Gastfreundschaft mit Grenzkontrollen

Der Weltjugendtag 2016 in Krakau rückt näher – Viele Themen und Angebote spielen bei der Berichterstattung eine Rolle. Von Stefan Meetschen

Nie war die Sicherheit bei Weltjugendtagen ein größeres Thema als in diesem Jahr. In Brzegi, wo die Abschlussmesse des Weltjugendtags stattfindet, wird das Gelände akribisch auf Minen abgesucht. Foto: dpa
Nie war die Sicherheit bei Weltjugendtagen ein größeres Thema als in diesem Jahr. In Brzegi, wo die Abschlussmesse des W... Foto: dpa

Warschau (DT) Wenn es stimmt, was manche internationalen katholischen Medienexperten glauben, dass nämlich nichts so schlimm sei für einen Weltjugendtag, wie fehlende kontroverse Themen und Berichte, welche die Veranstaltung über die engen Grenzen der Kirchenpublizistik hinaus bekannt machen, so lässt sich schon jetzt, gut zwei Wochen vor Beginn des XXXI. Weltjugendtags in Krakau, eine erste Entwarnung geben: Der kommende Weltjugendtag ist im Gespräch. Und das hat Gründe. Das diesjährige Gastgeberland mit seiner nationalkonservativen Regierung spielt dabei eine Rolle, die politisch aufgewühlte Kontext der Veranstaltung (EU-Krise, Flüchtlingskrise, Terrorgefahr) ebenso, wie natürlich auch die unkonventionelle Amtsführung des jetzigen Papstes. Um nur die wichtigsten Themen zu nennen.

Kaum vergeht eine Woche, in welcher die säkularen und mithin auch dezidiert kirchenfeindlichen Medien Polens nicht vor der terroristischen Bedrohung für die Teilnehmer des Weltjugendtages warnen, gepaart mit dem Versuch, einen Spalt zwischen die Kirche Polens und das Oberhaupt der Weltkirche zu projizieren. Eine Form der Kritik, die den Pressesprecher der Polnischen Bischofskonferenz, Pfarrer Pawel Rytel-Andrianik, kürzlich zu einer ungewöhnlichen Erklärung brachte, in der die Verbundenheit der Kirche Polens mit Papst Franziskus ausdrücklich betont wird: „Papst Franziskus wurde in allen Hirtenbriefen zitiert und in allen Stellungnahmen der Plenarversammlungen der Polnischen Bischofskonferenz der Jahre 2015 und 2016 erwähnt. Dies ist ein Zeichen der persönlichen Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri, der schon bald nach Polen kommen wird.“

Auch die von manchen Westeuropäern angezweifelte gastfreundliche Haltung der Katholiken Polens wird vonseiten der Polnischen Bischofskonferenz ausdrücklich betont. So wies Rytel-Andrianik im Interview mit „Radio Vaticana“ darauf hin, dass die Kirche immer bei denjenigen sei, die Hilfe bräuchten. „Erzbischof Stanis³aw G¹decki hat bereits einen Tag vor dem Aufruf von Papst Franziskus die Pfarreien dazu ermuntert, Flüchtlinge, welche geflohen sind, um ihr Leben oder ihre Gesundheit zu schützen, aufzunehmen.“

Doch natürlich läuft jenseits von journalistischen Reizthemen auch der normale Weltjugendtags-Organisationsbetrieb auf Hochtouren. Für internationale Journalisten wurden kürzlich die letzten Pool-Cards für die Weltjugendtags-Woche vom 25. bis 31. Juli angeboten, dazu gab es Hinweise auf die letzten freien Betten und Zimmer in Krakau und Umgebung. Mittlerweile liest man in den katholischen Medien des Landes, die selbstverständlich schon ganz auf den Weltjugendtag, seine Patrone (Schwester Faustina, Johannes Paul II.) und das spirituelle Kernthema, die Göttliche Barmherzigkeit, einstimmen, dass bereits die ersten internationalen Weltjugendtagspilger im Land seien: 30 Personen aus Zentralafrika und Sambia, die es zeitgleich zu den wieder eingeführten Sicherheitskontrollen an der polnischen Grenze geschafft haben, polnische Erde zu betreten. Bei den 43 000 Personenkontrollen während der ersten drei Kontroll-Tage Anfang Juli wurden 1 843 Einreisewillige abgelehnt (an der EU-internen Grenze waren es immerhin 17 Personen).

Und zu sehen und zu erleben gibt es schon jetzt eine ganze Menge in Polen. Etwa in dem kleinen, niederschlesischen Ort Legnica (Liegnitz), der in den vergangenen Monaten durch „Merkmale eines eucharistischen Wunders“ (Bischof Zbigniew Kiernikowski) die internationale Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Passend zum Weltjugendtag wird die Hostie, die vor wenigen Jahren durch ihre rote Verfärbung auffiel, jetzt in der Pfarrei des heiligen Jacek zur Verehrung als Reliquie gezeigt. Ausfahrt Legnica, warum nicht?

Ab dem 20. Juli startet dann in den 43 polnischen Diözesen (41 römisch-katholisch, zwei griechisch-katholisch) das sogenannte „Festival der Jugend“, als Warming-Up für die Weltjugendtagswoche in Krakau. In Wroclaw (Breslau) steht das „Mercy“-Fest auf dem Programm, in Warschau „Lobpreis“ und in Krakau das sogenannte „Mercy Festival“ mit Chören, Sängern und Musikgruppen. Der Eintritt zu all diesen Veranstaltungen ist frei.

Passend zu der zwischen Lockerheit und Radikalität oszillierenden Mentalität des argentinischen Papstes werden auch die Jugendlichen, die als Teilnehmer zum Weltjugendtag reisen, Sinn für offene Lösungen mitbringen. In der katholischen Zeitschrift „Gosc Niedzielny“ präsentiert sich in der aktuellen Ausgabe beispielsweise eine Familie Wolski, in deren Garten bei Krakau 300 Teilnehmer untergebracht sein werden. Zum Glück nicht gänzlich unter freiem Himmel, sondern in einem Soldatenzelt. Aber es gibt auch Quartiere, die weniger am Rand liegen; manche Pilger werden bei Familien und in Schulen übernachten.

So darf man sich freuen auf den immer näher rückenden Beginn der Veranstaltung und hoffen, dass so – wie bei jedem Weltjugendtag – auch diesmal wieder Menschen, die der Kirche und Gott fernstehen, neu angesprochen und zum katholischen Glauben geführt werden. Unabhängig davon, wie die europäische Nachrichtenlage auch sein mag.