„Es ist das Unglück des Versklavten“

Der Psychologe Gerard van den Aardweg warnt vor einer Zulassung Homosexueller zum Priesteramt. Von Katrin Krips-Schmidt

Priester während einer Priesterweihe
Priester brauchen für ihren Dienst ein gesundes Verhältnis zu ihrer Männlichkeit. Die Kandidaten für dieses Amt sollten dahingehend gut geprüft werden. Foto: KNA

 

Herr Dr. van den Aardweg, die katholische Kirche hat derzeit viele Probleme. Nach dem Bekanntwerden des Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche wird über Lösungskonzepte diskutiert. In kirchlichen Kreisen debattiert man über eine Neubewertung der katholischen Sexualmoral und die Aufhebung des Zölibats. Sie als Psychologe schlagen jedoch etwas anderes vor: den Ausschluss Homosexueller vom Priestertum. Weshalb?

Männer mit homosexuellen Neigungen nach ihrer Pubertät sind nicht geeignet für das Priesteramt, weil Homosexualität eine Gefühls- und Persönlichkeitsstörung auf dem Gebiet der Männlichkeit ist.

Priester sollen normal-männliche Männer sein, das heißt, erwachsen männlich in Bezug auf ihren Charakter und ihre sexuellen Gefühle. Das ist der wichtigste Grund, warum Männer mit dieser Orientierung weder zur Priesterweihe noch zum Priesterseminar zugelassen werden sollten. Das gilt für alle Zeiten und kulturelle Umstände, nicht speziell für die dekadente Zeit, die wir heute mit ihren Missbrauchsskandalen erleben. Wenn man diese Grundregel beachtet hätte, dann hätte auch die Missbrauchsepidemie seit ungefähr den sechziger Jahren zweifellos nicht stattgefunden. Denn seitdem sind im Westen immer mehr Männer mit homosexuellen Neigungen zu Priestern geweiht worden. Da Homosexualität und Pädophilie suchtartig sind und weitaus mehr als normale Heterosexualität zu Verführung und Belästigung tendieren, ist die übergroße Mehrzahl der priesterlichen Missbrauchsfälle von Jugendlichen und Kindern homosexueller Natur. Wobei dann noch eine Dunkelziffer dazukommt in Bezug auf den homosexuellen Missbrauch junger erwachsener Seminaristen.

Wie bewerten Sie die Einschätzung, Klerikalismus spiele bei Missbrauch eine Rolle?

Die Behauptung, „Klerikalismus“, die klerikale Autoritätsposition, verursache die Missbrauchswelle, ist barer Unsinn. Ein sexuell normaler Mann sucht niemals Jugendliche oder Kinder. Die Mehrheit der homosexuellen Männer aber bevorzugt Jugendliche und junge Erwachsene. Doch abgesehen vom stark erhöhten Missbrauchsrisiko bei homosexuellen Männern erfordert das Priesteramt eine normale Männlichkeit. Die Männlichkeit homosexueller Männer aber ist geschädigt, und Homosexualität ist eine neurotische Sexualität.

Was meinen Sie damit?

Kurz zusammengefasst: Homo-Fantasien und -Neigungen gehen hervor aus Gefühlen der Minderwertigkeit in Bezug auf Männlichkeit. Als Jugendliche waren viele dieser Männer oft tatsächlich weniger jungenhaft im Hinblick auf Mut, jungenhafte Kampflust, Sportlichkeit, sie waren weich, nicht tüchtig, feminin; aber nicht, weil sie so geboren sind, sondern durch Erziehung, Familienverhältnisse und andere Umgebungseinflüsse. Aus den Gefühlen einer minderwertigen Jungenhaftigkeit oder Männlichkeit, der Unangepasstheit und des Nicht-Dazugehörens zur Gemeinschaft der Kameraden während der Pubertät erwuchs eine ungesunde Faszination für Männlichkeit und eine Sehnsucht nach der Affektivität und Freundschaft von idolisierten Jugendlichen und jungen Männern.

Homogefühle sind pubertäre pathetische Wunschfantasien und das Verlangen nach männlicher Intimität, im Grunde eine völlig auf sich selbst gerichtete Sexualität, eine unreife Eigenliebe, die versklavend wirkt. Wird diese Leidenschaft in der Fantasie und durch Masturbationsgewohnheit genährt, dann wird das ständig unbefriedigt bleibende, illusorische Verlangen nach körperlichen Männerkontakten zwanghaft. Daher ist Homosexualität eine Sexualneurose. Man bleibt in den Frustrationen und sexuellen Fantasien seiner Adoleszenz stecken; man bleibt ein Halb-Erwachsener. Homosexualität bedeutet: unterentwickelte Männlichkeit, ein Männlichkeits-Minderwertigkeitskomplex, emotionelle Labilität, die Unreife und der Egozentrismus eines Halberwachsenen, Depressivität und Unlustgefühle, psychologische, psychosomatische und Kontaktschwierigkeiten.

