"Es geht nicht um den Ruf der Kirche"

Maria-Namen-Feier im Wiener Stephansdom rückt Maria als Vorbild im Glauben in den Mittelpunkt.

Christoph Schönborn
Auf die aktuelle Kirchen-Krise ging der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag bei der Maria-Namen-Feier im Wiener Stephansdom ein: „Es geht nicht um den Ruf der Kirche, sondern um den Auftrag der Kirche“. Foto: Cristian Gennari (KNA)

Auf die aktuelle Kirchen-Krise ging der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag bei der Maria-Namen-Feier im Wiener Stephansdom ein: „Es geht nicht um den Ruf der Kirche, sondern um den Auftrag der Kirche“, sagte Schönborn, der kritisierte, dass Teile der kirchlichen Hierarchie sich in den zurückliegenden Jahren zu sehr um den Ruf der Kirche gesorgt hätten statt darum, dem Auftrag der Kirche nachzukommen. Man dürfe manche berechtigte und auch ungerechte Kritik „einfach stehenlassen“. Man könne fast von einem „Krieg in der Kirche“ sprechen, wenn Bischöfe und Kardinäle gegen und für den Papst Position beziehen würden, „und dahinter das erschütternde Drama über Missbrauch in der Kirche“. Er bewundere, wie Papst Franziskus in dieser Situation „seinen inneren Frieden bewahrt“.

Lebendiger Glaube braucht Wachsamkeit, Demut und Opferbereitschaft

Ein lebendiger Glaube brauche Wachsamkeit, Demut und Opferbereitschaft, und in alldem sei Maria ein Vorbild, meinte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in seiner Predigt bei der Maria-Namen-Feier am Samstag. „Glauben gibt es nicht als ungedeckten Scheck, sondern er muss in kleinen Münzen abgegolten werden“, so der Salzburger Erzbischof, der mit Kardinal Schönborn als Schirmherr der Gebetsgemeinschaft fungiert. Der „Großglaube an die Auferstehung am Ende der Zeiten“ brauche die alltäglichen kleinen Schritte des Glaubens und die Bereitschaft zum Opfer und zur Hingabe. Vorbild im Glauben und im Beten sei Maria, hielt der Erzbischof fest. Zu diesem Glaube gehöre auch, dass nicht immer alles verstanden werde. Die heute gängige Haltung, wonach nur das geglaubt werde, was verstanden werde, sei letztlich eine Form von Gnosis und somit eine Irrlehre, so Lackner. Vielmehr brauche es im Glauben „eine betrachtende und auf Gott hinhörende Haltung“. Diese Demut könne man von der Mutter des Herrn lernen.

Maria Vorbild für ein neues Frauenbild in der Kirche

„Mutig und demütig zugleich war Maria“, betonte in seinem Zeugnis der katholische Publizist Heinz Nußbaumer. Er hoffe, dass Maria „auch als Anspornerin für ein neues Frauenbild in unserer Kirche“ angerufen werde. Zu Beginn der Feier verlas der geistliche Leiter der Gebetsgemeinschaft „Rosenkranz-Sühnekreuzzug“ (RSK), Pater Benno Mikocki, ein Grußwort von Papst Franziskus an die Gläubigen. Darin rief der Papst die Gläubigen auf, „mit den geistlichen Waffen des Gebets und der Sühne“ zu kämpfen. Seit 1958 wird die Maria-Namen-Feier in Wien abgehalten, organisiert vom RSK, der 1947 vom Franziskanerpater Petrus Pavlicek (1902-1982) gegründet wurde.

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DT/KAP/sb