„Diesen Weg können wir nicht mitgehen“

Bischof Egon Kapellari und Bischof Klaus Küng kritisieren „Pfarrer-Initiative“. Von Stephan Baier

Bischof Klaus Küng. Foto: Kathbild/Rupprecht
Bischof Klaus Küng. Foto: Kathbild/Rupprecht

Wien/Graz (DT) Deutliche Kritik an der sogenannten Pfarrer-Initiative haben die Bischöfe von Graz-Seckau und St. Pölten, Egon Kapellari und Klaus Küng, geübt. Bei einem Medienempfang meinte Bischof Kapellari, der auch stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz ist, am Montagabend: „Österreich ist nicht der Nabel der Welt und die katholische Kirche in Österreich ist – etwas vulgär ausgedrückt – nicht der Nabel der Weltkirche. Wer trotz allem in Selbstüberschätzung nach dem Steuer der Ortskirche und der Weltkirche zu greifen sucht, der spaltet die Kirche. Diesen Weg können wir daher selbstverständlich nicht mitgehen.“

Österreichs Bischöfe würden „gemeinsam mit der Weltkirche, der diese Probleme sehr vertraut sind“, über die bestehenden Probleme nachdenken sowie versuchen, „Probleme zu lösen, zu mildern oder mindestens erträglicher zu machen“. Der steirische Bischof warnte jedoch: „Wenn aber nun von Wien aus mit wachsender Intensität versucht wird, Schritte auf einem österreichischen Sonderweg abseits der Weltkirche und ohne oder gegen den je eigenen Bischof zu tun und dafür auch internationale Allianzen zu erreichen, dann verlangt dies ein klares Nein und ich sage das als einer der österreichischen Bischöfe, der darüber mit den betroffenen Priestern der eigenen Diözese in einem brüderlichen Klima im Gespräch war und bleibt.“ Bischof Kapellari hatte bereits in einem ausführlichen Hirtenbrief Mitte März deutliche Kritik an der „Pfarrer-Initiative“ geübt.

Der Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, hat nun in einem Brief an alle Priester und Diakone seiner niederösterreichischen Diözese daran erinnert, dass Glaube und Gehorsam „nahe beieinander“ seien: „Glauben führt zum Gehorsam gegenüber Gott, gegenüber Christus, dem Mensch gewordenen Gott, auch gegenüber der Kirche, denn sie vergegenwärtigt Christus und sein Wort, sie vermittelt das Wort, ihn selbst, Christus. Dafür wurde sie ja von Christus eingesetzt.“ Für ihn sei die Pfarrer-Initiative deshalb eine Sorge, so Küng. „Ungehorsam als Prinzip, auch Ungehorsam als eine Art Provokation zur Erzwingung bestimmter Entscheidungen kann auf Dauer nicht gut gehen, auch nicht die fortwährende Ablehnung bestimmter weltkirchlicher oder diözesaner Bestimmungen, selbst dann, wenn diese nicht allesamt Glaubenswahrheiten sind, die nicht verändert werden können.“ Er selbst hoffe, „dass ich nicht genötigt sein werde, gegen Mitbrüder vorzugehen, die in ihren Haltungen beharren. Das würde mir sehr leid tun“, schreibt der Bischof von St. Pölten.

Eine konkrete Forderung der Pfarrer-Initiative weist Küng in seinem Brief ausdrücklich zurück: „In den Wortgottesfeiern soll auch keine heilige Kommunion gespendet werden.“ Im „Aufruf zum Ungehorsam“ hatte es im Gegensatz dazu geheißen: „Wir werden künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als priesterlose Eucharistiefeier ansehen und auch so nennen.“ Der Bischof von St. Pölten mahnt nun: „Wenn wir an Christus und seine Gegenwart in der Eucharistie glauben, dann werden wir die Orte, an denen Eucharistie gefeiert wird, so wählen, dass möglichst viele Gläubige der Umgebung daran teilnehmen können, und die Gläubigen werden alles tun, um möglichst an keinem einzigen Sonntag bei der Eucharistiefeier zu fehlen, selbst wenn sie die Mühe einer etwas längeren Wegstrecke auf sich nehmen müssen.“ Zum bevorstehenden „Jahr des Glaubens“ meint Bischof Küng in seinem Brief, die große Aufgabe bestehe darin, das Evangelium heute zu leben und es den Menschen unter den gegenwärtigen Verhältnissen nahe zu bringen. „Das persönliche Ansprechen Anderer ist etwas, das viele Christen neu lernen müssen“, so Küng.