Fromm, beharrlich und begeisterungsfähig

Zum Gedenktag der heiligen Mary MacKillop am 8. August. Von Katrin Krips-Schmidt

Papst Benedikt XVI. betete im Juli 2008 während seines Australienbesuchs am Grab der heiligen Mary. Foto: KNA
Papst Benedikt XVI. betete im Juli 2008 während seines Australienbesuchs am Grab der heiligen Mary. Foto: KNA

Zur Seligsprechung von Mary MacKillop durch Papst Johannes Paul II. am 19. Januar 1995 in Sydney waren 200 000 Menschen gekommen. Papst Benedikt XVI. sprach die Ordensfrau am 17. Oktober 2010 mit fünf weiteren Seligen in Rom heilig.

Wer war diese Gründerin eines Frauenordens, die zur ersten und bisher einzigen Heiligen Australiens wurde, deren Gemeinschaft heute, ein Jahrhundert nach ihrem Tod, bereits 900 Schwestern angehören, und die durch ihre „Frömmigkeit, Beharrlichkeit und Begeisterungsfähigkeit“ (Papst Benedikt in seiner Ansprache bei der Kanonisierung) zu einem Vorbild für die Gläubigen wurde?

Die am 15. Januar 1842 im australischen Melbourne geborene Mary MacKillop war das älteste Kind einer aus Schottland stammenden Einwandererfamilie. Sie hatte noch sieben Geschwister, um die sie sich als Jugendliche kümmern musste, da die Familie permanent in finanziellen Nöten steckte. Daher arbeitete Mary schon mit vierzehn Jahren als Verkäuferin, später als Erzieherin und Lehrerin und trug damit zum Unterhalt der Familie bei. Als sie 1860 nach Penola im Südosten Australiens ging, begegnete sie dort dem Pfarrer P. Julian Tenison Woods, der mit ihr gemeinsam einen Traum verwirklichte: die Gründung einer neuen Frauenkongregation – der ersten des Landes – die sich für die Belange der vielen armen Emigranten einsetzen sollte, die täglich mit dem Schiff den fünften Kontinent erreichten. Für sie musste es Lehrerinnen in Schulen, Krankenschwestern in Hospitälern und weitere gemeinnützige Einrichtungen, wie Waisenhäuser und Altenheime, geben. 1866 wurde Mary das erste Mitglied und die erste Oberin dieser neuen Gemeinschaft, die sich in Penola niederließ und die sich „Schwestern des heiligen Josef vom Heiligen Herzen“ nannte. Sie nahm den Namen „Maria vom Kreuz“ an. Innerhalb eines Jahres schlossen sich ihr 30 Australierinnen an, und bis 1869 zählte der Orden schon 128 Mitglieder, der 17 Schulen und caritative Einrichtungen an verschiedenen Orten in Australien und Neuseeland betrieb.

Missverständnisse zwischen dem Bischof von Adelaide und Mary führten dazu, dass sie 1871 aus „Ungehorsam“ exkommuniziert wurde. Zudem ging es um die Regel ihres Ordens, die ihr als Oberin weitgehende Unabhängigkeit gewährte. Einige Monate später hob der Bischof kurz vor seinem Tod die Exkommunikation wieder auf. Mutter Mary schiffte sich 1873 nach Rom ein, wo sie vom seligen Papst Pius IX. in Privataudienz empfangen wurde. Er ermutigte sie, und sie kehrte nach zwei Jahren mit der Approbation ihrer Ordensregel nach Australien zurück. Trotz der vielen Schwierigkeiten erlebten die Josefsschwestern eine Blütezeit. Mary reiste durch das ganze Land und eröffnete Heime für Obdachlose, für ehemalige Häftlinge und Prostituierte.

Doch auch in den folgenden Jahrzehnten sah sie sich weiteren von einigen Priestern und Bischöfen ausgehenden Anfeindungen ausgesetzt, denen die 1875 zur Generaloberin Gewählte dennoch standhielt. 1902 erlitt sie einen Schlaganfall, der sie bis zu ihrem Tod am 8. August 1909 an den Rollstuhl fesselte.