Für immer Ja

Weihbischof Schwaderlapps seelsorgliche Impulse zur Ehe. Von Maria Pelz

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Hilfe und Orientierung für den gemeinsamen Weg: die katholische Ehelehre ist auch heute noch aktuell. Foto: dpa

Es gibt genug Sexualtherapeuten, Paartherapeuten, Psychologen und Beziehungsberater auf der Welt, die sich als Spezialisten für die Liebe bezeichnen, aber genau dort mit ihrer Beratung aufhören, wo es gerade mal spannend wird – bei der Religion nämlich. Die meisten stellen sich den Glauben als etwas vor, das nach dem Sex kommt. Sie denken, man könne die Welt der Beziehung für sich regeln, und wenn dann noch jemand irrational veranlagt ist, könne er sich auch noch mit dem Glauben beschäftigen. Das Problem ist nur: Wer etwas in Richtung Liebe unternimmt, unternimmt auch etwas mit Gott, der ja die ,Liebe‘ schlechthin ist.“ Wie wahr – und wie schwierig zu vermitteln in einer Welt, in der schon Vierzehnjährige in der Regel sexuell aktiv sind, ohne die Tragweite ihres Verhaltens erfassen zu können!

Der Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp legt mit den eingangs zitierten Worten aus dem Vorwort zur zweiten Auflage seines Ehevorbereitungsbuches „Für immer Ja“ das Anliegen dar, das ihn zu diesem Werk inspiriert hat: Der Mensch als Geschöpf eines liebenden Gottes ist dazu berufen, mit Leib und Seele die Liebe dieses Gottes weiterzugeben. Wie das gehen kann, dafür wirbt Dominik Schwaderlapp mit diesem Buch, das in jede katholische Familie gehört: Der Theologe, der über die „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. promoviert hat, und der Seelsorger, der als Firmspender, in der Ehevorbereitung, in Einzelgesprächen und in der Mitverantwortung für die Diözese Köln und in der Deutschen Bischofskonferenz Kontakt mit sehr vielen Menschen, überzeugten Christen wie Suchenden, hat, der Wissenschaftler, der im Lehrgang „Theologie des Leibes“ in Heiligenkreuz lehrt, legt mit „Für immer Ja“ ein gut lesbares, flüssig geschriebenes und durch und durch wohlwollendes Kompendium der katholischen Ehelehre vor. Er tut es in einer Sprache und in einem thematischen Aufbau, der auch für Jugendliche wirklich gut zu lesen ist. Gerade für jüngere Jugendliche kann es sehr wichtig, ja lebensbestimmend sein, sich mit Schwaderlapps Werk auseinanderzusetzen, denn wenn junge Menschen erst einmal sexuelle Erfahrungen machen, weil sie denken, dass dies einfach dazugehört, wird es für sie schwieriger, sich mit der kirchlichen Sicht der Liebe positiv auseinanderzusetzen, weil sie in der Spirale der Selbstrechtfertigung zu stecken drohen. Wenn sie in der Phase, in der sie selbst noch ungebunden sind, die wertvolle, schöne und menschengemäße Lehre der Kirche kennenlernen, können sie mindestens noch selbst entscheiden, wie sie ihre ersten Erfahrungen mit der Liebe gestalten möchten und ob sie sich auf das Abenteuer begeben wollen, sich gegen den Strom zu stellen, weil ihr Leben, ihr Glück, das sie in der Liebe finden können, einfach zu kostbar dafür sind, sie dem Mainstream zu opfern. Das Glück des späteren Lebens baut zu einem großen Teil auf einigen „Jas“ und „Neins“ auf, die man als junger Mensch sagt, und um diese so zu platzieren, dass sie das künftige Glück unterstützen statt behindern, sind die Gedanken des Werkes von Bischof Schwaderlapp existenziell.

Dominik Schwaderlapp schafft es, die Sprache der Menschen zu treffen, für die er schreibt: Gut verständlich und mit vielen Vergleichen kann er überzeugend darstellen, dass die kirchliche Sicht auf die Sexualität eine Bereicherung für die Menschen ist und keine leibverneinende Verbotssammlung. Dabei beginnt er ganz von vorne und legt auf den ersten immerhin 67 Seiten eine Art konzentrierte theologische Anthropologie des Menschen vor, bevor er auf die Liebe zwischen Mann und Frau zu sprechen kommt. Wesentliche Grunddaten des Humanen werden kurz und knapp, dabei verständlich und unverkürzt dargestellt: Freiheit, Verstand, Wille, Triebe, Leib und Seele, Wahrheit, Gewissen, Verantwortung, Freundschaft. Ein langer, aber nötiger Anlauf zum eigentlichen Thema, das er auf diese Gedanken aufbauend zunächst systematisch und dann praktisch behandelt. Dabei gelingt es ihm, das Wesen der Ehe so zu vermitteln, dass ihre wesensmäßigen Merkmale und ihre Sakramentalität ebenfalls vollständig und dabei in einer Sprache, die die Zielgruppe gut verstehen kann, dargestellt werden.

Im zweiten Teil wird es dann ganz praktisch: „Wie es mit der Liebe geht“ ist er überschrieben und der Autor schöpft dabei aus seinen vielen Erfahrungen als Seelsorger und Begleiter von Jugendlichen und Familien. Er lässt kein heißes Eisen aus. Wie fühlt sich Verliebtsein an, wie wird aus Freund und Freundin ein Paar, welche Steine kann es auf dem Weg der Liebe geben, was kann helfen, was kann hindern, was gibt es zum Thema „Selbstbefriedigung“ zu sagen, warum gehört Sex in die Ehe und wie kann man den Weg in die Ehe entsprechend gestalten, wie kann man den oder die Richtige finden, wann ist der Zeitpunkt für die Hochzeit da und wie kann man die Ehe dann auch so gestalten, dass sie wirklich zur glücklichen Erfüllung der beiden Partner wird? Auch die natürliche Empfängnisregelung wird thematisiert. Das Fazit das Autors: „Es geht. Sie müssen es nur ausprobieren.“

Der zweiten, nur leicht veränderten Auflage dieses Werkes ist weiteste Verbreitung zu empfehlen. Es spricht nichts dagegen, dass Familien mit jugendlichen Kindern es den Kindern schenken oder auch einfach mal auf dem Sofatisch herumliegen lassen, damit ihre Kinder es finden und lesen können. Für alle, die in der kirchlichen Verkündigung stehen, sei es in Pfarrei oder Schule oder anderorts, ist es eine Fundquelle zu allen Fragen rund um Sexualität und Ehe. Es beweist: Die weit verbreitete Sprachlosigkeit zu diesen Themen muss nicht sein. Es ist möglich, die kirchliche Lehre zu Ehe und Familie attraktiv, zeitgemäß und unverkürzt darzustellen.

Dominik Schwaderlapp: Für immer Ja. Ein Kurs in Sachen Liebe. fe-Verlag, Kißlegg 2017, 208 Seiten, ISBN 978-386357192-4, EUR 6,95