Durch welche Faktoren kann die homosexuelle Orientierung bei Männern zum Ausbruch gelangen und wie äußert sich das?

Bei vielen jungen Männern wird diese Sucht durch eine Masturbationsgewohnheit genährt. Ob echte Partnerkontakte gesucht werden, hängt von der moralischen Einstellung des Betroffenen ab, von der Intensität der Versklavung an diese Gefühle, vom aktuellen Gefühlszustand, von Stress und Enttäuschungen im Leben, vom Beispiel und von der Beeinflussung durch Freunde und Propaganda, von zufälligen Situationen und Gelegenheiten. Die gleichen Faktoren lösen Verführungen und Missbrauch aus. Hauptursache ist aber die obsessive sexuelle Sucht. Die ist entweder fast immer oder periodisch im Hinterkopf lebendig. Gibt einer den Widerstand dagegen auf, dann wird nach einem Partner oder einem Opfer gesucht.

Wie redet man sich das schön – Stichwort: Rechtfertigung von Verhaltensweisen, von denen man weiß, dass sie der katholischen Lehre widersprechen?

Wie ein Mensch alles schönredet, was das liebe Ich so gerne hat, aber irgendwie spürt: nicht haben darf. Die homosexuelle Begierde verdunkelt Denken und moralisches Fühlen, entfremdet von der menschlichen Realität. Da bildet man sich ein: „Liebe ist doch nicht schlecht“, „Homosexuelle Liebe ist eine edle Form der Liebe“, „Meine sexuelle Liebe ist wohltuend für meinen Freund, für diesen jungen Mann, für diesen Knaben“, „Ich bin eben so veranlagt“, „Die Wissenschaft, das Gesetz, die Schule, die Medien, mein Arzt, mein Pfarrer, jedermann schreit es jeden Tag heraus, dass es normal ist“, „Es ist unmöglich, in Abstinenz zu leben“, „Die katholische Lehre ist überholt“, „Die biblische Missbilligung galt nur für homosexuelle Tempelprostitution“, „Gott hat uns so geschaffen“, „Auch der Papst hat keine Einwände dagegen“. So gründen viele junge Menschen ihre Lebensweise auf die Lüge, und sie unterdrücken ihren Verstand und ihr Gewissen. Allmählich wird ihr Denken und Verhalten durch Lügenhaftigkeit durchdrungen, und viele entwickeln einen lügnerischen Charakter.

Sind Fantasien denn nicht harmlos, oder besteht tatsächlich die Gefahr, dass es „weitergeht“? Dass für Geistliche mit homosexuellen Neigungen auch Verführung und Missbrauch in Betracht kommen?

Homofantasien zu hegen und zu pflegen ist nie harmlos. Die Gewohnheit wird zum Zwang. Den Neigungen nachzugeben führt zu Promiskuität und psychisches und moralisches Unglück. Innere Fröhlichkeit und Freiheit verschwinden, Gewissensfrieden gibt es nicht mehr. Es ist das Unglück des Versklavten.

Welche Sexualpartner werden von den Betroffenen bevorzugt, und warum?

Die große Mehrzahl der „gewöhnlichen“ Homosexuellen bevorzugt Jugendliche und junge Männer. Nur 10–15 Prozent sind vorwiegend pädophil, das heißt, auf vor-pubertäre Jungen ausgerichtet. Die Statistiken über Missbrauch durch Priester stimmen mit diesen Prozentsätzen überein.

Welche Ursache kann einer homosexuellen Veranlagung zugrunde liegen?

„Veranlagung“ suggeriert ein So-geboren-Sein. Das gibt es aber nicht, obwohl der Mythos hartnäckig fortlebt. Erblichkeitsforschung, physiologische und Gehirnstudien zeigen keine Abnormalitäten, trotz vieler Versuche, solche zu finden. Die Ursache ist psychologischer Natur. Bewiesen sind vor allem Erziehungs- und Umgebungsfaktoren wie unausgeglichene oder pathogene Mutterbeziehungen, negative oder abwesende Vaterbeziehungen, traumatisierende Unangepasstheit an die gleichgeschlechtliche Gemeinschaft in der Jugend und Adoleszenz sowie Minderwertigkeitsgefühle über reale oder vermeintliche unmännliche Körpereigenschaften.

