Einsiedler und Pilger

Zum Gedenktag des heiligen Jodokus am 13. Dezember. Von Katrin Krips-Schmidt

„Wem Santiago zu weit ist, der geht nach Saint Josse“, so lautete im Mittelalter ein Pilgerspruch. Mit Saint Josse ist der Pilgerort Saint-Josse-sur-Mer gemeint, südlich von Calais am Ärmelkanal gelegen, wo der heilige Jodokus in einer Klause seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Der Name Jodokus stammt aus dem Keltischen und bedeutet „der Kämpfer“ – Jobst und Jost sind abgeleitete Formen. Er war nach dem heiligen Jakobus der populärste Pilgerpatron Europas.

Jodokus kam um 600 in einer herzoglichen Familie in der Bretagne auf die Welt. Um 640 verzichtete er auf seine weltliche Regentschaft und schloss sich einem Pilgerzug nach Rom an, um sich ganz dem religiösen Leben zu widmen. Nach Empfang der Priesterweihe diente er zunächst Haymon, dem Herzog von Ponthieu, als Hofkaplan, bis ihn nach sieben Jahren sein Weg in die Einsamkeit der Einsiedelei führte. Haymon war ihm ein lebenslanger Wohltäter, er half ihm immer wieder bei der Errichtung einer neuen Klosterzelle. Die erste von ihm gegründete Klause ist die Einsiedelei Runiac in der Picardie, aus der später die Benediktinerabtei Saint-Josse-sur-Mer entstehen wird. Die Legende berichtet beispielsweise davon, wie Fische und Vögel, die der Heilige fütterte, zahm wurden.

Auf einer Wallfahrt, die Jodokus um 665 nach Rom unternahm, führte er – auch dies ist legendenhaft überliefert – Gespräche mit dem heiligen Martin. Nach seiner Rückkehr aus der Ewigen Stadt, reichlich beladen mit Reliquien, starb er 669 in seiner Eremitage in Nordfrankreich.

Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts sind Darstellungen von Jodokus bekannt. Als Attribute sind dem Heiligen Rock, Pelerine mit breiten Schultern, eine Pilgertasche und Stab beigegeben, was ihn als Pilger ausweist.

Lebendig sind auch heute noch die Wallfahrt nach St. Jost bei Langenfeld in der Eifel, sowie eine Reiterprozession, der sogenannte St. Jodok-Ritt, die zweitgrößte Pferdewallfahrt in Bayern, die jedes Jahr am vierten Sonntag im Juli im oberpfälzischen Tännesberg stattfindet. Reliquien des Heiligen finden sich heute unter anderem in der Sankt-Jodok-Kirche im bayerischen Landshut.

Jodokus wird als Patron der Pilger, der Schiffer, der Bäcker, Bauern, Winzer und der Blinden verehrt. Er wird bei Kinderwunsch, für eine gute Ernte, gegen Gewitter und Fieber um seine Fürsprache angerufen. Der Philologe Jost Trier (1894–1970) hat seinem Namenspatron seine Doktorarbeit gewidmet: „Der heilige Jodocus: Sein Leben und seine Verehrung, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Namengebung“, 2008 als Reprint erschienen.