„Er ist ein Zeuge des lebendigen Glaubens“

„Jesus im Stadion“: Die Diözese Warschau-Praga will mit einer Heilungs- und Segnungsveranstaltung die Menschen für den Glauben begeistern Von Stefan Meetschen

Warschau (DT) Dass katholische Priester während der heiligen Messe für die Kranken beten und sich dabei körperliche und seelische Heilungen ereignen, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Der frühere amerikanische Dominikaner Francis MacNutt praktizierte einen solchen weltweiten Heilungsdienst bereits in den 1970er Jahren im Rahmen der charismatischen Erneuerung, der kanadische Priester und Herz-Jesu-Missionar Emiliano Tardif sorgte mit der Gabe der Heilung und Worten der Erkenntnis in den 1980er und 1990er Jahren für Aufsehen.

Dennoch schaut man in Polen jetzt mit großer Spannung auf ein geistliches Ereignis, das am 6. Juli im Warschauer Nationalstadion stattfinden wird. Unter dem Motto „Jezus na stadionie“ (Jesus im Stadion) wird der ugandische Heilungspater John Baptist Bashobora einen Tag lang Exerzitien geben. Beginnend mit Lobpreis, morgendlichen und mittäglichen Impulsen, einer nachmittäglichen Eucharistiefeier zusammen mit Weihbischof Marek Solarczyk, die schließlich in einer abendlichen eucharistischen Anbetung mit Heilungsgebeten gipfelt.

Wobei Bashobora, der in Rom promoviert und neben Theologie auch Psychologie studiert hat, im Vorfeld der Veranstaltung selbst betont, dass die Gläubigen nicht ihn suchen sollen, sondern Jesus, der die göttliche Person sei, die hinter jedem Heilungswunder stehe. Eine Orientierungshilfe, die auch Weihbischof Solarczyk, der neben Erzbischof Henryk Hoser von der Diözese Warschau-Praga als Gastgeber und Veranstalter fungiert, unterstreicht: „Ich empfehle, Pater Bashobora nicht als einen Star zu betrachten. Er ist ein Zeuge des lebendigen Glaubens. Eine Person wie er kann dazu beitragen, dass unser Glaube erfrischt wird.“

60 000 Plätze fasst das Stadion. Bis jetzt gibt es bereits 44 550 Registrierungen auf der extra eingerichteten Homepage www.jezusnastadionie.pl. Aus ganzen Polen werden individuelle Gläubige und Besuchergruppen anreisen. Wobei der Eintritt pro Person 40 Zloty, also umgerechnet zehn Euro beträgt. Ein extrem günstiges Angebot, verglichen mit den Eintrittspreisen für die üblichen Veranstaltungen im Stadion wie Sport-Events oder Rock- und Pop-Konzerte.

Was die säkulare Presse jedoch nicht davon abhält, schon jetzt erste Giftpfeile in die kirchliche Richtung zu zielen. So schreibt die „Gazeta Wyborcza“, dass ein „unkonventioneller Priester“ das Nationalstadion für einen Tag in ein „Sanktuarium“ verwandle, was für das Stadion eine ganz neue Herausforderung sei. Wobei man mit deutlichem Missfallen zur Kenntnis nimmt, dass Bashobora gelegentlich auch für Homosexuelle bete und die Dimension des Teufels ins Spiel bringe. Ein Wirklichkeitsverständnis, dass den liberalen Redakteuren verdächtig ist und eine Erklärung, wieso „gerade Ultra-Katholiken“ von ihm fasziniert seien. Was den Kommentator der katholischen Website „Wiara“ zu der zynischen Entgegnung veranlasste: „Die Mainstream-Medien versuchen, dieses Fest des Glaubens als ein Treffen von Verzweifelten mit einem Scharlatan darzustellen.“

Wie zum Beispiel auch die Schriftstellerin und Publizistin Krystyna Kofta, die Erzbischof Hoser vorwirft, mit der Not von Verzweifelten Geld zu machen. „Ich spüre, dass von dieser Heilung sehr viel Geld ausgeht.“ Ein beschämender Vorwurf, der angesichts der Höhe der Eintrittspreise bei Madonna (240 bis 1 200 Zloty) geradezu lächerlich wirkt. Vor allem, da das Madonna-Konzert wegen fehlender Zuschauer ausgerechnet mit finanziellen Mitteln des Ministeriums für Sport und Tourismus bezuschusst werden musste, was der zuständigen Ministerin Joanna Mucha mit berechtigter Kritik einbrachte.

So kann man sich freuen, dass die Kirche in Polen (ähnlich wie die Kirche in Deutschland mit dem Eucharistischen Kongress) offenbar den Mut gefunden hat, offensiv in den öffentlichen Raum zu gehen, um ihre spirituellen Angebote zu präsentieren. Auch in Abgrenzung zu den vielen Esoterik-Events, die mittlerweile in der Heimat von Johannes Paul II. stattfinden. Der selige Papst übrigens hat das Nationalstadion niemals betreten. Als der Bau passend zur Fußball-Europameisterschaft 2012 fertig wurde, lebte er schon nicht mehr. Dennoch erinnern sich viele Polen noch an seinen Besuch 1983 in Warschau. Es war die Zeit des Kriegsrechtes, und er zelebrierte die Heilige Messe genau an der Stelle, wo das weiß-rote Nationalstadion heute steht. Sehr wahrscheinlich wird demnach auch für ihn noch etwas Platz im Stadion sein.