Gibt es noch andere Gründe, warum Kandidaten mit homosexuellen Neigungen sich nicht zum Priesteramt eignen?

Die ihre Neigungen als normal betrachten, bilden in der Regel Netzwerke oder Seilschaften. Sie beschützen und fördern die Interessen von Gleichempfindenden, versuchen Schlüsselpositionen zu erreichen und Macht zu gewinnen. Es ist klar, dass ein solches Netzwerken der homosexuellen Emanzipation innerhalb der Kirche dient und die katholische Sexual- und Ehe-Moral drastisch untergräbt.

Unter Moraltheologen und Bischöfen, die der Lehre von „Humanae vitae“ feindlich gesinnt sind, sind sich selbst-normalisierende Homosexuelle keine Ausnahme. Ihr Einfluss ist umso schädlicher, als sie selten ihre sexuelle Einstellung bekennen und als normale Männer angesehen werden. Ohne diese subversiven Seilschaften wären die heutigen unverschämten Versuche, sogenannte „treue“ homosexuelle Partnerschaften kirchlich zu legalisieren, nicht denkbar. Die dauerhafte, treue Homo-„Ehe“ besteht übrigens nur in der schwulen Propaganda, auch innerhalb der Kirche.

Können homosexuell orientierte Priester nicht auch gute Seelsorger sein?

Ich bin hier skeptisch. Auch die Keuschen, die Priester, die in ihrem privaten Leben keusch bleiben, sind durch die Charakterschwächen und die Gefühlsunreife behindert, die mit Homoneigungen verbunden sind. Sie verstehen das Gefühlsleben normaler Männer und Frauen nicht oder nicht ausreichend genug, denn die psychischen Dimensionen von Männlichkeit und Weiblichkeit spielen bei allen menschlichen Kontakten und Verhältnissen eine Rolle. Eine unvollständige oder geschädigte Männlichkeit wirkt sich auch in der Vaterrolle aus.

Seelsorger müssen erwachsene, verständnisvolle, aber auch tüchtige Vaterfiguren sein, die die individuelle Seele erziehen – zur Übung der Tugenden und Bekämpfung ihrer Laster. Sie sollen nicht weich gegen sich selbst sein, nicht sentimental gegenüber Anderen. Zudem hemmt die dem homosexuellen Gefühlsleben inhärente Egozentrik das Vermögen zur echten Liebe meistens in einem beträchtlichen Maß. Wo diese Egozentrik besteht, ist zu wenig Interesse für Andere vorhanden. Ein guter Seelsorger muss imstande sein, sich habituell für das Seelenheil der Anderen aufzuopfern.

Auf jeden Fall darf man junge Männer, von denen man vermutet, sie hätten gute Aussichten, sich zu guten Seelsorgern zu entwickeln, nicht ordinieren, weil die Möglichkeit, dass dies zum Scheitern führt, nicht vorher überprüft werden kann. Außerdem muss ihnen die Enttäuschung des Scheiterns erspart bleiben, mit allem damit verbundenen Leiden. Spirituelle oder therapeutische Versuche zur Veränderung der Neigungen sollten zuerst unternommen werden, und erst nach einem bewiesenen mehrjährigen tiefgreifenden Wandel könnte eine Aufnahme ins Seminar erwogen werden.

Gibt es einen Unterschied zwischen der sexuellen Abstinenz eines heterosexuellen Priesters und der eines homosexuellen?

Ein sexuell normaler Priester opfert freiwillig seine Möglichkeit, eine Familie zu gründen – eine Frau und Kinder zu haben – und seine moralisch gute Sexualität. Für einen homosexuellen Mann ist das Entbehren von Frau und Kindern kein Opfer, und wenn er keusch lebt, opfert er seine Sexualität nicht freiwillig, denn keusch zu leben ist seine Pflicht. Seine Pflicht zu tun ist natürlich verdienstlich und lobenswert, aber wer seine ganze Erbschaft verschenkt, tut mehr als einer, der eine Schuld abbezahlt.

 

Zur Person:

Gerard van den Aardweg ist ein niederländischer Psychologe und Psychoanalytiker, der sich vor allem mit Homosexualität beschäftigt. 1967 promovierte er an der Universität Amsterdam über Homosexualität und Neurosen. Er lehrte an verschiedenen, auch katholischen, Universitäten und Instituten. Aardweg ist katholisch, verheiratet und hat sieben Kinder. Im Hänssler-Verlag sind von ihm auf Deutsch erschienen: „Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen“ (1985) und „Selbst-Therapie von Homosexuellen: Leitfaden für Betroffene und Berater“ (1996).