest überzeugt, dass der christliche Glaube immer mehr an Akzeptanz gewinnt, je mehr wir Christus ähnlich werden.“

„Die Weltjugendtage zeigen, dass es gar nicht so wenige Jugendliche gibt, die sich für den Glauben interessieren“, sagt Diözesanjugendpfarrer Eschenbacher gegenüber dieser Zeitung. „Deshalb kann es nur im Sinne der Kirche sein, die Jugendlichen in aller Welt zusammenzubringen.“ Der nächste große Weltjugendtag findet 2013 in Rio de Janeiro statt. Die Teilnehmer des Bistums Würzburg werden dabei auch das m November 2011 neu gegründete Bistum Óbidos im Amazonas-Becken besuchen. Dieses Bistum wird ab Advent 2012 neues Partnerbistum des Würzburger sein.