„Ernste Mängel“

Vatikan sieht theologische Defizite bei Amerikas Frauenorden

Washington (DT/KNA) Eine vom Vatikan angeordnete Überprüfung von US-amerikanischen Frauenorden hat „ernsthafte theologische Mängel“ ergeben. Wie die katholische amerikanische Nachrichtenagentur CNS meldet, kündigt Rom in dem am Mittwoch bekannt gewordenen Untersuchungsbericht unter anderem eine weitreichende Reform des Dachverbandes LCWR an, dem mehr als achtzig Prozent der Frauenorden und -kongregationen in den Vereinigten Staaten angehörten. Die festgestellten lehrmäßigen Mängel beträfen Themenbereiche wie Abtreibung und Lebensschutz, Sterbehilfe, Frauenweihe, radikalen Feminismus oder Homosexualität.

Viele Aussagen von Ordensmitgliedern offenbarten „weitreichende Abweichungen von der katholischen Lehre“, zitiert die Tageszeitung „Washington Post“ aus dem acht Seiten umfassenden Bericht. Mit der Aufsicht über die Reformen wurden laut CNS vier Diözesanbischöfe unter der Leitung von Erzbischof Peter Sartain von Seattle beauftragt. In den Vereinigten Staaten gibt es derzeit rund 57 000 Ordensfrauen.

Zugleich lobt das Dokument der Bischofskongregation CNS zufolge zahlreiche große und wertvolle Beiträge der Frauenorden zum Leben der Kirche in den USA. Namentlich genannt werden katholische Schulen, Krankenhäuser sowie der Dienst an Armen und an den Rand Gedrängten.

Die sogenannte Apostolische Visitation der Frauenorden war im Dezember 2008 von der vatikanischen Ordenskongregation angeordnet worden. Bekannt wurde sie jedoch erst durch Presseberichte im Sommer 2009. Darin wurden der erhebliche Rückgang der Zahl von Ordensschwestern sowie eine mitunter laxe Handhabung der Ordensregeln als Gründe für die Überprüfung durch den Vatikan genannt. Im Januar war die Untersuchung von annähernd 400 Ordensgemeinschaften abgeschlossen und der Bericht an die Ordenskongregation übermittelt worden. Dieser umfassende Abschlussbericht wurde bislang nicht veröffentlicht.