„Ein Ja mit Leib und Seele“

Weihbischof Schwaderlapp spricht sich in Neviges für Erdbestattung aus. Von Heinrich Wullhorst

Neviges (DT) In Neviges, dem Wallfahrtsort, der zum Erzbistum Köln gehört, macht zunächst Petrus mit einer schlechten Wettervorhersage der Absicht, den Gottesdienst am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel auf dem Marienberg im Freien zu halten, einen Strich durch die Rechnung. So kommen die zahlreichen Pilger und die Menschen aus der Umgebung in den Mariendom. Dort zelebriert der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp die Messe, die von einem Bläserensemble und einem Chor festlich begleitet wird. „Das Hochfest Mariä Himmelfahrt ist so etwas wie das Osterfest im Sommer“, vergleicht der Weihbischof die Auferstehung Jesu mit der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel. Er nimmt den Festakt zum Anlass, über den „2 000 Jahre dauernden Kampf um die Würde des Lebens“ zu predigen. Den Menschen sei es immer wieder schwergefallen, an die Menschwerdung Gottes zu glauben. Dabei habe Gott durch die Annahme des menschlichen Leibes diesem eine besondere Würde gegeben.

Wegen der unterschiedlichen Auffassungen der Menschen hätten sich zwei extreme Lesarten rund um die Bewertung des Leibes entwickelt. Auf der einen Seite sei dies die Ansicht, alles was mit dem Leib zu tun habe, sei sündhaft. Demgegenüber stehe die Auffassung, es sei völlig egal, was man mit dem Leib tue oder anstelle. Schwaderlapp beklagt, heutzutage herrsche eine „Zeit der Leibfeindseligkeit, in der die Menschen den Leib zunehmend vergötzen. Dadurch wird seine Würde mit Füßen getreten.“ Auf einmal sei alles erlaubt und alles banal, was mit dem Leib zu tun habe, kritisiert der Weihbischof.

Demgegenüber zeige das gesamte Leben der Gottesmutter die Verbindung von Leib und Seele. „Mit der Annahme ihrer Berufung zur Mutter des Herrn hat Maria ihren Leib zur Verfügung gestellt“, erklärt Schwaderlapp. Ihr Wort, „mir geschehe, wie du gesagt“ sei ein Ja mit Leib und Seele. So wie Maria, rufe Gott uns alle, ihm mit Leib und Seele zu folgen. Die Angst, die mit dem Ruf Gottes verbunden war, habe Maria sicher leiblich spüren können, sie habe sie aber im Vertrauen auf Gott überwunden. Neben der Berufung Mariens sei auch ihre Bewährung im Leben mit Leib und Seele erfolgt. Maria sei sowohl leibliche Mutter Jesu als auch Jüngerin des Herrn. In dieser Doppelrolle habe sie dann sowohl leiblich als auch mit ihrem ganzen Seelenschmerz unter dem Kreuz gestanden. Das sei ein Ausdruck größter Liebe. „Liebe muss sich verleiblichen, nur dann kann sie sich bewähren“, betont der Weihbischof. Maria habe diese Bewährung bestanden „und wir müssen an ihr Maß nehmen“. Und auch die Vollendung Mariens sei, so Dominikus Schwaderlapp mit Leib und Seele erfolgt. Maria sei bereits ohne Schuld auf die Welt gekommen. Ihr Leib sei in ihrem Leben geheiligt geblieben und sei so, zusammen mit der Seele, in den Himmel aufgenommen worden. „Auch unsere Perspektive ist es, mit Leib und Seele aufzuerstehen“, erklärt der Weihbischof. Dies sei das große Geheimnis, „dass wir uns nicht vorstellen können, aber glauben“. Schwaderlapp berichtet von Gräbern aus der Anfangszeit der Christen, die man in Rom gefunden habe. Archäologen hätten sie deshalb als christliche Gräber identifizieren können, weil sich die Nichtchristen in der damaligen Zeit nach dem Tod hätten verbrennen lassen. Diejenigen, die sich in der Nachfolge Jesu sahen, hätten die Bestattung mit ihrem irdischen Leib gewählt. Zwar sei auch für Christen heute die Urnenbestattung zugelassen, dennoch ist Schwaderlapp der Auffassung, dass „die Würdigung des Leibes in der Erdbestattung angemessener zum Ausdruck komme“. Der Weihbischof ruft am Hochfest Mariä Himmelfahrt dazu auf, „Maria als Wegbegleiterin zu dem großartigen Ziel unserer eigenen Auferstehung von den Toten“ anzunehmen.

Auch zum Festgottesdienst nach Neviges sind Frauen mit Kräutersträußchen gekommen. Die Buschen werden gesegnet: Mit dem Hochfest ist der Brauch der Kräuterweihe verbunden. Diese Tradition, die im Ursprung auf vorchristliche Zeiten zurückgeht und mit der Legende verbunden ist, dass das Grab der Muttergottes nach drei Tagen statt ihres Leichnams duftende Kräuter enthielt, wird auch in Nordrhein-Westfalen durchaus gepflegt. Besonders im Erzbistum Paderborn scheint sich der in südlicheren Bistümern üblichere Brauch in vielen Gemeinden durchzusetzen. So gehört auch am Marienwallfahrtsort Werl die Kräuterweihe zum 15. August dazu.

In dem größten und bekanntesten Wallfahrtsort des Bundeslandes, im niederrheinischen Kevelaer, wird zugleich das Patronatsfest der Pfarr- und Wallfahrtskirche in der Marienstadt gefeiert. In diesem Jahr ist der neue Weihbischof Rolf Lohmann Hauptzelebrant und Prediger. Für ihn ist es bereits nach kurzer Zeit eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Bis vor kurzen war er hier der Rektor der Wallfahrt. In Kevelaer wird den Pilgern aus Anlass des Festes Mariä Himmelfahrt die Möglichkeit zum Empfang eines Einzelsegens gegeben. Das Patronatsfest geht allerdings noch weiter. Am Sonntag wird es eine weitere äußere Feier geben. Aus diesem Anlass kommt der Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg aus der Erzdiözese München und Freising in die Marienstadt. Auch zu diesem Anlass wird nach der Festandacht, die um 15 Uhr in der Basilika beginnt, der Einzelsegen für die Pilger erteilt.