Erzbischof Koch: Uneinigkeit bei "Ehe für alle" belastet Ökumene

Der ökumenische Dissens im Gedenkjahr der Reformation habe der Wahrnehmung des kirchlichen Einheitsanliegens in der Öffentlichkeit geschadet, meint der Berliner Erzbischof in einem Gastbeitrag für die Herder-Korrespondenz.

Ehe für alle
Erzbischof Koch wendet sich gegen die Auffassung, dass ein engagiertes Eintreten für die "Ehe für alle" zeige, wie sehr die Ehe wieder wertgeschätzt werde. Foto: Sven Hoppe (dpa)

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sieht in der unterschiedlichen kirchlichen Bewertung der "Ehe für alle" eine Belastung der Ökumene. Die "alternative Positionierung großer Teile der evangelischen Kirche" habe es schwerer gemacht, den katholischen Standpunkt zu vertreten, schreibt der Familienbischof in einem Gastbeitrag für die Monatszeitschrift "Herder Korrespondenz" (April). Vertreter der orthodoxen Kirche hätten dagegen das katholische Eheverständnis öffentlich geteilt.

"Auf jeden Fall hat dieser ökumenische Dissens im Gedenkjahr der Reformation der Wahrnehmung des kirchlichen Einheitsanliegens in der Öffentlichkeit geschadet", so Koch, der die Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz leitet. Er habe zwar viele Schreiben evangelischer Christen "nicht nur aus der evangelikalen Gemeinschaft" erhalten, die ihre Verbundenheit mit der katholischen Überzeugung zum Ausdruck gebracht hätten. Es zeige sich aber, "dass es in einigen bedeutenden ethischen Fragen klare Unterschiede in der Ökumene gibt, die auch in der Öffentlichkeit deutlich zu vertreten sind". Es wäre gut, wenn dies "verständnisvoll und begründet dargelegt" würde.

Koch wendet sich gegen die Auffassung, dass ein engagiertes Eintreten für die "Ehe für alle" zeige, wie sehr die Ehe wieder wertgeschätzt werde. Diese Meinung könne er aus seinen Erfahrungen nicht teilen. Es sei sehr bemerkenswert, "wie viele, die vor Kurzem noch die Ehe als patriarchale und lebensfeindliche Institution mit aller Kraft ablehnten, nun zu kämpferischen Verfechtern der Ehe wurden". Der Erzbischof äußerte den Verdacht, es gehe vor allem um eine ablehnende Haltung gegenüber den gesellschaftlichen Kräften, die sich für die Vorrangstellung der Ehe einsetzen. Auch bekundeten viele der "Positionswechsler", dass für sie persönlich der Schritt in die Ehe keine ernsthafte Lebensalternative sei. Ihnen gehe es um den Abbau von Diskriminierung homosexueller Menschen und um die Auflösung fester Geschlechterrollen.

Der Familienbischof betont dagegen, in katholischer Sicht sei die Ehe als Sakrament "die dauerhafte und ganzheitliche Verbindung eines Mannes und einer Frau". Zwar sei es "zu achten und in seiner Eigenheit auch wertzuschätzen", wenn eine Ehe nur als relativ verbindlicher Vertrag zwischen zwei sich Liebenden gesehen wird, für den der Segen Gottes erbeten wird". Es sei aber ein begrenztere Wirklichkeit, als die Kirche sie im Sakrament der Ehe zwischen Mann und Frau bezeuge.

DT/KAP/KNA