Erzdiözese Wien im Reformprozess

Kardinal Schönborn hebt „Kultur der Freiheit“ hervor

Wien (DT/KAP) Die Erzdiözese Wien nimmt den nächsten Schritt auf ihrem Reformweg. So wurde das Dekanat Wien-Favoriten von Kardinal Christoph Schönborn in einem Pilotprojekt beauftragt, im Laufe des Jahres einen Neuordnungsprozess in Form einer Reorganisation von Pfarren und Gemeinden zu entwickeln. Die Strukturreformen sollten unter der Vorgabe eines missionarischen Aufbruchs und neuer pastoraler Initiativen stehen, erläuterte Schönborn das Ziel des Projekts am Montag in Wien. Bis Sommer soll ein Zwischenbericht vorgelegt werden, bis 1. September 2013 sollen die neuen Strukturen umgesetzt werden. Die Zeit, in der die Kirche die alles bestimmende gesellschaftliche Realität war, sei vorbei. Man lebe „in einer Kultur der Freiheit, und das ist sehr gut“, so der Wiener Erzbischof.

Zugleich müsse man auf die „veränderte Kirchengestalt“ angemessen reagieren. In Wien-Favoriten lebten 177 000 Menschen, von denen nur mehr ein Drittel katholisch sei und kaum mehr als ein Prozent der Bevölkerung beziehungsweise drei Prozent der Katholiken besuchten Sonntags den Gottesdienst. Neben einer Verschlankung der pfarrlichen Strukturen sollen kleinere christliche Gemeinschaften gefördert oder neu aufgebaut werden. Zu den Rahmenvorgaben gehört, dass eine Pfarrei künftig mindestens über 4 000 Katholiken verfügen müsse, fünf Prozent des Pfarrbudgets für neue Initiativen und Projekte gewidmet sein müssen, die Kosten für den Pfarrhof und das Pfarrheim nicht mehr als 20 Prozent der erwirtschafteten Einnahmen ausmachen dürfen und die Instandhaltungskosten der Sakralbauten ohne diözesane Zuschüsse auskommen können müssen.

Nicht ausgeschlossen wird laut Rahmenplan auch eine alternative Nutzung von nicht erhaltbaren Kirchen. Dabei gebe es laut Kardinal Schönborn „nicht nur Ab- sondern auch zahlreiche Aufbrüche“ in der Diözese.