Bonn/Würzburg

Einnahmen aus Kirchensteuer auf Rekordhöhe

Katholische und Evangelische Kirche verlieren immer dramatischer an Mitgliedern. Zugleich sind die Statistiken bei einem Punkt weiterhin im grünen Bereich: beim Geld.

Kreuz aus Geldmünzen
Ein Kreuz aus Geldmünzen. Foto: KNA

Katholische Bistümer und Evangelische Landeskirchen haben 2018 so viel Kirchensteuer erhalten wie nie. Mit insgesamt rund 12,4 Milliarden Euro erreichten die Einnahmen im zurückliegenden Jahr ein Rekordhoch. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Anstieg um etwa 300 Millionen Euro oder 2,7 Prozent. Der größere Teil der Steuereinnahmen von 6,643 Milliarden entfiel dabei auf die katholische Kirche, auf evangelischer Seite kamen 5,790 Milliarden Euro an. Die katholischen Bistümer konnten mit einer Steigerung der Einnahmen um rund 3,3 Prozent auch größere Zugewinne verbuchen als die evangelischen Landeskirchen (2,1 Prozent).

Steigende Löhne kommen Kirchen zugute

Hervor geht dies aus einer aktuellen Broschüre, die die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag veröffentlichte; die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte ihre Zahlen bereits Mitte Juli vorgestellt. Als Hauptgrund für den Anstieg gilt die allgemeine Entwicklung der Löhne und Einkommen in Deutschland und der damit verbundene Anstieg der Lohn- und Einkommensteuer.

Ein großer Teil der etwa 45 Millionen registrierten Christen in Deutschland ist Kirchensteuerpflichtig. Deren Höhe orientiert sich am Lohn oder Einkommen des Mitglieds und beläuft sich je nach Bundesland auf acht oder neun Prozent der gezahlten Lohn- oder Einkommensteuer.

Kritik an der Kirchensteuer auch aus bischöflichem Mund

Gegen dieses System der Kirchenfinanzierung gibt es seit langem deutliche Kritik. So hatte im Januar der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke eine Debatte über die Zukunft der Kirchensteuer angeregt. Zwar ermöglichten die Mittel der Kirche, ihren zahlreichen sozialen und gesellschaftlichen Pflichten nachzukommen und damit Verantwortung zu übernehmen. Zugleich müsse man sich Fragen, "ob die derzeitige Gestalt der Kirchensteuer nicht ein enges Junktim von Gnade und Geld" bedeute, so Hanke im Januar.

Von staatlicher Seie wird die Kirchensteuer nicht infrage getellt. Indirekt profitieren auch öffentliche Kassen von den steigenden Einnahmen. So wird die Kirchensteuer über das staatliche Finanzamt eingezogen und anschließend an die kirchlichen Körperschaften weitergegeben. Der Staat behält dafür eine sogenannte Hebegebühr von etwa drei Prozent des gesamten Steuereinkommens ein. Bezogen auf die gemeldeten Nettoeinnahmen entspricht das gut 300 Millionen Euro im zurückliegenden Jahr.

Prognosen verweisen auf realen Wertverlust

Während die Einnahmen aus der Kirchensteuer seit Jahren steigen, prognostizierte eine im Mai veröffentlichte Studie der Universität eine Halbierung der realen Mittel bis 2060. Nach den Annahmen der Forscher könnten bis dahin nur noch gut halb so viele Menschen wie heute einer der beiden großen Kirchen angehören. Während zwar weiterhin eine nominelle Steigerung der Steuereinnahmen pro Kopf zu erwarten sei, dürfte das Geld mittelfristig an realer Kaufkraft verlieren. Bistümer und Landeskirchen könnten damit in absehbarer Zeit deutlich weniger Personal und Einrichtungen unterhalten wie heute.

DT/kma/KNA