„Enthusiasmus des Glaubens“

Krakauer Kardinal hofft auf Impulse durch Weltjugendtag – Dziwisz und Marx laden Jugend ein

Papst Franziskus erinnerte an das Beispiel Mutter Teresas. Foto: dpa
Papst Franziskus erinnerte an das Beispiel Mutter Teresas. Foto: dpa

Freising (DT/KNA) Der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz verspricht sich vom Weltjugendtag 2016 neue Impulse für den christlichen Glauben. Das Treffen in der südpolnischen Stadt solle dazu dienen, „andere Ausdrucksweisen zu suchen, in denen sich die jungen Leute zu Hause fühlen“, sagte er am Freitag in Freising zum Abschluss des 19. Internationalen Kongresses des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis. Der Weltjugendtag findet Ende Juli kommenden Jahres statt. Bisher liegen bereits 220 000 Anmeldungen vor. Zum Abschlussgottesdienst mit Papst Franziskus rechnen die Organisatoren mit bis zu 2, 5 Millionen Teilnehmern. „Wir möchten mit der Jugend unseren Glauben teilen und sehnen uns zugleich danach, uns bereichern zu lassen vom Enthusiasmus des Glaubens einer jungen Generation von Christen aus der ganzen Welt“, sagte Dziwisz.

Mit Blick auf die jungen Leute in Polen sprach der Erzbischof von einer sich verändernden Religiosität. Zwar bezeichneten sich noch immer 71 Prozent von ihnen als gläubig, doch gebe es eine Tendenz, das „Religiosität aufhöre, für die Jugend ein offensichtlicher und selbstverständlicher Wert“ zu sein. Doch wenn die jungen Leute bestimmte Ausdrucks- und Lebensformen der Kirche zurückwiesen, lehnten sie damit noch keineswegs das Evangelium ab. Beim Renovabis-Kongress befassten sich Fachleute aus zahlreichen Ländern seit Mittwoch schwerpunktmäßig mit den Jugendlichen im Osten Europas sowie mit ihren Lebens- und Glaubensperspektiven. Zum Abschluss hieß es, die Gesellschaften und Kirchen in den Ländern sollten mehr Raum für junge Leute schaffen. Teilhabe sei eine unabdingbare Voraussetzung, um die Zukunft mitgestalten zu können. „Um selber zu begeistern, müssen junge Leute inspiriert werden und sich inspirieren lassen“, sagte Corinna Liersch von der Generaldirektion Erziehung, Kultur, Jugend und Politik bei der EU-Kommission. Seitens der Kirchen in Ost und West wurde den Angaben zufolge betont, dass ein authentisches Glaubenszeugnis notwendig sei.

Dziwisz und der Münchner Kardinal Reinhard Marx luden zum Weltjugendtag (WJT) 2016 nach Krakau ein. Bei einem gemeinsamen Jugendgottesdienst am Samstagabend in der Münchner Heilig-Geist-Kirche erinnerte Marx in seiner Predigt daran, dass die Barmherzigkeit Gottes nicht anspruchslos sei. Damit bezog sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz auf das WJT-Motto „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“, und auf das kommende Heilige Jahr, das ebenfalls der Barmherzigkeit gewidmet ist. Barmherzigkeit sei „das große Leitwort der Heiligen Schrift“, erklärte der Kardinal. Dabei gehe es aber nicht darum, „das, was nicht richtig ist, zu übersehen, die Wunden der Welt nicht wahrzunehmen, sondern sie zu heilen.“ Die Barmherzigkeit lasse den, der sie empfange, nicht unberührt, vielmehr werde sein Leben verändert. Barmherzigkeit setze einen neuen Anfang, einen neuen Impuls. Gott wolle damit den Menschen „nicht überfordern, aber anspruchsvoll begegnen“, so Marx.

Zuvor hatten Marx und Dziwisz mit Jugendlichen aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Deutschland diskutiert. Im Mittelpunkt stand die Bedeutung des heiligen Papstes Johannes Paul II. (1920–2005). Der Münchner Kardinal würdigte ihn als „eine großartige und faszinierende Gestalt“. So habe Johannes Paul II. als erster Papst eine Synagoge betreten, zum Weltgebetstreffen für den Frieden nach Assisi eingeladen, Evangelisierung einerseits und den Dialog mit Menschen anderer Meinung andererseits nicht als Widerspruch betrachtet. Zudem habe er vor dem Krieg im Irak gewarnt, „der große Probleme bis heute“ bringe. Ein „großes Geschenk“ seines Pontifikats stellten auch die Weltjugendtage dar.