Düstere Worte zur Osternacht

Die Kirche steckt trotz aller Osterfreude weiter in der Krise. Deutsche Bischöfe fassen es in ihren Predigten in Worte. Von Kilian Martin

Osternacht im Freiburger Münster
Die Osterkerze soll in der Osternacht den Sieg des Lichts über die Dunkelheit symbolisieren. Foto: dpa

Die Missbrauchskrise hält die katholische Kirche in Deutschland weiter fest im Griff. Gleich mehrere Bischöfe nutzten die Feier des Osterfestes, um in Predigten erneut die gravierenden Folgen des Skandals zu betonen. So bekannte der Limburger Bischof Georg Bätzing in der Osternacht, dass es in „in diesem Jahr mehr Kraft als sonst“ koste, seinen Glauben zu bekennen. „Die Stürme, in die wir als Kirche geraten sind – durch Versagen und persönliche Schuld, bleiben auch mir nicht in den Kleidern stecken.“ Die Kirche sei „fragwürdig geworden“, so Bätzing weiter. „Das trifft ins Mark und geht bis an die Substanz des Glaubens.“ Umso mehr brauche es authentische Zeugen. Am Ende sei es jedoch allein Gott selbst, der die Menschen zum Glauben an ihn führen könne.

Auch Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck betonte in seiner Predigt zur Osternacht, „manche Schwierigkeiten zu glauben und manche Frage an den Glauben“ seien als Folge der Missbrauchskrise zu verstehen. „Das einmal geschenkte Vertrauen ist verspielt“, so Overbeck. In dieser Situation sehe er insbesondere die Bischöfe gefragt: „Wir sehen, dass wir in unseren heutigen Welten neues Vertrauen leben müssen, das früher auf das große Gegenüber, auf Gott gerichtet war“, so der Bischof. Heute seien stärker Menschen und deren Fähigkeiten gefragt.

Der Vertrauensverlust infolge der Missbrauchskrise stand auch im Mittelpunkt der Osternachtpredigt von Bischof Franz-Josef Bode. Die Kirche stehe „nackt da in der Blöße der Schuld, die geweihte Personen auf sich geladen haben und die verantwortliche Personen nicht erkannt, verschwiegen oder vertuscht haben“, so der Osnabrücker Oberhirte. Die Kirche sei „bis in ihren Grund erschüttert“. „Ja, mancher tote Baum muss abgeholzt werden, damit mehr Licht in die Dunkelheit kommt. Und manches ist bis in die Wurzeln krank.“ Zugleich sehe Bode in der Kirche „ganz empfindsam und fragil neues Vertrauen“ heranwachsen: „Die Bemühungen so vieler um größere Einfachheit, um Transparenz und Lauterkeit, um mehr Hören und Horchen auf den Willen Gottes in dieser Zeit, um mehr Wachheit für die Zeichen der Zeit und das Leben der Menschen.“

In deutlichen Worten beklagte auch Speyers Bischof Karl-Heinz Wiesemann in der Osternacht einen „erdrutschartigen Verlust an Glaubwürdigkeit und Glauben bei so vielen Menschen“. Zahlreiche Gläubige würden ihm „ihre brennenden Sorgen“ über den „gewaltigen Vertrauensverlust“ der Kirche und die „massiven Verunsicherungen“ der Menschen mitteilen. Wiesemann frage sich, ob nicht „vieles, was bis vor kurzem noch sicher und ewig zu stehen schien“, haltlos in sich zusammenbreche.

Es brauche „gerade jetzt Menschen, die für den Neuaufbau der Kirche im Geist des Auferstandenen sich entflammen lassen“, so Wiesemann weiter. „Wir brauchen gemeinsame synodale Wege in der Kirche, ehrliche Aufarbeitung von Schuld und Versagen, leidenschaftliche Diskussionen um erneute gemeinsame Wege und motivierende Visionen, wie sie uns der Geist eingibt.“ Dazu brauche es „Mut, auch Spannungen miteinander auszuhalten“. Zugleich betonte der Bischof, „Ängstlichkeit, Abwehr, starres Festhalten, Sich-Verschließen hinter sicher gemeinten Mauern“ seien seines Erachtens „eine Sünde gegen den Heiligen Geist“.

Hildesheims Bischof Heiner Wilmer zeigte in seiner Osterbotschaft Verständnis für Glaubenszweifel. Das Leben nach dem Tod „übersteigt schlicht unsere Vorstellungskraft“. Die Frage nach Gott dränge „sich auf angesichts von Krieg, Verzweiflung und Elend“. Zugleich betonte Wilmer, dass der Zweifel zum Glauben gehöre. „Unser Leben besteht aus Graustufen und Zwischentönen, aus Meinungsverschiedenheiten und Ungewissheiten, die wir aushalten müssen, auch wenn es gerade keine passende Antwort gibt.“ Das Gebet, die Gemeinschaft und das Geschenk der Erlösung würden den Gläubigen dabei Halt geben.

In seiner Predigt zur Osternacht drückte auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf seinen Schmerz über Angriffe auf die Kirche etwa infolge der Missbrauchskrise aus. „Es tut mir oft so weh, wenn Menschen ihre Verachtung, ja, auch ihren Hass über die Kirche ausschütten.“ Es stimme, dass Menschen „vielfaches Leid angerichtet“ hätten. Die Kirche sei jedoch in erster Linie Ort der Gegenwart Christi.

Damit komme die Kirche auch in ihrem sozialen Engagement nicht ohne Glauben an den Auferstandenen aus. Als seine „große Sorge als Bischof“ bezeichnete es Kohlgraf, „dass zunehmend Menschen mit uns leben, die ihn nicht mehr kennen, die ihn aber scheinbar auch nicht vermissen“. „Ich halte dies für eine katastrophale Verarmung des Menschseins.“ Er selbst sei „unendlich dankbar“, Christus kennengelernt zu haben und ermutige insbesondere die Eltern, ihren Nachwuchs mit Gott in Berührung zu bringen. Zugleich dankte Kohlgraf „allen, die ihre Kinder nicht um Gott betrügen“.