Frommer Gelehrter

Zum Gedenktag des heiligen Theatinerpaters Josef Maria Tomasi am 1. Januar. Von Katrin Krips-Schmidt

Als „Fürst der römischen Liturgiker“ gilt der heilige Josef Maria Tomasi. In das Heiligenverzeichnis aufgenommen wurde er am 12. Oktober 1986 von Johannes Paul II., obwohl er bereits 1803 von Pius VII. seliggesprochen wurde. Damit wird deutlich, dass seine Bedeutung als Vorbild für die Liturgen weit über seine Epoche hinausreicht.

Als fünftes Kind des Herzogs von Palma di Montechiaro und Fürsten von Lampedusa am 12. September 1649 in Licata im damaligen Königreich Sizilien geboren, erhielt Josef Tomasi eine klassische Schulbildung und eine gute christliche Erziehung. 1665 trat er bei den Regularkanonikern, die auch als „Theatiner“ bezeichnet werden, in Palermo als Novize ein. Nach dem Verzicht auf Adelstitel und Erbe zugunsten seines nachgeborenen Bruders legte er 1666 seine Profess ab und begann mit philosophischen und theologischen Studien, die er aufgrund gesundheitlicher Probleme an verschiedenen Orten absolvierte: in Messina, Rom, Ferrara, Modena, und schließlich wieder in Rom. 1673 empfing er in der Lateranbasilika die Priesterweihe und widmete sein Leben fortan theologischen Forschungen, insbesondere auf liturgischem Gebiet. Sein besonderes Interesse galt dabei – in den Bibliotheken und Archiven bis dato unentdeckten – frühchristlichen liturgischen und patristischen Werken, die er nun mithilfe der Sprachkenntnisse erforschte, die er sich im eifrigen Studium angeeignet hatte – neben Latein und Griechisch beherrschte er Hebräisch, Syrisch, Chaldäisch und Arabisch. Seine Publikationen wurden in den Jahren 1749–1769 in einer elfbändigen Gesamtausgabe herausgegeben. Eine kritische Ausgabe des Psalteriums veröffentlichte Tomasi, nachdem er – um seine Hebräisch-Kenntnisse zu vertiefen – beim damaligen Rabbiner der Ewigen Stadt Unterricht genommen hatte. Dieser konvertierte nach der Begegnung mit dem frommen, demütigen und hoch angesehenen Gelehrten zur katholischen Kirche.

Innerhalb der römischen Kurie wurde Tomasi unter Papst Clemens XI. auf verantwortungsvolle Stellen berufen: So wurde er zum Konsultor der Heiligen Ritenkongregation ernannt, in seinem eigenen Orden diente der Theatiner als Generalkonsultor.

1712 wurde Pater Tomasi – gegen seinen Willen – die Kardinalswürde verliehen. Auch in diesem Amt setzte er sein asketisches Leben in Armut fort, hielt die Katechesen in seiner Titelkirche im Allgemeinen persönlich und spendete den größten Teil seines Einkommens Bedürftigen.

Pater Tomasi starb am Neujahrstag 1713 im Ruf der Heiligkeit in Rom. Seine sterblichen Überreste ruhen unversehrt in einem Glassarkophag unter einem Seitenaltar in Sant'Andrea della Valle, der Mutterkirche des Theatinerordens in Rom.