Frieden ist kein Selbstläufer

Vertreter der Weltreligionen treffen sich im September zum Dialog in München. Von Clemens Mann

Im September 2009 lud Sant'Egidio zum Friedenstreffen nach Krakau ein. In München will die Gemeinschaft in diesem Jahr mit Vertretern der Weltreligionen einen weiteren friedenspolitischen Akzent setzen. Foto: KNA
Im September 2009 lud Sant'Egidio zum Friedenstreffen nach Krakau ein. In München will die Gemeinschaft in diesem Jahr m... Foto: KNA

München (DT) Als ein „kleines, aber intensives Laboratorium des Zusammenlebens“ der Religionen und Kulturen hat der Generalsekretär der Gemeinschaft Sant' Egidio, Cesare Zucconi, das vom 11. bis 13. September in München stattfindende Internationale Friedenstreffen bezeichnet. Zu dem Treffen, das unter dem Motto „Zusammen leben – unsere Bestimmung. Religionen und Kulturen im Dialog“ steht und von der Erzdiözese München-Freising und der Gemeinschaft Sant' Egidio veranstaltet wird, haben rund 400 hochkarätige Vertreter aus Politik und Religion ihr Kommen zugesagt. Neben Bundespräsident Christian Wulff, der das Treffen eröffnen wird, und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet, die sich, so der Münchner Kardinal Reinhard Marx, mit einem eigenen Statement „einmischen“ wird.

Bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag bezeichnete Zucconi vor Journalisten das Friedenstreffen als ein in erster Linie „deutsches Ereignis“, mit dem man Menschen aus München als auch aus der gesamten Bundesrepublik ansprechen wolle. 25 Jahre nachdem Papst Johannes Paul II. mit Vertretern der Weltreligionen in Assisi um den Frieden in der Welt betete, sei „der Geist von Assisi notwendiger denn je“. Zwar lebe man nicht mehr in Zeiten des Kalten Krieges, dennoch müssten die Religionen ihren Beitrag zum Frieden leisten. „Die Religionen müssen sich ihrer Verantwortung vor der Menschheitsfamilie bewusst werden“, sagte Zucconi. Durch die Anschläge vom 11. September sowie einer Renaissance des Rechtspopulismus überall auf der Welt habe sich eine Konfliktmentalität in der internationalen Politik ausgebreitet. „Dieser Konfliktmentalität muss man eine Mentalität des Dialogs und des Hinhörens entgegensetzen“, erklärte der Generalsekretär, für den es „keine Alternative zum Dialog“ gebe.

Dass die Religionen einen Auftrag zum Erhalt des Friedens haben, bekräftigte auch Kardinal Marx. „Der Kampf um Frieden ist kein Selbstläufer, sondern es braucht immer wieder Einsatz“, sagte der Erzbischof. Nach den Anschlägen vom 11. September, dessen 10. Jahrestages man mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Marstallplatz erinnern wird, hätten viele vom „Kampf der Kulturen“ und einem „Verlorenem Jahrzehnt“ gesprochen. Marx brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, mit München 2011 ein neues „Jahrzehnt des Friedens und des Dialoges“ zu eröffnen. „Die Grammatik des friedlichen Lebens“ müsste nun neu erlernt werden. Als zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts bezeichnete der Kardinal, in einer Welt der Vielfalt zu leben, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.

Zum Friedenstreffen, das die Gemeinschaft Sant' Egidio, eine 1968 in Rom gegründete und heute in 70 Ländern bestehende Laieninitiative seit 25 Jahren veranstaltet, werden Delegationen aller Weltreligionen erwartet. Aus Rom hat bereits der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, zugesagt. Bischöfe aus Afrika, Asien und Laienamerika haben sich angekündigt. Aus der jüdischen Welt nimmt unter anderem der Oberrabbiner von Israel, Yona Metzger, teil. Aus rund 20 Ländern kommen Vertreter des Islam. Die wichtigsten buddhistischen Schulen Japans, Sri Lankas und Kambodschas sowie des Schintoismus und der indischen Religionen werden ebenfalls anwesend sein. Aus Deutschland nimmt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, sowie der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich, teil. Aus der orthodoxen Welt haben alle Patriarchate ihr Kommen zugesagt.

Bei dem dreitägigen Treffen sind unter anderem mehrere Gottesdienste sowie am Montag und Dienstag über 40 Foren geplant, zu denen mehrere tausend Besucher erwartet werden. Die Foren, die kostenlos für alle Besucher sind, beschäftigen sich dabei nicht nur mit dem ökumenischen und interreligiösen Dialog, sondern auch aktuellen Themen der Zeitgeschichte wie den arabischen Frühling, das Verhältnis von Europa zum Globus oder die Beziehungen von Israelis und Palästinensern. „Einen besonderen Raum wird wie jedes Jahr Afrika mit seinen Dramen und Chancen einnehmen“, sagte Zucconi. Vor der großen Abschlussveranstaltung auf dem Marienplatz, bei dem der „Friedensappell von München 2011“ verlesen werden soll, findet eine Friedensprozession von neun verschiedenen Gebetsorten in der Innenstadt zum Marienplatz statt.