Erzdiözese weist Kritik zurück

Freiburger Bistumssprecher: Vertuschungsvorwürfe gegen Zollitsch „weder neu noch gerechtfertigt“

Bonn (DT/KNA) Das Erzbistum Freiburg weist erneute Vertuschungsvorwürfe von „Report Mainz“ gegen Erzbischof Robert Zollitsch entschieden zurück. „Diese Vorwürfe sind weder neu noch gerechtfertigt“, erklärte der Sprecher des Erzbistums, Robert Eberle, am Sonntag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es geht dabei um Missbrauchsfälle im Schwarzwalddorf Oberharmersbach aus der Zeit, als Zollitsch Personalreferent im Erzbistum war.

Wie der SWR am Sonntag vorab mitteilte, will das ARD-Politikmagazin am Montagabend unter anderem zwei von Zollitsch unterschriebene Briefe präsentieren, die belegen sollen, dass er nicht genügend dazu beigetragen habe, die Fälle konsequent aufzuklären und die betroffenen Gemeinden entsprechend zu informieren. Zollitsch habe sich bereits mehrfach zu diesem Fall geäußert und immer wieder deutlich gemacht, „dass es den damals Verantwortlichen nicht darum ging, etwas zu vertuschen“, unterstrich sein Sprecher Eberle. Diese hätten versucht, den Schaden zu begrenzen und sexuellen Missbrauch zu verhindern. Deshalb habe Zollitsch Opfer und ihre Angehörigen – auch in einem persönlichen Gespräch – um Verzeihung gebeten. Zudem habe der Erzbischof ebenfalls mehrfach öffentlich bedauert, dass die Verantwortlichen im Ordinariat Freiburg damals nicht konsequenter vorgegangen sind.

Eberle verwies dabei auch auf ein am Sonntag erschienenes Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Das Erzbistum, das 1992 erste konkrete Hinweise bekommen habe, hätte damals konsequenter vorgehen und mit größerem Nachdruck nach weiteren Opfern suchen müssen, hatte der Erzbischof darin erklärt: „Heute wissen wir es besser. Wir haben dazugelernt“, so Zollitsch wörtlich.

Der beschuldigte Pfarrer wirkte von 1968 bis 1991 im gut 70 Kilometer von Freiburg entfernten Schwarzwalddorf Oberharmersbach und missbrauchte in der Zeit zahlreiche Kinder. Nach ersten Gerüchten darüber wurde der Pfarrer, der auch an schweren gesundheitlichen Problemen litt, 1991 vorzeitig in den Ruhestand versetzt. 1995 nahm er sich das Leben. Zuvor war er nach einem Schreiben einer Opfer-Hilfsorganisation erneut mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Das Erzbistum hatte ihm damals auch signalisiert, dass es die Tätigkeit der Staatsanwaltschaft unterstützen würde. „Die Missbrauchsfälle von Oberharmersbach liegen mir bis heute schwer auf der Seele“, erklärte Zollitsch, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Wie tief die Wunden seien, die der Pfarrer den Opfern und ihren Familien vor Jahrzehnten zugefügt habe, sei ihm kürzlich bei einem Gespräch mit Betroffenen noch einmal sehr deutlich geworden. „Unsere damals getroffenen Entscheidungen sehe ich sehr selbstkritisch“, unterstrich der Erzbischof. Dazu gehöre auch, die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet zu haben. Er habe deshalb die Opfer und ihre Angehörigen inzwischen mehrfach um Verzeihung gebeten.

Das Erzbistum habe damals den Pfarrer, der sich bis zu seinem Suizid in therapeutischer Behandlung befunden habe, mit einer Anzeige nicht in den Tod treiben wollen. Zudem habe man nicht gewollt, damit Unruhe in die Gemeinde - „bis hin zur Entzweiung von Familien“ zu tragen. „Wir gingen damals von – nach heutiger Sicht – falschen Überlegungen aus.“ Nach dem Tod des Pfarrers habe das Erzbistum alle Opfer und Angehörigen aufgerufen, sich zu melden und ihnen Hilfe und therapeutische Unterstützung angeboten. Damals hätten sich 17 Opfer gemeldet, inzwischen seien fünf weitere bekannt. Die tatsächliche Zahl liege aber sicher höher, so Zollitsch.