Ein Lob der Kanzlerin zum Jubiläum

Pontifikalamt und Festakt zur 80-Jahr-Feier der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands

Mainz (DT) Die Bundesversammlung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) ist am Sonntag mit den Feierlichkeiten zum 80-jährigen Jubiläum im Mainzer Congress Centrum zu Ende gegangen. In den Tagen zuvor hatten 180 Delegierte eine neue Bundesvorsitzende – Maria Theresia Opladen – gewählt und ein neues Leitsatzprogramm verabschiedet. Eröffnet wurde die Feier mit einem Pontifikalamt in der bis auf den letzten Sitzplatz gefüllten Stiftskirche St. Stephan, den der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zelebrierte.

In seiner Predigt dankte Lehmann der bisherigen Bundesvorsitzenden Magdalena Bogner für die jederzeit loyale Haltung zu den Verantwortlichen in der Kirche und ihr zielstrebiges Eintreten für die Belange der Frau. Dieses habe – so Lehmann – die Sache der Frau auch in der Kirche weitergebracht. Auch bedankte er sich bei der kfd insgesamt, die es verstanden habe, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Frauen in Kirche und Gesellschaft zu vertreten, und Auseinandersetzungen angenommen habe. Dieses unersetzliche Wirken erkläre auch, weshalb gerade dieser Verband mit über 600 000 Mitgliedern der größte der katholischen Kirche sei.

Die Bischöfin für Hamburg in der Nordelbischen evangelisch-lutherischen Kirche Maria Jepsen warb in einem Schlussgebet für eine gemeinsame Zukunft.

Zum Festakt im Mainzer Congress Centrum waren neben ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer und Bischöfin Jepsen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie kfd-Mitglied Maria Böhmer (CDU) gekommen. In einem Rückblick zeichnete sie die Geschichte der im Jahr 1928 als Gebets- und Tatengemeinschaft gegründeten kfd nach. In ihren abschließenden Worten drückte sie ihren Wunsch aus, dass das neue Leitbild unter dem Motto „kfd – leidenschaftlich glauben und leben“ den weiteren Weg der kfd markieren solle.

Bischöfin Jepsen kritisierte in ihrer Rede die „dogmatisch beladenen Positionen“ der offiziellen Kirche und stellte die ihrer Ansicht nach geringen Unterschiede zwischen der kfd und der evangelischen Kirche als lediglich „kleine Rille“ dar. Ihre Appelle wurden mit lautstarkem Applaus unterbrochen.

Die Bundeskanzlerin gratulierte zum neuen Leitbild

ZdK-Präsident Meyer stellte fest, dass Frauen schon zur Jüngerschaft Jesu gehörten und als Vorbilder die Kirchengeschichte prägten, und beklagte die unzureichende Repräsentation der Frauen in der katholische Kirche: „Kein Argument gegen ein geistliches Amt für Frauen in der Kirche hat mich überzeugt“. Ein riesiger Wall von Emotion und Tradition verhindere dies, sodass dadurch der Kontakt zur Realität verloren gehe. Abschließend wünschte er der kfd, dem „starken Partner in Gesellschaft und Kirche“, Selbstvertrauen und Ausdauer.

Auch Bundeskanzlerin Merkel gratulierte zum Jubiläum und zum neuen Leitbild. Sie lobte in ihrer Rede, dass die kfd sich um Antworten bemühe, wie eine gerechte und wertgebundene Gesellschaft aussähe. Auch verwies sie auf die Schwierigkeit für die Frauen, berufliches und nichtberufliches Leben zusammenzuführen und appellierte für eine gerechte und nachhaltige Politik. Konkret benannte sie das Betreuungsgeld, ausreichend Krippenplätze und einen erleichterten Berufseinstieg. „Denn wenn wir Wahlfreiheit haben wollen, dann müssen wir alle Formen des Lebens in der Familie unterstützen“. Auf die Diskrepanz, dass in den kommenden fünf Jahren die Zahl der Krippenplätze verdreifacht, das Betreuungsgeld jedoch erst ab 2013 gezahlt werden soll, ging die Bundeskanzlerin jedoch nicht ein.

Merkel wies jegliche Kritik am Betreuungsgeld vehement zurück und wusste die Zuhörerinnen mit dem Ausspruch „wenn ich das Wort ,Herdprämie‘ höre, denke ich eher, man kann froh sein, wenn manche Frau heute mit dem Herd umzugehen weiß“ auf ihrer Seite. Mit den eindringlichen Abschlussworten „die Arbeit der kfd wird dringender denn je gebraucht“ drückte die Kanzlerin noch einmal ihre Wertschätzung und ihren Dank für den Verband aus. Persönlich bedankte sie sich auch noch einmal bei Frau Bogner, deren Diplomatie, Konfliktbereitschaft und Fingerspitzengefühl sie hervorhob. Mit tosendem Applaus dankten die Gäste der Kanzlerin.

Als neu gewählte Bundesvorsitzende stellte Frau Opladen das in den letzten Jahren ausgearbeitete Leitbild des Verbandes vor, das sich unter dem Motto „kfd – leidenschaftlich glauben und leben“ den Herausforderungen des modernen Kirchen- und Gesellschaftslebens stellen will. Zwei Jahre lang hatten die Delegierten von der Basis bis zur Bundesebene in Workshops die neuen Leitsätze ausgearbeitet und diskutiert. Ziel war es hierbei, den Verband für die Zukunft aufzustellen. Das Leitbild soll in zwei Richtungen weisen; zum einen soll es innerhalb des Verbandes Orientierung und Identifikation bieten, andererseits soll es zeigen, auf welchen Wegen sich der Verband in den Bereichen Kirche und Gesellschaft bewegen wird. Als Schwerpunkte werden der Einsatz für gerechte, gewaltfreie und nachhaltige Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Einen Welt sowie die gerechte Teilhabe von Frauen in der Kirche genannt. Besonders viel Wert wird gegenseitiger Unterstützung im Verband und dem Bewusstsein, eine starke Gemeinschaft zu sein, zugesprochen.

Die 60-jährige Anwältin Opladen sieht es als ihr persönliches Ziel an, auf allen Ebenen die Interessen des Verbandes zu bündeln, Ziele zu formulieren und in Kirche und Gesellschaft durchzusetzen. Als eine der wichtigsten Aufgaben nennt sie die Unterstützung von Frauen für Frauen: „Aufgabe eines Frauenverbandes sollte es sein, Frauen Mut zu machen, ihre Ziele erreichen zu können. Die kfd sollte Frauen dabei unterstützen, Leitungspositionen annehmen zu wollen und ihnen das entsprechende Handwerkszeug an die Hand zu geben“. Mit einem enthusiastischen, abschließenden „packen wir's gemeinsam an!“ sprach sie den 450 Gästen aus dem Herzen, die mit Applaus ihrer neuen Bundesvorsitzenden dankten.