Ein Leben als Katechese

Sechstes Jahrgedächtnis des Gründers von Kirche in Not Pater Werenfried van Straaten

Köln (DT) Was macht die anhaltende Faszination von Pater Werenfried van Straaten aus? Joachim Kardinal Meisner gab in seiner nunmehr sechsten Predigt in der Messe zum Todestag des Gründers des internationalen Hilfswerks „Kirche in Not“ gleich zu Beginn die Antwort: „Pater Werenfried ist nur zu verstehen und zu definieren als Mann des Glaubens, als eine Gestalt der Hoffnung und als Abenteurer der Liebe.“

Wieder waren an die siebenhundert zum Teil langjährige Spender in den Hohen Dom zu Köln gekommen und manch einer mag sich vorher gefragt haben, was der Kardinal diesmal über Pater Werenfried sagen würde. Nachher auf der Domplatte hörte der Kardinal dann Dankesworte und Sätze des Staunens wie: „Sie haben sich zum sechsten Mal selber getoppt.“ In der Tat, die Predigt war eine kurze, meisterhafte – manche sagten „meisnerhafte“ – Katechese über die drei theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe, durchdekliniert an der Gestalt des vor sechs Jahren im Alter von 91 Jahren gestorbenen „größten Bettler Gottes des 20. Jahrhunderts“. Kostproben zum Glauben: „Er rechnete in seinem Leben nicht nur mit dem, was man sehen und anfassen kann, sondern mehr noch mit dem, was nicht zu sehen und nicht anzufassen ist, nämlich mit dem lebendigen Gott selbst?. Diese lebendige Liebe zu Gott, die wir Glauben nennen, war die innere Energie, die das Denken, Sprechen, Beten und Handeln von Pater Werenfried van Straaten bewegt hat“.

Die Worte des Kardinals wären nicht „meisnerhaft“ gewesen ohne die eine oder andere Anspielung auf die Aktualität, den Blick, ja den Scheinwerfer des Glaubens auf die Gegenwart. So sagte er zum Thema Werenfried und Hoffnung: „Er stellte Blankoschecks aus, die nicht durch die aktuellen Kontostände gedeckt waren. Sie waren aber gedeckt durch die Kraft seiner Hoffnung, die wusste, dass Gott immer das gibt, was zur Linderung der Not anderer nötig war. Sein ganzes Lebenswerk war eigentlich nur die Konsequenz seiner Hoffnung. Ohne regelmäßige finanzielle Zuwendungen übernahm er Aufgaben und Verpflichtungen, die sich über lange Zeiträume erstreckten.“ Kardinal Meisner sagte das nicht nur in wohlgefälliger Erinnerung an einen Freund, sondern stellte dieses Denken und Handeln als Beispiel christlichen Lebens vor. Pater Werenfried sei „ein Meister der Hoffnung“ gewesen. Es sei „die Hoffnung, mehr einzukaufen, als ich Geld in der Tasche habe, im Hinblick darauf, dass Gott in seiner Güte und seinem Erbarmen den Fehlbetrag übernehmen wird“. Pater Werenfrieds „Hoffnungskraft hob ihn aus den normalen Handlungsmaximen eines Durchschnittsmenschen heraus und versetzte ihn in die Dimensionen der Großzügigkeit und Hochherzigkeit Gottes. Und diese Kraft, die aus einem kleinen Menschenherzen einen Vulkan des Vertrauens und des Glaubens macht, nennen wir Hoffnung“.

Ein Weltverbesserungsinstitut? Keine Gefahr!

Glaube, Hoffnung und Liebe seien „für Pater Werenfried keine Theorie“ gewesen, sondern „Lebenselement“. Vor allem „in der Liebe Gottes, lebte er, bewegte er sich und war er zu Hause“. Nächstenliebe sei für ihn „nichts anderes als eine Weise der Gottesliebe in den Dimensionen dieser Welt“ und deshalb sei sein „Werk auch nie in Gefahr gewesen, ein Weltverbesserungsinstitut zu werden. Dass die Welt durch sein Tun und sein Werk besser geworden ist, soll damit gar nicht in Abrede gestellt werden, aber seine Absicht war, den überaus liebenswürdigen Gott in seinen Geschöpfen, in seinen Kindern, zu lieben und ihm damit zu dienen“. Pater Werenfried habe „im Nächsten neben mir“ Gottes Abbild und somit Gottes Kind gesehen. „Diese Wirklichkeit löste alle Kräfte der Phantasie und der Tatkraft bei Pater Werenfried aus, sodass er wirklich zu einem Abenteurer der Liebe wurde. Er fand immer wieder neue Wege und Möglichkeiten, denen zu helfen, die ihn brauchten“. Darum bemüht sich das Hilfswerk auch heute. Ein Beispiel wurde bei der anschließenden Gedächtnisfeier im Maternushaus geradezu sichtbar in der Gestalt des Erzbischofs Raphael Cheenath aus dem indischen Bundesstaat Orissa. Dort waren in den letzten Monaten mehr als zweihundert Christen getötet, zehntausende von fanatischen Hindus vertrieben worden, ihre wurden Häuser geplündert und abgebrannt, mehrere Priester wurden ermordet, Schwestern vergewaltigt. Noch heute leben viele vertriebene Christen in Wäldern, sie haben Angst zurückzukehren. „Wohin auch?“, fragt der Erzbischof, sie würden nur Ruinen vorfinden und die Regierung zögert die Entschädigung und selbst Schutzmaßnahmen hinaus, „weil sie so wegen der anstehenden Wahlen bei den Hindus auf mehr Wähler zählen kann“. Es war ein bewegendes Zeugnis und die Referentin des Hilfswerks für Indien, Marie Ange Siebrecht, ergänzte einfühlsam die Worte des Bischofs mit Hintergrundinformationen und Erfahrungen.

Vor 50 Jahren besuchte Pater Werenfried Indien zum ersten Mal und „entdeckte“ Mutter Teresa. Asien, Lateinamerika, Afrika, Osteuropa – Kirche in Not ist überall tätig. Und das als Hilfswerk päpstlichen Rechts. Zu Beginn war es ein Impuls Pius XII., der zur Gründung des Hilfswerks führte. Die langjährige Generalsekretärin des Werks, Antonia Willemsen, führte dies sehr anschaulich vor mit Beispielen aus den Begegnungen Pater Werenfrieds mit den Päpsten des vergangenen Jahrhunderts. Es wurde deutlich, wie sehr die Päpste diesem „Abenteurer der Liebe“ vertrauten, wie sehr sie bei ihm, dem „Meister der Hoffnung“ die Not der Kirche in guten Händen wussten. Es war geradezu von symbolischer Bedeutung, dass der Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean Claude Perisset, das Werk als „gläubig, kirchlich und missionarisch“ definierte. „Die Not ist unsere Mission“, sagte er und da die Kirche immer in Not sei, sei das auch eine „Garantie für das Weiterbestehen des Werkes“. Die Treue Pater Werenfrieds zu den Päpsten gehöre zum Charisma des Werkes. Diese Treue sei Grund für aufrichtige Dankbarkeit.