"Es ist mühsam, gegen das Böse zu kämpfen"

Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters während der Generalaudienz vom 25. April.

Papst Franziskus
Papst Franziskus. Foto: Alessandra Tarantino (AP)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Wir wollen – immer angesichts des Wortes Gottes – unsere Betrachtungen über die Taufe fortführen.

Das Evangelium erleuchtet die Täuflinge und ruft die Antwort des Glaubens hervor: „Die Taufe ist ja in ganz besonderer Weise ,das Sakrament des Glaubens‘, denn man tritt durch sie sakramental in das Leben des Glaubens ein“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 1236). Und der Glaube ist die Selbstübergabe an Jesus, den Herrn, der als „Quelle (…), deren Wasser ewiges Leben schenkt“ (Joh 4,14), als „Licht der Welt“ Joh 9,5), als „die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11,25) erkannt wird, wie der Weg lehrt, den die Katechumenen auch heute noch vor dem Empfang der christlichen Initiation zurücklegen. Gebildet vom Hören auf Jesus, von seiner Lehre und seinen Werken, erleben die Katechumenen die Erfahrung der samaritischen Frau nach, die nach lebendigem Wasser dürstet, die Erfahrung des blind geborenen Mannes, der die Augen dem Licht öffnet, und die Erfahrung des Lazarus, der dem Grab entsteigt. Das Evangelium trägt die Kraft in sich, denjenigen zu verwandeln, der es glaubend annimmt, und ihn der Herrschaft des Bösen zu entreißen, damit er lernt, dem Herrn freudig mit einem neuen Leben zu dienen.

An das Taufbecken geht man nie allein, sondern begleitet vom Gebet der ganzen Kirche, wie die Heiligenlitaneien in Erinnerung rufen, die dem Exorzismus-Gebet und der Salbung mit dem  Katechumenenöl bei der Taufe vorausgehen. Dies sind Gesten, die seit alten Zeiten denen, die sich anschicken, als Kinder Gottes neu geboren zu werden, versichern, dass das Gebet der Kirche ihnen im Kampf gegen das Böse beisteht, sie auf dem Weg des Guten begleitet, ihnen hilft, sich der Macht der Sünde zu entziehen, um in das Reich der göttlichen Gnade zu gelangen. Das Gebet der Kirche. Die Kirche betet, und sie betet für alle, für uns alle! Wir, die Kirche, beten für die anderen. Es ist etwas Schönes, für die anderen zu beten. Wie viele Male haben wir kein dringendes Anliegen und beten nicht. Wir müssen beten, vereint mit der Kirche, für die anderen: „Herr ich bitte dich für alle, die in Not sind, für diejenigen, die nicht glauben…“. Denkt daran: das Gebet der Kirche findet immer statt.  Doch wir müssen in dieses Gebet einstimmen und für das ganze Gottesvolk und für diejenigen, die der Gebete bedürfen, beten. Daher ist der Weg des erwachsenen Katechumenen von wiederholten Exorzismen gezeichnet, die der Priester über ihm ausspricht (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1237), das heißt von Gebeten, die um die Befreiung von allem bitten, was von Christus trennt und die innige Verbindung mit ihm behindert. Auch für die Kinder bittet man Gott, sie von der Erbsünde zu befreien und sie zur Wohnstatt des Heiligen Geistes zu weihen (vgl. Die Feier der Kindertaufe). Die Kinder. Für die Kinder beten, für ihr geistliches und leibliches Wohl. Das ist eine Weise, die Kinder mit dem Gebet zu beschützen. Wie die Evangelien bezeugen, hat Jesus selbst Dämonen bekämpft und sie ausgetrieben, um das Kommen des Reiches Gottes zu offenbaren (vgl. Mt 12,28): sein Sieg über die Macht des Bösen schafft Raum für die Herrschaft Gottes, die froh macht und mit dem Leben versöhnt.

Die Taufe ist keine Zauberformel, sondern eine Gabe des Heiligen Geistes, die diejenigen, die sie empfangen, befähigt, „gegen den Geist des Bösen zu kämpfen“, in dem Glauben, dass „Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat, um uns von der Macht Satans zu befreien, uns der Finsternis zu entreißen und in das wunderbare Reich seines Lichts zu führen“ (vgl. Die Feier der Kindertaufe). Wir wissen aus Erfahrung, dass das christliche Leben immer der Versuchung unterworfen ist, vor allem der Versuchung, sich von Gott zu trennen, von seinem Willen, von der Gemeinschaft mit ihm, und sich in den Schlingen weltlicher Verführungen zu verfangen. Und die Taufe bereitet uns vor, sie gibt uns die Kraft für diesen täglichen Kampf, auch den Kampf gegen den Teufel, der – wie der heilige Petrus sagt – wie ein Löwe versucht, uns zu verschlingen, uns zu zerstören.

