Erfrischendes Zeugnis

Georg Dietlein lenkt in „Freut Euch!“ den Blick auf das Wesentliche. Von Klaus-Peter Vosen

Konzentration auf das Wesentliche ist eine gute Erfahrung der Weltjugendtage. Die Aufnahme entstand vor wenigen Tagen in Rio de Janeiro bei einem Vorbereitungstreffen auf den Papstbesuch. Foto: dpa
Konzentration auf das Wesentliche ist eine gute Erfahrung der Weltjugendtage. Die Aufnahme entstand vor wenigen Tagen in... Foto: dpa

Georg Dietlein ist den Lesern der „Tagespost“ bekannt als eine der „Jungen Federn“, die durch ihre erfrischenden Beiträge zu Glaube und kirchlichem Leben von vielen Lesern besonders geschätzt werden. Dietlein ist darüber hinaus auch biografisch in interessanter junger Mann: Mit 13 Jahren hat er neben der Schule ein Studium der katholischen Theologie begonnen, mit 17 sich der Jurisprudenz verschrieben und im Alter von nur etwas über 20 Jahren das Betriebswirtschaftsstudium bereits abgeschlossen. In demselben Jahr nun legt Dietlein in seinem bemerkenswerten Buch „Freut Euch!“ ein lesenswertes „Glaubensbekenntnis eines jungen Christen“ vor, das viele Eltern und Großeltern gerne den Angehörigen der heranwachsenden Generation schenken werden, das katechetische Grundlage des Firmunterrichts sein kann, und das Potenzial besitzt, jungen Menschen „Lebenswichtiges“, gute, prägende Grundlagen für ihr Leben zu vermitteln.

Dietleins Werk, das Grundelemente des Glaubens der Kirche behandelt, und aufweisen möchte, wie sie existenziell nachvollzogen werden können, zeichnet sich durch ein Mehrfaches aus: Zunächst stellt es eine Absage an seichte Kirchenkritik und überhaupt an eine sauertöpfische Haltung dem Glauben gegenüber dar. Der Autor möchte aufscheinen lassen, dass Glaube froh macht, wenn es nur gelingt, den katholischen Blick auf seinen Kern und sein Ganzes zu entwickeln. Er selbst hat sich nicht mit peripheren, scheinbaren Problemen aufgehalten, sondern ist gleichsam aufs Ganze gegangen: „Ich stellte mir die existenziellen Fragen meines Daseins: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Welche Rolle spielt ,Gott‘ in meinem Leben? Wie soll ich Gott ,begreifen‘? Wenn Gott die Liebe ist, wie kann Gott das viele Leid in der Welt zulassen? Welche Rolle spielten eigentlich Jesus Christus und die Kirche? Welche Rolle spiele ich in der Kirche?“

Sein Suchen blieb nicht unbeantwortet. Vom Erlebnis der Zentralität von Tod und Auferstehung Jesu Christi her kann er zeugnishaft sagen: „Die Botschaft des Christentums ist eine gute, eine schöne, eine froh- und freimachende Botschaft. Sie hat ihren alten Glanz nicht verloren.“ Diese Sichtweise macht aus Dietleins Buch ein wertvolles Opus. Positive, leuchtende Begeisterung für den Herrn, fraglose Kirchlichkeit unterscheiden das Büchlein wohltuend von einem gewissen theologischen Mainstream.

Ein weiteres unbestreitbares Positivum besteht in der einprägsamen Sprachlichkeit Dietleins: Die Sätze hält er kurz, ebenso verzichtet er auf unnütze Fremdwörter, was beides der Gemeinverständlichkeit entscheidend zugute kommt. So ist Georg Dietleins Buch rundum erfreulich. Mit welch kristallener Klarheit er die Dinge ansieht, zeigt sich in Sätzen wie dem folgenden: „Kirche lebt von oben, vom Heiligen Geist, von Gott selbst. Sie ist nicht das Produkt unserer eigenen Auf- und Umbrüche, sondern sie ist der Tempel des Heiligen Geistes, den der Geist eint.“ Das Herz geht einem förmlich auf, wenn man so etwas wieder liest, mitten in dem „emanzipatorisch“ gestimmten kirchlichen Binnenklima der Länder der westlichen Zivilisation! An begrüßenswerter Deutlichkeit lässt Dietlein auch nichts zu wünschen übrig, wenn er schreibt: „Die Kirche muss sich mehr an Christus anpassen, als sich an die Welt anzupassen. Es ist daher richtig und wichtig, dass die Kirche nicht immer mit dem Strom schwimmt. Sie muss auch gegen ihn schwimmen können. Sie hat eine ewige Botschaft, die viel größer ist als sie. Sie hat eine Botschaft, die uns vor 2000 Jahren als Wahrheit aufgegangen ist – und sich nicht verändern wird.“ Man kann den Verfasser zu seinem Werk insgesamt nur beglückwünschen.

Einige kleinere Dinge wären bei einer Neuauflage durchaus zu verbessern. Hauptsächlich betreffen sie terminologische Dinge: Auf Seite 119 ist mit „Täufer“ offenbar der Taufpriester gemeint, dieser Terminus wäre vorzuziehen. Der Begriff eines „beweihräucherten“ Hochamtes (S. 135) ist gegen einen adäquaten auszutauschen. Bedauerlicher sind gewisse Wendungen, die zu inhaltlichen Missverständnissen führen können, wie: „Christus lebt vom Werk seiner Diener“. Natürlich wirkt der Herr durch uns, seine Jünger, er will unsere Mitarbeit, aber er kann – und tut es Gott sei Dank auch oft genug! – ohne unser Zutun tätig werden!

Insgesamt wünscht man dem Buch durchschlagenden Erfolg. Langweilige Predigtbände, die inhaltlich in Ordnung sein mögen, aber dennoch keinen vom Stuhl reißen, haben wir genug.

Georg Dietlein: Freut Euch! Glaubensbekenntnis eines jungen Christen.

MM Verlag, Aachen 2013, 232 Seiten,

ISBN: 978-3-942698-15-3, EUR 14,80