Ein menschenwürdiges Dasein zugestehen

Kardinal Sterzinsky übt scharfe Kritik an Neuberechnung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder

Berlin (DT/KNA) Die katholische Kirche hat scharfe Kritik an der Neuberechnung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder geübt. Es dürfe nicht von der Kassenlage abhängen, „ob wir Kindern und Jugendlichen ein menschenwürdiges Dasein mit Teilhabe an der Gemeinschaft zugestehen“, erklärte Kardinal Georg Sterzinsky am Freitag in Berlin.

Wer Kinderarmut bekämpfen wolle, komme an einer Erhöhung der Regelsätze und einer besseren Förderung von Familien nicht vorbei. Zugleich stellte die Kirche die Sinnhaftigkeit der sogenannten Bildungskarte in Frage. Das von der Regierung geplante Bildungspaket für Kinder aus Hartz-IV-Familien bedeute letztlich keine Besserstellung. Denn für diesen Zweck wolle die Regierung in etwa jenen Betrag aufwenden, der Familien ab 2011 durch die Anrechnung des Elterngeldes als Einkommen entzogen werde. Sterzinsky, „Familienbischof“ der Deutschen Bischofskonferenz, äußerte sich gemeinsam mit zahlreichen katholischen Verbänden. Dazu gehörten der Familienbund der Katholiken, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend, die Katholische Landvolkbewegung, die Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung und die Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen im Bund Neudeutschland. Nach dem am Montag vorgestellten Konzept steigen die Regelsätze für Kinder nicht. Im Februar hatte das Bundesverfassungsgericht eine eigene und transparente Erhebung der Sätze für Kinder gefordert.

Die offizielle Erhebung der Statistiker ergab, dass rein rechnerisch eine Senkung um einige Euro angezeigt gewesen wäre. Unter Verweis auf „Bestandsschutz“ sah von der Leyen davon ab. Die Feststellung der Bundesregierung, die jetzigen Regelsätze seien eigentlich zu hoch, führe zu einem „inakzeptablen Einfrieren“ der Kinderregelsätze in den kommenden Jahren, so Sterzinsky und die Verbände. Sie forderten eine Erhöhung der Regelsätze für Kinder und Jugendliche um 20 bis 40 Euro. „Die Solidarität in unserer Gesellschaft bemisst sich an unserer Haltung gegenüber den Schwächsten.“