Gegen heutige Verirrungen

In Pavliceks Tradition: Rosenkranz-Prozession in Wien. Von Stephan Baier

Eine Rosenkranz betende Massenbewegung löste der Franziskanerpater Petrus Pavlicek in Österreich aus, als er 1947 den „Rosenkranz-Sühnekreuzzug um den Frieden der Welt“ (RSK) gründete. Daran anknüpfend rief eine Vereinigung katholischer Priester und Laien am Montagabend zum „Rosenkranz für Österreich“.

Etwa 600 Gläubige zogen Rosenkranz betend – von Einheimischen wie von Touristen bestaunt – von der Karlskirche durch das Zentrum Wiens: über die Kärntner Straße zum Stephansdom, vor dort weiter über Graben und Kohlmarkt zur Minoritenkirche nahe dem Bundeskanzleramt.

Dabei wurde Maria als „große Mutter und Schutzfrau Österreichs“ angerufen: Sie, die „in der Vergangenheit so oft in ausweglosen Lagen geholfen“ habe, möge der Regierung Österreichs und allen, die Verantwortung tragen, Mut und Kraft schenken: „Beschütze und bewahre unsere Heimat vor den Übeln des Terrorismus und der Zerstörung unserer Kultur und befreie uns von der Schande der Abtreibung!“

Gegen die Zerstörung der Familie, gegen Pornografie und Unmoral, gegen Feigheit, Bequemlichkeit und Lauheit – für die verfolgten Christen, für Umkehr, Erneuerung und die Weitergabe des Glaubensschatzes an die Kinder wurde da gebetet. In der Litanei wurden neue und alte Heilige und Selige Österreichs angerufen, darunter der Apostel Wiens, Klemens Maria Hofbauer, der Tiroler Missionar und Märtyrer Engelbert Kolland und der selige Kaiser Karl.

Nicht mehr fremde Heere, sondern Ideologien

Zuvor feierte man in der Wiener Karlskirche ein Hochamt in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus. Alexander Tschugguel erklärte namens der Initiatoren, es gehe darum, das Rosenkranzgebet „wieder auf die Straßen Wiens zu tragen“.

Die inhaltliche Feinjustierung des Anliegens geschah in der Predigt von Kardinal Walter Brandmüller, die am Ende der Messe verlesen wurde. Vor der Seeschlacht bei Lepanto 1571, bei den osmanischen Belagerungen Wiens und während der Besetzung Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Gläubigen zum Rosenkranz gegriffen und Erhörung gefunden. „Heute sind es nicht mehr fremde Heere, die uns bedrohen. Es sind menschenfeindliche Ideologien, es sind moralische Verirrungen, die wie Krankheiten unsere Gesellschaft befallen haben und unser Zusammenleben, unsere Kultur zerstören“, so Kardinal Brandmüller.

Konkret ging der Kardinal, der aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich nach Wien kommen konnte, auf Abtreibung, Euthanasie und „fragwürdige biotechnische Forschungen“, hinter denen „massive finanzielle Interessen“ stünden, ein. In seiner Predigt erinnerte er an das natürliche Sittengesetz und mahnte, ein Mensch und eine Gesellschaft, die die ewige Bestimmung des Menschen aus dem Blick verloren haben, würden sich der entscheidenden Dimension verschließen. Der ewige Schöpfer allen Seins sei nämlich die Quelle des Wahren, Guten, Schönen und Heiligen.

Vor allem komme es auf „die in Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Liebe gelebte Botschaft unseres Lebens“ an. Sie vermöge das Evangelium auch jenen mehr als vier Millionen katholisch Getauften in Österreich zu erschließen, die den Sonntag meist ohne Heilige Messe erleben.