Ehre, Sünde und die Freiheit, zu lieben

Teresa-von-Ávila-Biografie von Alois Prinz. Von Barbara Stühlmeyer

Unter dem schlichten Titel Teresa von vila hat Alois Prinz eine neue Biografie der spanischen Heiligen vorgelegt, die es buchstäblich in sich hat. Alois Prinz hat einen anderen Ansatz. Er nähert sich den Menschen, deren Lebensgeschichten er erzählt – bisher waren dies beispielsweise Ulrike Meinhof, Franz Kafka, der Apostel Paulus, Josef Goebbels, Jesus von Nazareth, Klaus Mann oder Martin Luther –, von innen und bezieht zugleich deren historisches Umfeld mit ein. Man hat beim Lesen den Eindruck, dass er sich mit Teresa beschäftigt, wie man es mit einer guten Freundin tun würde, deren Tun und Handeln man unbedingt verstehen will. Deshalb erklärt Prinz ausführlich die Vorgeschichte von Teresas Familie, die von ihrem Dasein als Conversos geprägt ist. In Spanien sahen sich Juden und Muslime unter einem starken Druck, entweder zu konvertieren oder das Land zu verlassen. Entschieden sie sich für die Konversion, waren ihre Probleme damit aber keinesfalls vom Tisch, denn nicht alle vollzogen den Wechsel zum christlichen Glauben von ganzem Herzen. Misstrauen war die Grundstimmung gegenüber Conversos. und so befand sich die Familie Teresas in einer ständigen Verteidigungsposition.

Teresa war ein schönes, liebenswürdiges und lebensfrohes junges Mädchen. Das restriktive Leben, das man von einer Ehefrau erwartete, kam ihr wie ein Gefängnis vor. Teresa teilte die Leidenschaft ihrer Mutter zu Ritterromanen, doch als es darum ging, ihrem Leben eine konkrete Form zu geben, war ihr diese Form geistiger Nebenwelten nicht genug. Sie entschied sich für das Kloster. Was sie dort erlebte und wie sie mit den verordneten Formen der Frömmigkeit umging, die für ihre Spiritualität nicht gerade hilfreich waren, ordnet Prinz nicht nur historisch ein. Er vergleicht einzelne Aspekte von Teresas Spiritualität mit der anderer Christen wie Sören Kierkegaard und Teilhard de Chardin und weitet so den Blick des Lesers im Hinblick auf die Geschichte der Spiritualität.

Es gleicht einem Wunder, dass Teresa unter den Bedingungen des 16. Jahrhunderts überhaupt zu einer so glücklichen, geistig freien christusliebenden Nonne werden konnte. Die Heilige Schrift war Laien zu jener Zeit nicht im vollen Umfang zugänglich. Ihre besondere Art des Gebetes und der Betrachtung lernte sie gegen mannigfaltige Widerstände, selbst dämonische Besessenheit unterstellte man ihr. Dass sie dennoch immer darauf bestand, die eigenen Erfahrungen mit anderen zu teilen und sie kontrollieren zu lassen ist ein bemerkenswertes Zeugnis der Stärke und der geistigen Freiheit. Letztlich war es ihr Charisma, das es Teresa ermöglichte, immer wieder neu aufzubrechen, Neues zu wagen und Menschen zu finden, die sie auf ihren Wegen begleiteten und die Reform ihres Ordens unterstützten. Die Biografie von Alois Prinz ist einer Ermutigung, es ihr nachzutun.

Alois Prinz: Teresa von Ávila – die Biografie. Insel Verlag, Hamburg, 2014, 265 Seiten, ISBN 978-3-458-17618-3, EUR 22,95