Ein Freund des Friedens

Zum Gedenken an den heiligen Großabt Petrus Venerabilis am 25. Dezember. Von Katrin Krips-Schmidt

Die Person und die Persönlichkeit des heiligen Petrus Venerabilis, des großen monastischen Geistes des Klosters Cluny aus dem 12. Jahrhundert, sind von einer überraschenden Aktualität. Unter der Leitung dieses Heiligen erreichte Cluny seine Hochblüte – ein Zentrum des Mönchtums, wo es Papst Gregor VII. zufolge „keinen einzigen Abt gab, der kein Heiliger gewesen wäre“.

Der zwischen 1092 und 1094 in der zentralfranzösischen Auvergne geborene Petrus Venerabilis – der „Ehrwürdige“ – stammte aus dem Adelsgeschlecht der Montboisier und erhielt seine Erziehung im Kloster Sauxillanges. 1109 trat er in die Abtei von Cluny ein, wo er 1122 – kaum dreißigjährig – zu deren neuntem Großabt ernannt wurde. Er war keinem Bischof, sondern direkt dem Papst unterstellt.

In dogmatischen Fragen verlässlich auf den Fundamenten der Kirche stehend, verteidigte er den Glauben gegen Angriffe von Häretikern, dies jedoch mit Güte, christlicher Nächstenliebe und Augenmaß. So bezog er in umfangreichen Schriften Position gegen den Wanderprediger Pierre de Bruis, der zentrale Glaubensinhalte angriff, wie etwa die Kindertaufe, das Messopfer und den Bau von Kirchengebäuden.

In der Zeit der Kreuzzugbewegung war Petrus von Cluny der erste, der die Muslime nicht mit Waffen schlagen, sondern mit der Macht der Worte zu einer Abkehr vom Islam bewegen wollte, den er als die gefährlichste Häresie überhaupt betrachtete. Um dieser – statt mit Beschimpfungen – kenntnisreich durch eine vernunftgemäße Widerlegung ihrer Glaubenssätze begegnen zu können, ließ er von der Übersetzerschule von Toledo den Koran ins Lateinische übersetzen. Sein Ziel bestand darin, Christen gegen den Islam zu immunisieren und Muslime zu missionieren. Im „Liber contra sectam sive haeresim Saracenorum“ schrieb er, an die Muslime gewandt: „Ich greife euch nicht, wie die Unsrigen es so oft tun, mit Gewalt an, sondern mit Vernunft, nicht mit Hass, sondern mit Liebe.“

Zwischen Bernhard von Clairvaux und dem Philosophen und Theologen Abaelard – einige seiner Lehren wurden auf der Provinzsynode von Sens 1140 verurteilt – vermittelte Petrus bei einem Streit zwischen den beiden Widersachern und betätigte sich in seiner ausgleichenden, mäßigenden Art einmal mehr als Friedensstifter. Darüber hinaus gewährte er Abaelard in dessen letzten Lebensjahren in seinem Kloster Zuflucht. Über sich selbst schrieb Petrus: „Es liegt in meinem Wesen recht begabt zu sein für die Nachsicht; dazu regt mich meine Gewohnheit zu vergeben an. Ich bin es gewöhnt, zu ertragen und zu vergeben. Mit denen, die den Frieden hassen, möchten wir nach Möglichkeit immer friedvoll sein.“

In Cluny wirkte er als Reformer, der Missbräuche beseitigte und Verwaltung und Organisation modernisierte. Im Orden der Cluniazenser wurde er schon zu Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt und sein Charisma des Ausgleichs hat ihm seit Ende des 12. Jahrhunderts den Beinamen „der Ehrwürdige“ eingetragen. Der heilige Petrus Venerabilis starb am Weihnachtstag des Jahres 1156 friedlich. Sein Biograf Rudolf bemerkt zu dieser Todesstunde: „Der Freund des Friedens hat am Tag des Friedens in der Herrlichkeit Gottes seinen Frieden gefunden.“