Geistliche Netzwerker

Eine Plattform für Priester und Seminaristen stärkt den brüderlichen Zusammenhalt und spornt zum Gebet für Berufungen an. Von Barbara Wenz

Abschlussmesse des WJT 2016
Flagge zeigen ist für viele Seminaristen das Gebot der Stunde. Auch im Netz. Foto: Symbolbild: KNA
Abschlussmesse des WJT 2016
Flagge zeigen ist für viele Seminaristen das Gebot der Stunde. Auch im Netz. Foto: Symbolbild: KNA

In Zeiten der Streuung und Spaltung, sichtbar auch in den zigtausenden von Grüppchen und Gruppen innerhalb des sozialen Mediums Facebook, ist die Zusammenführung auf einer klassischen Plattform schon wieder eine gute Idee, vor allem, wenn sich diese Plattform an Priester und insbesondere an junge Männer, die eventuell eine Berufung spüren, richten und sie ermutigen will.

Entstanden ist das Projekt bereits vor zehn Jahren, als einige Priester in Wien eine Internetseite entwarfen, um sich zunächst in ganz praktischen Fragen austauschen zu können und Predigten einzustellen. Mit der Zeit bildete sich ein tragfähiges Netzwerk von Priestern mit Freude an ihrer Berufung sowie engagierten Seminaristen. „Das Priestertum ist Geschenk – ein unendlich wertvolles Geschenk an den Menschen, der die Berufung dazu in sich spürt“, so Direktor Martin Leitner, und die Plattform priesterforum.net möchte die Freude an und über dieses Geschenk weitergeben. Wichtige Themen des bewährten Formats sind dabei immer noch die Predigt, Gedanken zum Wesen des Priesterseins, Hilfe und Ermutigung beim Finden der eigenen Berufung. Vor drei Jahren nun entdeckten zwei Seminaristen das Videoformat und entwickelten ein Projekt über das Priestertum mit zahlreichen Referenten, aber auch Interviews mit Studenten und Ehepaaren, um das Thema Berufung besser auszuleuchten und unterschiedliche Ansichten und Zeugnisse präsentieren und dokumentieren zu können. Die Videos wurden nicht nur auf priesterforum.net selbst eingestellt, sondern auch auf einem eigenen Kanal auf der Videoplattform YouTube mit immerhin mehr als 230 Abonnenten veröffentlicht – wobei manche Videos innerhalb von wenigen Tagen gut 5 000 Mal angeschaut wurden. Das Priesterforum ist selbstverständlich auch in den sozialen Medien wie Twitter und Facebook unterwegs und hat dort bereits über tausend Abonnenten. Innerhalb von drei Jahren hat sich so mit wachsendem Erfolg eine kleine Schatztruhe gefüllt, oder, wie ein Seminarist es ausdrückt, eine „reiche Quelle der Inspiration und eine starke Hilfe in geistlichen Fragen und Schwierigkeiten“.

Die zahlreichen Aufrufe der Seite mit über 800 Besuchern pro Woche, aber auch die persönlichen Rückmeldungen von interessierten Lesern sprechen dazu eine eindeutige Sprache. Um sich darüber hinaus mit anderen Medien zu verknüpfen, arbeitet das Priesterforum nun auch mit christlichen Fernseh- und Radiosendern zusammen, um die fruchtbaren Katechesen noch breiter zugänglich zu machen. Schließlich gibt es auch zweimal im Monat eine Sondersendung mit dem Titel „Bittet den Herrn der Ernte“, bei der unter anderem auch Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Wilhelm Krautwaschl, Weihbischof Hansjörg Hofer und andere geweihte Herren wie auch Laien und Laiinnen das Format mitgestaltet haben.

Umgesetzt wurde auch ein Audiobuch zur Printfassung des Titels „Das ganz normale Wunder“, eine Sammlung von hundert Glaubenszeugnissen katholischer Priester aus aller Welt, zu dem der verstorbene Kardinal Joachim Meisner ein Vorwort verfasst hatte. Auch hier handelt es sich um eine kleine Erfolgsgeschichte, denn das Priesterforum konnte bereits eine erste Charge von fünftausend CDs dieses Hörbuches verteilen, um das Thema Berufung und Priestertum für möglichst viele junge Leute zu eröffnen und denen, die auf dem Weg der Berufung sind, Stärkung zu vermitteln, denn sie werden die nächste Priestergeneration sein: „Dies ist eine Herzensangelegenheit“, sagt die Mitarbeiterin beim Priesterforum, Veronika Astleithner, „seit mir die Würde und Verantwortung des Priesters bewusst geworden ist“.

Voraussetzung und tragendes Fundament für all diese vielfältigen Aktivitäten ist dabei, und das ist allen Beteiligten ganz besonders wichtig, das Gebet. Neben „Predigt“, „Videos“, „Berufung“ und „Spotlight“ ist dem Gebet ein eigener Menüpunkt auf der Forumsseite gewidmet mit Liedern aus dem Gotteslob, Impulsen und aktuellen, interessanten Initiativen, denen man sich anschließen kann. Dabei sind die sogenannten „Berufungssonntage“ besonders hervorzuheben: Auf Einladung des Pfarrers besuchen die Engagierten vom Priesterforum interessierte Gemeinden und gestalten gemeinsam mit ihnen einen Sonntag, der der geistlichen Berufung gewidmet ist mit Anbetung, Predigt, Katechese und persönlicher Begegnung.

Schließlich gibt es dort aber jede Menge bewährtes Altes neu zu entdecken, wie zum Beispiel das sogenannte „Gebet der Mütter“ von Lu Monferrato, einem kleinen Ort mit ein paar tausend Einwohnern bei Alessandria im Piemont. Dort entschlossen sich die Frauen im Jahre 1881 zu einem kurzen, aber regelmäßigen Gebet und auch Kommunionempfang in dieser Intention, dass aus ihren Familien geistliche Berufungen erwachsen möchten. Insgesamt gingen im Verlauf dieser Gebetsaktion 323 Priester- und Ordensberufungen aus Lu Monferrato hervor – eine veritable Gebetserhörung! Unter der „Priesterrubrik“ findet sich auch ein eigener Menüpunkt über Maria Sieler mit zahlreichen Texten und dem Tagebuch dieser inspirierten und inspirierenden geistlichen Priestermutter als kostenloses eBook zum Herunterladen. Da der Auftritt von priesterforum.net liebevoll aufgemacht ist und regelmäßig gepflegt und aktualisiert wird, empfiehlt sich ein Besuch auch für interessierte Gläubige, die sich nicht in erster Linie mit dem Thema Berufung und Priestertum beschäftigen, möglicherweise von den aktuellen Kirchenschlagzeilen ermüdet sind und ihren geistigen Fokus neu schärfen wollen.

www.priesterforum.net