Fliegende Pressekonferenz: Papst äußert sich reuevoll zu Missbrauch

Papst Franziskus hat sich reuevoll zur Missbrauchskrise geäußert, die Kirche jedoch gleichzeitig auch in Schutz genommen. Am Rande erwähnt er auch das Schreiben des Ex-Nuntius Viganò.

Franziskus zur Missbrauchskrise
Er selbst habe „niemals, wirklich niemals“ einem Priester, der des sexuellen Missbrauchs überführt worden war, Amnestie gewährt, so der Papst. Foto: Ettore Ferrari (ANSA)

Papst Franziskus hat sich reuevoll zur Missbrauchskrise geäußert, die momentan die katholische Kirche erschüttert, letztere jedoch gleichzeitig auch in Schutz genommen. Unabhängig von den Statistiken zu Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche sei es bereits abscheulich, „wenn auch nur ein einziger Priester einen Jungen oder ein Mädchen missbraucht, da dieser Mann von Gott auserwählt wurde, dieses Kind ins Himmelreich zu führen“. Dies erklärte Franziskus im Rahmen der „Fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückflug von seiner Reise ins Baltikum. Die Tatsache, dass Missbrauch nicht nur im kirchlichen Umfeld vorkomme, so der Papst, mindere den Skandal nicht im Geringsten.

Franziskus: Nicht wahr, dass die Kirche nichts unternommen habe

Gleichzeitig versuchte das Oberhaupt der Katholiken jedoch auch, die bisherige Präventionsarbeit der Kirche hervorzuheben. Es sei nicht wahr, so der Papst, dass die Kirche nichts unternommen habe, „um aufzuräumen“. Als Beispiel nannte er den Bericht einer Grand Jury im US-Bundesstaat Pennsylvania, der im August veröffentlicht worden war, und verwies auf weitere ähnliche Studien. Dass die Mehrheit der Missbrauchsfälle bereits Jahrzehnte zurückliege, zeige, dass die Kirche erkannt habe, dass sie Missbrauch auf andere Weise bekämpfen müsse. „Schauen Sie sich das Beispiel Pennsylvania an“, forderte Franziskus die Journalisten auf. „Schauen Sie sich die Verteilung an, und Sie werden feststellen, dass die Kirche ihr Möglichstes tat, sobald sie begonnen hatte, zu verstehen.“

Papst verteidigt sich indirekt gegen Vorwürfe Viganòs

Zudem wies der Papst darauf hin, dass er Bischöfe stets aufgefordert habe, Missbrauchsfälle der Glaubenskongregation zu melden. Er selbst habe „niemals, wirklich niemals“ einem Priester, der des sexuellen Missbrauchs überführt worden war, Amnestie gewährt.

Franziskus ging während der Pressekonferenz nicht explizit auf den italienischen Erzbischof Carlo Viganò ein. Dieser hatte Ende August schwere Vorwürfe gegen den Papst erhoben. Unter anderem behauptete Viganò, emeritierter Apostolischer Nuntius in den USA, Franziskus habe bereits seit 2013 von den Vergehen des ehemaligen amerikanischen Kardinals Theodore McCarrick gewusst, jedoch nichts dagegen unternommen.

Eine Bemerkung zu dem Schreiben, das in der Kirche für große Furore gesorgt hatte, gab Franziskus dennoch ab: Als es „ein Ex-Nuntius diese berühmte Stellungnahme abgab“, hätten ihm Bischof aus der ganzen Welt geschrieben, um ihre Solidarität mit Franziskus auszudrücken. 

DT/mlu

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