Außer dem Gebet erfolgt dann die Salbung der Brust mit dem Öl der Katechumenen, die daraus „Kraft empfangen, um dem Teufel und der Sünde zu widersagen, bevor sie sich dem Taufbecken nähern und zu neuem Leben geboren werden“ (vgl. Segnung der Öle). Aufgrund der Eigenschaft des Öls, auf heilende Weise in das Körpergewebe einzudringen, haben sich die Kämpfer in der Antike mit Öl eingerieben, um ihre Muskeln zu stärken und den Angriffen des Gegners leichter ausweichen zu können. Im Lichte dieser Symbolik haben die Christen der ersten Jahrhunderte den Brauch angenommen, den Körper der Täuflinge mit dem vom Bischof gesegneten Öl* zu salben, um durch dieses „Zeichen des Heils“ zum Ausdruck zu bringen, dass die Macht Christi, des Erlösers, stärkt, um gegen das Böse zu kämpfen und es zu besiegen (vgl. Die Feier der Kindertaufe).

Es ist mühsam, gegen das Böse zu kämpfen, seinen Täuschungen zu entgehen und nach einem erschöpfenden Kampf wieder zu Kräften zu kommen, doch wir müssen wissen, dass das ganze christliche Leben ein Kampf ist. Wir müssen daher auch wissen, dass wir nicht allein sind, dass die Mutter Kirche betet, damit ihre Kinder, die in der Taufe neu geboren wurden, den Nachstellungen des Bösen nicht erliegen, sondern sie kraft des Pascha Christi besiegen. Gestärkt durch den auferstandenen Herrn, der den Herrscher dieser Welt besiegt hat (vgl. Joh 12,31), können auch wir mit dem Glauben des heiligen Paulus sagen: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt“ (Phil 4,13). Wir alle können siegen, alles besiegen, aber mit der Kraft, die von Jesus kommt.

* [Das Gebet bei der Segnung, das diese Bedeutung zum Ausdruck bringt, lautet: „Segne dieses Öl und gib den Taufbewerbern, die wir damit salben, Kraft, Entschlossenheit und Weisheit, damit sie das Evangelium Christi, deines Gesalbten, tiefer erfassen und die Mühen und Aufgaben eines christlichen Lebens hochherzig auf sich nehmen“.]

Nach der Katechese verlas der Heilige Vater folgenden Appell zum interkoreanischen Gipfeltreffen

Am kommenden Freitag, dem 27. April, wird in Panmunjeom ein interkoreanisches Gipfeltreffen stattfinden, an dem die Führer der beiden koreanischen Staaten, Moon Jae-in und Kim Jong Un, teilnehmen werden. Dieses Treffen wird eine gute Gelegenheit darstellen, um einen transparenten Dialog und einen konkreten Weg der Versöhnung und geschwisterlicher Wiederbegegnung einzuleiten, um den Frieden auf der koreanischen Halbinsel und in der ganzen Welt zu garantieren.

Dem koreanischen Volk, das sich so nach Frieden sehnt, sichere ich mein persönliches Gebet und die Nähe der ganzen Kirche zu. Der Heilige Stuhl begleitet, unterstützt und ermutigt jede hilfreiche und aufrichtige Initiative zum Aufbau einer besseren Zukunft im Zeichen der Begegnung und der Freundschaft zwischen den Völkern. Diejenigen, die die unmittelbare politische Verantwortung tragen, möchte ich bitten, den Mut der Hoffnung zu haben und Friedensstifter zu werden, und rufe sie auf, vertrauensvoll dem Weg zu folgen, den sie zum Wohle aller beschritten haben. Und da Gott der Vater aller und Vater des Friedens ist, lade ich Euch dazu ein, zu unserem Vater, Gott, dem Vater aller, für die koreanische Bevölkerung – sowohl im Süden als auch im Norden – zu beten.
[Gebet des Vaterunser]

Ein Sprecher verlas dann folgenden Gruß des Papstes an die Besucher aus dem deutschen Sprachraum:
Herzlich heiße ich die Pilger deutscher Sprache willkommen. In der Taufe gibt uns der Herr die Kraft, das Böse zu besiegen. Ich fordere euch alle auf: Werdet nie müde, gegen das Böse zu kämpfen und die Liebe Christi zu leben! Der Heilige Geist schenke euch seine Gnade.

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller