„Es ist Zeit für eine Wachablösung“

Kardinal Lehmann tritt als Konferenz-Vorsitzender zurück – Schreiben an die deutschen Bischöfe

Kardinal Karl Lehmann (71) tritt aus gesundheitlichen Gründen als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zurück. In einem am Dienstag in Bonn veröffentlichten Brief an die deutschen Bischöfe erklärte der Mainzer Bischof, er wolle sein Amt nach fast 21 Jahren nach der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Würzburg am 18. Februar niederlegen. Wir dokumentieren das Schreiben in Auszügen:

Sehr verehrte, liebe Mitbrüder!

Ich schreibe Ihnen diesen Brief im Blick auf die Notwendigkeit, bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 11. bis 15. Februar 2008 in Würzburg einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Als Sie mich im Herbst 2005 zum vierten Mal in diese Aufgabe berufen haben, habe ich damals erklärt, dass ich wohl diesen vierten Sechs-Jahres-Zeitraum nicht voll ausschöpfen werde. In der Tat hatte ich, freilich ohne bisher darüber zu reden, seit einiger Zeit vor, im Herbst 2008, also bei der Halbzeit, aus dem Amt des Vorsitzenden zu scheiden. Durch die im Dezember erlittenen Herz-Rhythmus-Störungen mit Folgen musste ich jedoch, auch auf ärztlichen Rat hin, zur Erkenntnis kommen, dass ich schon in diesem Frühjahr darum bitten muss, einen Nachfolger zu wählen.

Ich bin nun fast 21 Jahre im Amt des Vorsitzenden; dazu kommen noch zwei Jahre als stellvertretender Vorsitzender und ab Frühsommer 1987 nach der Erkrankung von Joseph Kardinal Höffner die Aufgabe als kommissarischer Vorsitzender bis zu meiner ersten Wahl am 22. September 1987. Meine beiden Vorgänger, Kardinal Döpfner und Kardinal Höffner, konnten diese Aufgabe 11 bzw. 12 Jahre ausüben. Ich bin dankbar, dass ich diesen Dienst so lange und mit den Kräften, die Gott mir geschenkt hat, erfüllen durfte. Jetzt ist aber eine eindeutige Zäsur erreicht. Ich hatte eine lebensbedrohliche Krankheit, die mir in Zukunft nicht mehr diese oft rücksichtslose Ausschöpfung meiner Kräfte erlaubt. Erhebliche Risikofaktoren warnten schon längere Zeit, die ich aber eher überging.

Es sind für den Vorsitzenden immer mehr regelmäßig wiederkehrende Termine geworden. Die Anforderungen der Öffentlichkeit beziehungsweise der Medien, persönlicher Gespräche und auch der schriftlichen Korrespondenz wurden stets größer. Ich hatte mich in letzter Zeit besonders übernommen.

Der Zeitpunkt für einen solchen Schritt ist immer in gewisser Weise unpassend. Bei näherem Zusehen hat er jetzt jedoch auch einen guten Sinn. Die Ernennungen der Bischöfe Reinhard Marx, Franz-Peter Tebartz-van Elst und Karl-Heinz Wiesemann für München und Freising, Limburg und Speyer mit ihren 54, 48 und 47 Lebensjahren zeigen den notwendigen Generationswechsel an. In wenigen Monaten bin ich 72 Jahre alt, 25 Jahre Bischof und gehöre dann einer sehr kleinen Gruppe der dienstältesten Diözesanbischöfe an. Es ist Zeit für eine Wachablösung.

Unsere Bischofskonferenz hatte noch nie einen ehemaligen Vorsitzenden in ihren Reihen. Ich kann erleichtert in das Glied zurücktreten. Vor allem bin ich dankbar, wenn ich noch einige Jahre dem Bistum Mainz dienen kann. Ich will aber auch gerne alles in die Bischofskonferenz sowie ihre Organe und Aufgaben weiter einbringen, worüber ich im Blick auf Kenntnisse, Informationen und Erfahrung verfüge. Gerne und noch stärker möchte ich mich Grundsatzfragen widmen, durchaus auch öffentlich. Dabei liegt mir auch die schwierige Situation der Ökumene am Herzen.

Ich erkläre also hiermit meinen Rücktritt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, der nach dem Abschluss der Frühjahrsvollversammlung, genauerhin am 18. Februar 2008, wirksam werden soll. Ich möchte die Frühjahrsvollversammlung (mit Pressekonferenz) zu Ende führen und am Sonntag, 17. Februar 2008, bei der Feier des 80. Geburtstags von Friedrich Kardinal Wetter in München, noch den Dank der Deutschen Bischofskonferenz ihm gegenüber zum Ausdruck bringen. (...) Ich habe mir die Sache gut überlegt. Deshalb bitte ich Sie auch um Ihr Verständnis.