Jerusalem

Eine dreifache Mission

Die Jerusalemer Grabeskirche zu erhalten erfordert religiösen, diplomatischen und politischen Einsatz. Hilfe kommt nun aus königlicher Hand.

Archaeology work at the tomb of Jesus Christ in the Church of the
Besuchermagnet für Anhänger verschiedener Religionen: Die Grabeskirche in Jerusalem. Foto: Atef Safadi (EPA)

Als am 22. März 2017 die zuvor zehn Monate andauernden Renovierungsarbeiten an der Heilig-Grab-Ädikula der Grabeskirche in Jerusalem mit einer ökumenischen Zeremonie abgeschlossen wurden, stand bereits fest: Ihre Fundamente erodieren aufgrund der Bodenfeuchtigkeit in der Basilika. Viereinhalb Millionen Euro hatte die Renovierung an dem in den Jahren 1809–1810 im Stil des türkischen Rokokos nach einem Großbrand wiederaufgebauten heiligsten Ort des Christentums gekostet. Doch schon bei den Renovierungsarbeiten wurde ersichtlich, dass die unter dem Steinboden liegenden Rohrsysteme aus der Zeit des osmanischen Reiches und des britischen Mandats ausgewechselt werden müssen, damit die Fundamente aufgrund der austretenden Feuchtigkeit nicht kollabieren.

Für diese anstehenden Arbeiten hatte der Vatikan bereits 2017 eine halbe Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Doch die Finanzierung der ersten grundlegenden Untersuchung, die die vorliegenden Schäden dokumentieren und die notwendigen Arbeiten determinieren soll, und auf deren Grundlage die entstehenden Kosten berechnet werden können, war zwischen den drei die Hauptverwaltung der Grabeskirche innehabenden Gruppierungen umstritten. Die Kosten für die gesamte zweite Phase der Renovierungsarbeiten werden momentan auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in Euro geschätzt.

Aufwind für die Ökumene in Jerusalem: Der Kustos der Franziskaner, der griechisch-orthodoxe und der armenische Patriarch... Foto: Nadim Asfour/ Custodie de Terre Sainte

Gleiche Kosten für gleiche Rechte

Ohne Zweifel hätten sowohl die griechisch–orthodoxe als auch die armenisch–apostolische Kirche so wie die Kustodie des Heiligen Landes der Franziskaner durch Spenden die nötigen finanziellen Mittel einwerben können. Die im sogenannten Status Quo von 1852 festgeschriebenen Besitzrechte und die Erfahrungen aus der Geschichte sorgten jedoch für Misstrauen, dass sich für diejenige Gruppierung, die einen Großteil der Kosten tragen würde, neue Ansprüche in der Grabeskirche ergeben könnten.

So wurde bereits bei den Renovierungsarbeiten an der Heilig-Grab-Ädikula darauf geachtet, dass die Kosten gleichmäßig verteilt wurden. Dass der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III., der franziskanische Kustos Francesco Patton und der armenische Patriarch Nourhan Manougian jedoch nun am 27. Mai eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen konnten, „ein Projekt zur Wiederherstellung und Instandsetzung der Fundamente des Heiligen Grabes und des Pflasters der Kirche des Heiligen Grabes zu initiieren“, ist nicht nur einer sich verbessernden ökumenischen Solidarität zu verdanken, sondern auch dem jordanischen König Abdullah II. bin al-Hussein.

Im November vergangenen Jahres wurde ihm der Templeton-Preis verliehen, der gemäß den Statuten an Personen verliehen wird, die „einen außergewöhnlichen Beitrag zur Stärkung der spirituellen Dimension des Lebens geleistet hat, sei es durch Einsicht, Entdeckung oder praktische Arbeiten“. Anfang Mai teilte er mit, dass er einen Teil der mit 1,25 Millionen Euro dotierten Auszeichnung für die Renovierung der Grabeskirche spenden werde. Wie nun bekannt wurde, spendet er somit 125 000 Euro aus seinem Privatbesitz. Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. betonte, dass diese Spende das „persönliche Engagement des Königs für die Sicherheit und Zukunft Jerusalems als Hüter islamischer und christlicher Heiligtümer in der Stadt“ widerspiegele. Zudem sicherte der jordanische König zu, dazu beizutragen, dass die Renovierungsarbeiten an der Grabeskirche abgeschlossen werden können.

Arbeiten sollen im September beginnen

Gegenüber dem Nachrichtenportal Al-Monitor erklärte der Pressesprecher des griechisch-orthodoxen Patriarchats Issa Muleh: „Die Entscheidung Seiner Majestät König Abdullah II. ist ein Traum, der wahr wird. Wir versuchen seit Jahrzehnten, einen Weg zu finden, um die Pattsituation zu überwinden, wer die große anstehende Restaurierung finanzieren würde.“ Zur weiteren Finanzierung der anstehenden Arbeiten wurde nun ein gemeinsames Konto der griechisch–orthodoxen und der armenisch-apostolischen Kirche sowie den Franziskanern im Heiligen Land eröffnet, um weitere Spenden gemeinsam zu sammeln. Die für die Renovierungen grundlegenden Voruntersuchungen sollen im September dieses Jahres beginnen, 12 Monate dauern und von italienischen Expertenteams durchgeführt werden. In dieser Phase und den folgenden Renovierungsarbeiten werde die Grabeskirche jedoch weiterhin frei zugänglich bleiben.

Als am 27. Mai der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III., der franziskanische Kustos Francesco Patton und der armenische Patriarch Nourhan Manougian am Sitz der Kustodie des Heiligen Landes, dem Salvatorkloster in der Altstadt Jerusalems, gemeinsam durch eine Unterschrift die nächsten Schritte der notwendigen Renovierungsarbeiten beschlossen, war dies ein besonderes geschichtliches Ereignis, wie der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. in seinen Worten feststellte: „Es liegt an uns [den Häuptern der Kirche in Jerusalem] den christlichen Charakter Jerusalems zu erhalten und zu bewahren. Eine Mission, die nicht nur religiös, sondern auch diplomatisch ist, und ich wage es zu sagen, auch politisch. Die Verwirklichung dieser Arbeit soll die Bemühungen der Kirchen im Laufe der Jahre vervollständigen, die Basilika wieder in ihren ursprünglichen Glanz zu versetzen.“